Donnerstag, 3. Dezember 2020
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Medizin

05. Februar 2020 ASH 2019: Kongress-Nachlese

Die Jahrestagung der American Society of Hematology (ASH) in Orlando, Florida (USA), konnte auch 2019 mit einer Fülle spannender Daten aus zahlreichen Studien aufwarten – von Neuigkeiten zu bewährten Wirkstoffen aus der Gruppe der immunmodulierenden Substanzen (IMiDs®) bis hin zu innovativen Konzepten wie der CAR-T-Zelltherapie.
CAR-T-Zelltherapie bei aggressiven B-Zell-Lymphomen: Dauerhaftes Ansprechen

Zur Therapie des rezidivierten oder refraktären großzelligen B-Zell-Lymphoms werden neue Behandlungsmöglichkeiten dringend benötigt. Im Rahmen des ASH wurden hierzu vielversprechende Ergebnisse der zulassungsrelevanten TRANSCEND-NHL-001-Studie (NCT02631044) berichtet (#241) (1) Die sich derzeit in der klinischen Prüfung befindliche, gegen CD19-gerichtete chimäre Antigenrezeptor-T-Zelltherapie (CAR-T-Zelltherapie) Lisocabtagen-Maraleucel (Liso-Cel, JCAR017) mit einer definierten Zusammensetzung gereinigter CD8+ und CD4+ CAR-T-Zellen erreichte in der Phase-I-Studie die primären und sekundären Endpunkte. Die Gesamtansprechrate (ORR) betrug 73% (187/256; 95%-KI: 67-78), wobei 53% (136/256; 95%-KI: 47-59) ein vollständiges Ansprechen (CR) erreichten. Liso-Cel zeigte dabei ein im Allgemeinen kontrollierbares Sicherheitsprofil mit geringer Inzidenz eines schweren Zytokin-Freisetzungssyndroms (CRS).
Zu Liso-Cel als potenzieller neuer Therapieoption für aggressive B-Zell-Lymphome laufen mit OUTREACH (NCT03744676) und PILOT (NCT03483103) weitere Phase-II-Studien, zu denen ebenfalls Daten beim ASH 2019 präsentiert wurden (#2868, #2882) (2, 3). Aufgrund der klinischen Datenlage wurde bei der Food and Drug Administration (FDA) ein Zulassungsantrag für Liso-Cel als biopharmazeutisches Produkt eingereicht (4). Zusätzlich wurden für Liso-Cel auch vielversprechende Daten zur Behandlung der rezidivierten/refraktären chronischen lymphatischen Leukämie präsentiert (#503), die für eine Ausweitung des Indikationsgebietes über die aggressiven Lymphome hinaus sprechen (5).


AML: Verbessertes OS unter CC-486

Darüber hinaus wurden klinische Ergebnisse zum Wirkstoffkandidaten CC-486 als Erhaltungstherapie bei Patienten mit neu diagnostizierter akuter myeloischer Leukämie (AML), die unter intensiver Induktions-Chemotherapie eine Remission erreicht haben, vorgestellt: Im Rahmen der internationalen, randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten QUAZAR-AML-001-Studie führte CC-486 zu einer signifikanten Verbesserung des Gesamtüberlebens (OS) im Vergleich zum Placebo-Arm (24,7 Monate vs. 14,8 Monate; p=0,0009; HR=0,69; 95%-KI: 0,55-0,86) bei handhabbarem Sicherheitsprofil (#LBA-3). Das mediane rezidivfreie Überleben (RFS) betrug bei den mit CC-486 behandelten Patienten 10,2 Monate, bei den Patienten in der Placebo-Gruppe 4,8 Monate (p=0,0001; HR=0,65; 95%-KI: 0,52-0,81) (6).

