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Medizin
22. September 2016

Behandlungsmöglichkeiten bei epithelialem Hautkrebs und Merkelzellkarzinom

Keratinozyten bilden natürlicherweise unser äußeres Schutzschild in Form einer geschichteten feinen Hornhaut. Im Laufe des Lebens führen Schäden von außen insbesondere durch UV-Licht nicht selten zur Entstehung von keratinozytärem Hautkrebs, der häufigsten Krebsart bei hellhäutigen Menschen weltweit. Keratinozytärer Hautkrebs tritt auch bei jungen Menschen auf und bildet deshalb einen Schwerpunkt des Deutschen Hautkrebskongresses, der noch bis zum 24. September 2016 in Dresden stattfindet.
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Die oberflächlichen aktinischen Keratosen stellen krebsartige Veränderungen dar, die in der Oberhaut bleiben, deshalb keine Absiedlungen bilden und einer Vielfalt an Behandlungsmöglichkeiten von außen zugänglich sind. Die Therapie richtet sich danach, ob einzelne Hautveränderungen vorliegen oder ob diese multipel sind und in Form einer Feldkanzerisierung in Erscheinung treten. Die Behandlung kann mit verschiedenen Wirkstoffen in Form von Cremes oder in der Kombination von aufzutragenden Wirkstoffen und einer speziellen Lichttherapie bestehen. Weiterhin können Vereisungen oder oberflächliche tangentiale Abtragungen erfolgen. Die Notwendigkeit der Behandlung der aktinischen Keratosen ergibt sich aus dem Risiko, dass sich diese zu invasivem Hautkrebs weiter entwickeln können (Risiko zwischen 0,025 und 16%). Untersuchungen aus Deutschland zeigten: bei den 60-70-jährigen Männern sind 16,36% und bei den Frauen 6,29% betroffen. Ein erheblich erhöhtes Risiko für die Ausbildung von aktinischen Keratosen und Plattenepithelkarzinomen haben Menschen nach einer Organtransplantation und bei Erkrankungen der Abwehrzellen des Blutes.

Wenn bereits ein invasives Plattenepithelkarzinom der Haut vorliegt, sollte immer die Option einer Operation geprüft werden. Das Plattenepithelkarzinom ist ein bösartiger Tumor, der von der Oberhaut ausgeht, die Haut lokal schädigt und zu Absiedlungen in andere Organe führen kann. Die Gefahr von Metastasen durch das Plattenepithelkarzinom der Haut wird immer noch unterschätzt, so dass Hautärzte vermehrt mit Menschen konfrontiert sind, bei denen eine Operation nicht mehr möglich erscheint oder wo es schon zu bösartigen Absiedlungen in andere Organe gekommen ist. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse haben es erst kürzlich ermöglicht, dass durch den Einsatz von  Immun-Checkpoint-Inhibitoren (PD-1-Antikörpern) sogar noch in dieser lebensbedrohlichen Situation eine Besserung für die Betroffenen mit metastasierten Plattenepithelkarzinomen erreicht werden konnte, obwohl Chemotherapie und andere Strategien bereits versagt hatten.

Eine zweite Form des invasiven keratinozytären Hautkrebses ist das Basalzellkarzinom,  die häufigste Form des keratinozytären Hautkrebses in unseren Breiten. Rund 85% der Menschen in Deutschland, bei denen erstmals ein heller Hautkrebs festgestellt wird (das sind 130.000 bis 230.000 pro Jahr), sind hiervon betroffen. "Die jüngste Patientin, die wir dieses Jahr in Dresden wegen eines Basalzellkarzinoms im Gesicht hier in Dresden operieren mussten, war erst 26 Jahre alt", sagt Dr. Maschke, Tagungsleiter des Hautkrebskongresses und operativer Oberarzt der Dresdener Universitätshautklinik.

Wenn ein Subtyp des ganz oberflächlich wachsenden Basalzellkarzinoms vorliegt, können wie bei den aktinischen Keratosen bestimmte Wirkstoffe in Cremeform eingesetzt werden. Liegen jedoch knotig oder vernarbend wachsende Basalzellkarzinome vor, so muss die Möglichkeit der Operation geprüft werden. Obwohl meist operabel, gibt es auch eine nicht zu vernachlässigende Zahl an Patienten, bei denen eine Operation und/oder eine Bestrahlung nicht mehr medizinisch sinnvoll ist. Hier können dann, dank neuester medizinischer Erkenntnisse, zielgerichtete Wirkstoffe derart eingesetzt werden, dass sie lebenswichtige Signalwege im Basalzellkarzinomzellen unterbinden. Die beiden Signal-Hemmer Vismodegib und Sonidegib wurden in Studien erprobt und neueste Erkenntnisse zu ihren Einsatzmöglichkeiten, Wirkungen und Nebenwirkungen werden auf dem diesjährigen Hautkrebskongress diskutiert.

Eine seltene, jedoch zunehmend diagnostizierte Hautkrebsform ist das Merkelzellkarzinom. Es ist ein sehr aggressiv wachsender Hauttumor mit einem hohen Risiko der Bildung von Lymphknoten- und Organmetastasen. Patienten, bei denen diese Form des Hautkrebses gestreut hat, erfahren durch die klassische Chemotherapie meist nur eine kurzzeitige Hilfe und erleiden früh Rückfälle. Eine Reihe von aktuellen Forschungsergebnissen zeigt, dass Immun-Checkpoint-Inhibitoren wir PD-1- oder PD-L1-Antikörper eine hoffnungsvolle Behandlungsstrategie für Patienten mit metastasiertem Merkelzellkarzinom darstellen.

Die Besprechung der neuesten Studien, Studienergebnisse und von Möglichkeiten der Einbindung von molekularbiologischen Technologien bei der Diagnostik und Therapie der unterschiedlichen Formen des nicht-melanozytären Hautkrebses sind integraler Bestandteil der Tagung, die von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft (ADO) und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) veranstaltet wird.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie


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