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Medizin

30. September 2020 Astrozytom: Heilungschancen werden durch BMI beeinflusst

Neben anderen Faktoren haben das Alter und der Body-Mass-Index einen signifikanten Einfluss auf die weitere klinische Entwicklung von Patientinnen und Patienten, die an einer bestimmten Art von Hirntumor, dem adulten pilozytischen Astrozytom, leiden. Dies ist das international veröffentlichte Ergebnis einer der weltweit größten Untersuchungen zu diesem Thema, die von der Medizinischen Universität Wien mit Beteiligung der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften Krems (KL Krems) und Partnerinnen und Partnern aus Deutschland durchgeführt wurde. Tatsächlich konnte dabei gezeigt werden, dass bei Erwachsenen das pilozytische Astrozytom nach einer operativen Entfernung fast doppelt so häufig wieder auftrat bzw. weiter voranschritt als bei Kindern. Auch ein Body-Mass-Index über 23 führte häufiger zum Wiederauftreten des Tumors. Das erstmalige Erkennen dieser Zusammenhänge könnte zukünftig helfen, den weiteren Krankheitsverlauf bei erwachsenen Patientinnen und Patienten besser einzuschätzen und therapeutische Konzepte entsprechend zu optimieren.
Hirntumor ist nicht gleich Hirntumor. Über 120 Arten sind heute bekannt, und einige von ihnen gelten aufgrund eines langsamen, kaum streuenden Wachstums als „gutartig“. Das pilozytische Astrozytom (PA) fällt in diese Kategorie und ist der häufigste Hirntumor bei Kindern. Oftmals kann der Tumor operativ gut entfernt werden, und die 10-Jahres-Überlebensrate beträgt bei Kindern über 90%. Deutlich seltener ist dieser Hirntumor bei Erwachsenen – was dazu führt, dass wenige Daten über den Krankheitsverlauf existieren. Genau das hat eine der größten Studien weltweit zu diesem Thema nun geändert. Die Erkenntnisse der Studie wurden dabei im Journal of Neuro-Oncology veröffentlicht.

Faktoren finden

„Es wurden Daten von insgesamt 46 Patientinnen und Patienten im Alter von 19-74 Jahren ausgewertet, bei denen der Hirntumor operativ entfernt wurde“, erläutert Prof. Stefan Oberndorfer, Leiter der Klinischen Abteilung für Neurologie am Universitätsklinikum St. Pölten der KL Krems. „Dabei konnten ganz klar zwei Faktoren entdeckt werden, die den weiteren klinischen Verlauf nach der Operation beeinflussten: Das waren unter anderem auch das Alter und der Body-Mass-Index (BMI).“
Tatsächlich zeigten die Ergebnisse bei Erwachsenen, dass im Vergleich zu Betroffenen im Kindesalter der Tumor in fast doppelt so vielen Fällen (19,6% zu 10%) nach der Operation wiedererschien bzw. weiterwuchs, wobei der Beobachtungszeitraum im Mittel bei 53 Monaten lag. Eine weitere Differenzierung der Ergebnisse ergab, dass insbesondere ab einem Alter von 40 Jahren die Aussichten auf ein erneutes Tumorwachstum anstiegen.

BMI fällt ins Gewicht

Dem von Prof. Anna Sofie Berghoff an der Medizinischen Universität Wien geleiteten Team gelang es in der weitern Folge auch zu belegen, dass der Body-Mass-Index – ein Wert, der Gewicht und Größe zueinander in Relation setzt –  der Patientinnen und Patienten großen Einfluss auf den klinischen Verlauf nach der operativen Tumorentfernung hatte. Dazu Prof. Oberndorfer: „Im Mittel hatten die Personen zum Zeitpunkt ihrer Diagnose einen BMI von 22,8. Lag der BMI aber höher, so kehrte der Tumor bzw. dessen Wachstum deutlich schneller wieder zurück, und die Betroffenen lebten im Schnitt auch weniger lange.“ Über die Zusammenhänge zwischen erhöhtem BMI und den schlechteren klinischen Aussichten ist in diesem Fall wenig bekannt. Vermutet wird aber, dass physiologische Konsequenzen wie ein hoher Blutzuckerwert, Insulinresistenz oder erhöhte Abgabe von Fettsäuren ins Blut bestimmte Wachstumsfaktoren der Tumore beeinflussen könnten.

Grundlage der Studie war dabei die Neuro-Datenbank der Medizinischen Universität Wien. In dieser konnten die anonymisierten Daten von 46 Patientinnen und Patienten identifiziert werden, die im Zeitraum 2000 – 2018 eine PA-Diagnose und die entsprechende Behandlung erhielten. Diese Daten wurden von der 1. Medizinischen Abteilung für Onkologie der Medizinische Universität Wien unter Beteiligung des Universitätsklinikums St. Pölten, Abteilung für Neurologie, Kolleginnen und Kollegen der Ruprecht-Karls Universität in Heidelberg sowie dem Deutschen Krebsforschungszentrum ausgewertet und analysiert. Die nun gewonnen Ergebnisse können dazu beitragen, aggressivere Verlaufsformen bei dieser seltenen Erkrankung früher zu identifizieren und die Behandlung dieser Patienten dementsprechend anzupassen und zu verbessern.

Quelle: Privatuniversität Krems


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