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Medizin

27. Januar 2021 ASH 2020 News: Anhaltende Hämatokritsenkung und relevante Symptomverbesserung unter einer Therapie mit Ruxolitinib bei PV erneut bestätigt

Bei der virtuellen Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) 2020 wurden die 5-Jahres-Daten der Phase-III-Studie RESPONSE-2 bei Patienten mit HU-resistenter/-intoleranter PV ohne Splenomegalie unter einer Behandlung mit Ruxolitinib (Jakavi®) oder BAT präsentiert. Sie belegen eine langfristige Hämatokritsenkung über 5 Jahre unter dem Einfluss des JAK-Inhibitors, die auch mit einer Verminderung von TEs und einem reduzierten Bedarf an Phlebotomien einherging (1). Gleichzeitig gingen die PV-assoziierten Symptome der Patienten deutlich zurück, was in einer Verbesserung ihrer Lebensqualität über 5 Jahre widerspiegelte (1).
Die Langzeitdaten der RESPONSE-2-Studie sind konsistent mit den bereits publizierten 5-Jahres-Daten der Phase-III-Studie RESPONSE, die einen anhaltenden klinischen Nutzen von Ruxolitinib für HU-resistente/-intolerante PV-Patienten mit Splenomegalie gezeigt hatten (3). Die Vorteile eines Einsatzes von Ruxolitinib bei der PV konnten auch in einer Beobachtungsstudie unter Real-World-Bedingungen bestätigt werden – unabhängig vom initialen Vorliegen einer Splenomegalie (2). Ruxolitinib ist angezeigt für die Behandlung von Erwachsenen mit Polycythaemia vera, die resistent oder intolerant gegenüber Hydroxycarbamid (Hydroxyurea, HU) sind (4).

RESPONSE-2: Überlegenheit von Ruxolitinib versus BAT im Langzeitverlauf

Die multizentrische Phase-III-Studie schloss PV-Patienten ohne Splenomegalie nach inadäquater HU-Therapie ein. Sie erhielten nach 1:1-Randomisierung entweder Ruxolitinib (10 mg 2 x tgl.; n=74) oder BAT (n=75). Primärer Studienendpunkt war das Erreichen einer Hämatokritkontrolle (Hämatokrit < 45%). Nach einer Behandlungszeit von 28 Wochen war ein Wechsel (Crossover) von BAT auf Ruxolitinib erlaubt. Diese Möglichkeit nutzten 58 von 75 Patienten der BAT-Gruppe (1).

Langzeitwirksamkeit über 260 Wochen

Die finalen Studiendaten bestätigen die gute Langzeitwirksamkeit von Ruxolitinib über 260 Wochen (5 Jahre). Am Ende des Beobachtungszeitraums war der Hämatokrit bei 21,6% der Patienten unter dem Einfluss von Ruxolitinib anhaltend kontrolliert (1). Auch die Cross-over-Patienten profitierten von der Umstellung auf den JAK-Inhibitor mit verbesserten Hämatokritwerten, die im Laufe der Behandlung im Median von initial 46,2% auf 38,9% sanken. Parallel reduzierte sich im Therapieverlauf unter dem Einfluss von Ruxolitinib auch die JAK2 V617F-Allellast: bei den von Beginn an mit Ruxolitinib behandelten Patienten um 14,8% und bei den Cross-over-Patienten um 13,5% (1). Ein komplettes hämatologisches Ansprechen (CHRB; Hämatokrit < 45%, Thrombozyten ≤ 400 x 109/l und Leukozyten < 10 x 109/l), erreichten in Woche 260 noch 12,2% der mit dem JAK-Inhibitor behandelten Patienten (1).

Überlegenheit gegenüber BAT

Neben der Hämatokritsenkung sind das Erreichen von Phlebotomie-Unabhängigkeit und die Verminderung von TEs wichtige Therapieziele bei der PV (4, 5). Hinsichtlich beider Aspekte konnte Ruxolitinib seine Überlegenheit gegenüber BAT zeigen. Über 260 Wochen wurden bei Patienten, die von Beginn an Ruxolitinib erhalten hatten (n=74), 60 Phlebotomien benötigt, bei den Cross-over-Patienten (n=58) 99 in 232 Wochen. Unter BAT (n=75) hatte die Anzahl der Phlebotomien im Vergleich dazu bei 106 gelegen, bezogen auf 80 Wochen. In eine ähnliche Richtung wies die Auswertung der für die Expositionszeit adjustierten TE-Rate: Sie lag bei 1,5 in der Gruppe der initial mit Ruxolitinib behandelten Patienten, gefolgt von den 2,9 bei den Cross-over-Patienten und 3,7 bei den Patienten der BAT-Gruppe (1). Diese Unterschiede sind von klinischer Relevanz, da TEs die Hauptursache für Morbidität und Mortalität bei der PV darstellen (4, 5).

Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse den klinischen Nutzen von Ruxolitinib im Hinblick auf die Reduktion von Phlebotomien und TEs gegenüber BAT, machen aber auch die Vorteile eines frühzeitigen Einsatzes des JAK-Inhibitors gegenüber einer verzögerten Gabe deutlich.

Ruxolitinib führte in der RESPONSE-2-Studie außerdem zu einer langanhaltenden Verbesserung PV-assoziierter Symptome über 260 Wochen. 45,2% der Patienten erreichten unter dem Einfluss des JAK-Inhibitors nach 260 Wochen eine Reduktion des MPN(myeloproliferative Neoplasien)-Gesamtsymptom-Scores (MPN-SAF TSSC) um mindestens 50% gegenüber 15,9% unter BAT, was auch mit einer anhaltenden Verbesserung der Lebensqualität einherging.(1) Das Sicherheitsprofil von Ruxolitinib war konsistent mit früheren Berichten (1).

Klinischer Nutzen von Ruxolitinib auch im Real-World-Setting

Inzwischen untermauern auch Real-World-Daten die positiven Ergebnisse zu Ruxolitinib bei der PV aus großen klinischen Studien. So wurde beim ASH-Meeting eine Interimsanalyse einer laufenden internationalen multizentrischen Beobachtungsstudie mit 150 HU-resistenten/-intoleranten PV-Patienten mit oder ohne Splenomegalie vorgestellt, die unter Alltagsbedingungen mit Ruxolitinib behandelt wurden (2). Binnen 12 Wochen reduzierte sich der mediane Hämatokritwert von initial 45% auf 40% und blieb bis zum Ende des Beobachtungszeitraums von 52 Wochen stabil (2). Gleichzeitig erhöhte sich der Anteil der Patienten ohne Splenomegalie von 45,9% auf 66,7% und die Symptomatik der Patienten verbesserte sich relevant (Reduktion des mittleren MPN-SAF-TSS von initial 33,5% auf < 20% nach 4 Wochen, danach stabiler Verlauf bis Woche 52).

Insgesamt erwies sich Ruxolitinib in zulassungsrelevanten Studien ebenso wie in der Versorgungsroutine als eine über 5 Jahre anhaltend wirksame Behandlungsoption für Patienten mit PV, die resistent oder intolerant gegen HU sind – unabhängig davon, ob eine Splenomegalie vorliegt oder nicht (1-3). Die beim ASH-Meeting vorgestellten Langzeitdaten der RESPONSE-2-Studie untermauern darüber hinaus die Überlegenheit von Ruxolitinib gegenüber BAT im Langzeitverlauf über 5 Jahre bei PV-Patienten ohne Splenomegalie nach inadäquater HU-Therapie und legen zudem die Vorteile eines frühen Einleitens der Therapie mit dem JAK-Inhibitor nahe (1).

Quelle: Novartis

Literatur:

(1) Passamonti F et al. Long-term effect of ruxolitinib (RUX) in inadequately controlled polycythaemia vera (PV) without splenomegaly: 5-year results from the phase 3 response 2 study. ASH 2020, Abstract 2987 und Posterpräsentation.
(2) Te Boekhorst P et al. An international multicentric observational study on the use of ruxolitinib in patients with polycythaemia vera resistant or intolerant to Hydroxyurea: results from interim analysis. ASH 2020, Abstract 1256 und Posterpräsentation.
(3) Kiladjian JJ et al. Long-term Efficacy and Safety of Ruxolitinib Versus Best Available Therapy in Polycythaemia Vera (RESPONSE): 5-year Follow Up of a Phase 3 Study. Lancet Haematol 2020; 7(3):e226-e237.
(4) Fachinformation Jakavi®
(5) Lengfelder E: Leitlinien Polycythaemia vera DGHO Onkopedia. Online unter: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/polycythaemia-vera-pv/@@guideline/html/index.html Letzter Zugriff: 20. Januar 2021.


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