Follikuläres Lymphom: Lenalidomid (REVLIMID®) + Rituximab

In der Phase-III-Studie AUGMENT (NCT01938001) zeigte Lenalidomid in Kombination mit Rituximab (R2) eine überlegene Wirksamkeit gegenüber Rituximab + Placebo (R-Placebo) bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem Follikulären Lymphom (FL) (7). Da in der klinischen Praxis die meisten Patienten ein höheres Alter aufweisen, wurde die Gruppe der ≥ 70-jährigen iNHL (indolentes Non-Hodgkin-Lymphom)-Patienten aus der AUGMENT-Studienpopulation in einer Post-hoc-Subgruppenanalyse näher betrachtet (n=91, davon 47 im R2- und 44 im R-Placebo-Arm) (#347) (8): Wirksamkeit und Sicherheit von R2 bestätigten sich in dieser Subgruppenanalyse, obwohl das Kollektiv der Patienten ≥ 70 Jahre insgesamt fragiler war und mit niedrigeren Lenalidomid-Dosen behandelt wurde, als die Gruppe der < 70-jährigen Patienten (14,4 mg/d (4,2-20)), relative Dosisintensität 86% vs. 17,9 mg/d (5,6-20), relative Dosisintensität 95%). Primärer Endpunkt der Studie war das mediane progressionsfreie Überleben (mPFS).
 
  • mPFS ≥ 70-jährige Patienten: 24,9 Monate (95%-KI: 16,4–n. e.)g im R²-Arm vs. 14,3 (95%-KI: 11,3-27,7) im R-Placebo-Arm (HR: 0,66)
  • mPFS < 70-jährige Patienten: 39,4 Monate (95%-KI: 22,9–n. e.)g im R²-Arm vs. 13,9 (95%-KI: 9,6-16,7) im R-Placebo-Arm (HR: 0,41)
  • Die ORR lag bei 81% vs. 59% im R-Placebo-Arm bei den ≥ 70-jährigen, verglichen mit 76% vs. 51 % bei den < 70-jährigen Patienten.
  • In der Gruppe der ≥ 70-Jährigen wiesen 75% im R2-Arm vs. 36% im R-Placebo-Arm ≥ 1 unerwünschtes Ereignis (AE) vom Grad 3/4 auf, wobei dies hauptsächlich auf Neutropenien zurückzuführen war (50% vs. 7%). Andere AE waren unter anderem Konstipation (33% vs. 16%), Husten (33% vs. 16%) und Leukopenie (26% vs. 2%).
Die Daten unterstreichen das Potenzial von R2 als chemotherapiefreie Option für vorbehandelte iNHL-Patienten, die dringend neue Behandlungsmöglichkeiten brauchen und hierfür auf innovative Konzepte angewiesen sind.

Luspatercept bei MDS, ß-Thalassämie und Myelofibrose

Myelofibrose (MF), myelodysplastische Syndrome (MDS) und ß-Thalassämie gehen häufig mit Anämien einher, die der Behandlung mit Erythrozytenkonzentraten (EKs) bedürfen, welche eine Belastung für Patienten darstellen können. Der erste und bisher einzige Erythrozyten-Reife-Aktivator Luspatercept wird momentan in verschiedenen klinischen Studien untersucht, die beim letztjährigen ASH-Kongress ebenfalls Thema waren.
Im Rahmen der randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten Phase-III-Studie MEDALIST (NCT02631070) konnte Luspatercept im Vergleich zu Placebo signifikant die Transfusionslast bei transfusionsabhängigen MDS-Patienten senken, die den IPSS-Ri-Risikogruppen sehr niedrig, niedrig oder intermediär angehören, Ringsideroblasten aufweisen und für eine ESAj-Therapie nicht bzw. nicht mehr geeignet waren (9, 10). Ergebnisse eines Daten-Cutoffs vom 7. Januar 2019 zur Langzeitwirksamkeit und -sicherheit wurden beim ASH-Kongress präsentiert (#841) (11). 
Untersucht wurde u.a. die Transfusionsunabhängigkeit für ≥ 8 Wochen. 47,1% (72/153) der Patienten erreichten diese mit Luspatercept vs. 15,8% (12/76) im Placebo-Arm. 66,7% (48/72) im Luspatercept-Arm erreichten ≥ 2 transfusionsfreie Intervalle über mindestens 8 Wochen, 30,6% (22/72) ≥ 3, 16,7% (12/72) ≥ 4 und 9,7% (7/72) ≥ 5. Von den 12 Patienten, die im Placebo-Arm eine Transfusionsunabhängigkeit von mindesten 8 Wochen erreichten, zeigten 33,3% (4) ≥ 2 Ansprechen und keiner der Patienten > 3 Intervalle über mindestens 8 Wochen. Zu den AEs, die unter Luspatercept im Vergleich zu Placebo häufiger auftraten, gehörten Fatigue, Diarrhö, Asthenie und Schwindel. Sie traten im frühen Behandlungsverlauf auf (Zyklus 1-4), waren jedoch zumeist mild (Grad 1-2) und gingen im zeitlichen Verlauf zurück.

Auch zur Wirksamkeit und Sicherheit von Luspatercept bei ß-Thalassämie-assoziierter Anämie – für die die FDA kürzlich eine Zulassung erteilt hat – wurden weitere Ergebnisse aus der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie BELIEVE (NCT02604433) präsentiert (#3545) (12). Bis zum Daten-Cutoff am 11. Mai 2018 wiesen insgesamt 41,1% (92/224) der Patienten im Luspatercept-Arm eine Verringerung der Transfusionslast um ≥ 33% über einen Zeitraum von 24 Wochen vs. 2,7% (3/112) im Placebo-Arm auf. Dabei wiesen 59,8% (55/92) ≥ 2, 45,7% (42/92), 31,5% (29/92) ≥ 4 und 20,7% (19/92) ≥ 5 Ansprechintervalle auf. Die mediane Ansprechdauer betrug 53,5 (24-93,7) Wochen. AEs (n=243 Patienten insgesamt, wovon 92 vom Placebo-Arm in den Luspatercept-Arm wechselten) in beiden Armen waren vor allem Knochenschmerzen (19,7% vs. 8,3%), Arthralgien (19,3% vs. 11,9%) und Schwindel (11,2% vs. 4,6%). Dabei waren diese meist mild (Grad 1-2) und nahmen im Verlauf der Therapie ab.

Zudem zeigte die Interimsanalyse einer laufenden Phase-II-Studie zu Luspatercept bei MF-assoziierter Anämie erste vielversprechende Daten (#557) (13). Die Interimsanalyse umfasst 74 Patienten aus 4 Kohorten:
 
  • Die Kohorten 1 und 2 erhielten kein Ruxolitinib bei Studieneintritt und hatten entweder keinen EK-Transfusionsbedarf (Kohorte 1, n=20) oder erhielten in den 12 Wochen vor Behandlungsbeginn 2-4 EK-Transfusionen pro 28 Tage (Kohorte 2, n=21).
  • Die Kohorten 3A (n=14, kein Transfusionsbedarf) und 3B (n=19, EK-Transfusionen) erhielten für mindestens 16 Wochen eine stabile Dosis Ruxolitinib zum Zeitpunkt des Einschlusses.
10% (2/20) der Patienten der Kohorte 1 und 21% (3/14) der Kohorte 3A erreichten den primären Endpunkt, definiert als Hb-Anstieg von ≥ 1,5 g/dl für mindestens 12 aufeinanderfolgende Wochen von Studienbeginn bis Woche 24. Die Kohorten 2 und 3B erreichten ihren primären Endpunkt, definiert als Transfusionsunabhängigkeit für mindestens 12 aufeinanderfolgende Wochen von Studienbeginn bis Woche 24, in 10% (2/21) und 32% (6/19). 5% (4) der Patienten berichteten Therapie-abhängige unerwünschte Ereignisse (TEAEs) vom Grad 3-4. Bei TEAEs jeglicher Grade, die bei ≥ 3% auftraten, waren am häufigsten Hypertonie (11%), Knochenschmerzen (8%) und Diarrhoe (4%).
Aufgrund der positiven Ergebnisse dieser Phase-II-Studie wird aktuell eine Phase-III-Studie zum Einsatz von Luspatercept bei Patienten mit MF-assoziierter Anämie, die mit Januskinase (JAK)-Inhibitoren behandelt werden und EK-Transfusionen benötigen, geplant (14).

Neue Auswertungen zu Fedratinib in der Myelofibrose

Aus der Phase-III-Studie JAKARTA (15), die den oralen JAK2-Inhibitor Fedratinib bei MF untersuchte, liegen nun Daten zur Lebensqualität vor. Im Vergleich zum Placebo-Arm zeigte sich im Behandlungsarm mit Fedratinib (400 mg QD) eine statistisch signifikant verringerte Symptomlast (TSSl) und eine verbesserte gesundheitsbezogene Lebensqualität (#704) (16). In einem weiteren Beitrag wurde gezeigt, dass Fedratinib die Symptomlast und das Milzvolumen bei Patienten mit niedrigen Thrombozytenzahlen (50 bis < 100 x 109/l) ähnlich positiv beeinflusst wie bei Patienten mit einer Thrombozytenzahl ≥ 100 x 109/l. Dies war unabhängig davon, ob eine Vorbehandlung mit Ruxolitinib stattgefunden hat (JAKARTA-2) oder nicht (JAKARTA-1) (#668) (17).

Aktuelles zur Therapie des multiplen Myeloms (MM)

Darüber hinaus wurden auf dem ASH eine Vielzahl an Daten zu den immunmodulierenden Substanzen (IMiDs®) vorgestellt, die die nach wie vor hohe Bedeutung dieser Wirkstoffgruppe als starker Partner in der Myelomtherapie unterstreichen. So ist der Wirkstoff Lenalidomid zentraler Baustein im Rahmen neuer Therapiekombinationen. Das gilt sowohl in der Erhaltungs- als auch in der Erstlinientherapie: Im November 2019 wurde in Europa die Kombination von Daratumumab mit Lenalidomid und Dexamethason (DRd) für Patienten mit neu diagnostiziertem MM zugelassen, die für eine autologe Stammzelltransplantation (ASCT) nicht infrage kommen (18). Einen bedeutenden Schritt stellte zudem Mitte 2019 die europäische Zulassung von Lenalidomid in der Triplett-Kombination mit Bortezomib und Dexamethason (RVd) zur Behandlung von therapienaiven, nicht transplantierbaren Patienten mit MM dar. Seit 2017 besteht die EU-Zulassung als Erhaltungstherapie nach ASCT für Patienten mit neu diagnostiziertem MM. Bereits seit 5 Jahren ist Lenalidomid in Kombination mit Dexamethason oder Melphalan und Prednison bei erwachsenen Patienten mit unbehandeltem MM, die nicht transplantierbar sind, zugelassen (19).

Die Rolle von Lenalidomid als Therapiestandard in der Erstlinientherapie von nicht transplantierbaren Patienten wird durch ein Daten-Update der Phase-III-Studie MAIA (20, 21) erneut untermauert: Auch in Kombination mit Daratumumab können Lenalidomid + Dexamethason (DRd) in der Erstlinientherapie effektiv und sicher eingesetzt werden, wenn eine Transplantation nicht infrage kommt (#1875) (21). So wurde beispielsweise nach einer erweiterten medianen Beobachtungszeit von 36,4 Monaten das progressionsfreie Überleben (PFS) unter DRd noch nicht erreicht. Im Vergleichsarm Rd betrug das PFS 33,8 Monate (HR=0,56; 95%-KI: 0,44-0,71) und zeigte damit eine sehr vielversprechende Wirksamkeit für eine Zweierkombination. Das geschätzte PFS nach 36 Monaten betrug unter DRd 68 ü% und unter Rd 46 ü%. Darüber hinaus konnten unter DRd eine verbesserte Ansprechrate und -tiefe gezeigt werden: 80% vs. 55% der Patienten wiesen mindestens ein sehr gutes partielles Ansprechen auf. Die Rate an Komplettremissionen (CR) war mit 49% im DRd-Arm vs. 27% im Rd-Arm signifikant besser (p < 0,0001) (21). Bei 24,2% der Patienten im DRd-Arm vs. 7,3% im Rd-Arm sank die Anzahl der Tumorzellen unter die Nachweisgrenze (1*10-5) für eine minimale Resterkrankung (p < 0,001) (20). Die Follow-up-Daten bestätigen weiterhin die hohe Effektivität von DRd in der Erstlinientherapie für nicht transplantierbare Patienten (#3122) (22).
Auch für die Erhaltungstherapie mit Lenalidomid wurden auf dem Kongress aktualisierte Ergebnisse präsentiert, wobei das Potenzial der Erhaltungstherapie bei transplantierbaren Patienten innerhalb eines Langzeit-Follow-ups der Myeloma-XI-Studie untersucht wurde (#1889) (23). Hier führte Lenalidomid unter anderem zu einer signifikanten Verbesserung, einer Verdopplung, des medianen PFS (p < 0,01) im Vergleich zum Beobachtungsarm (64 Monate vs. 32 Monate; HR=0,52; 95%-KI: 0,45-0,61). Die Aggressivität eines Rezidivs wurde nicht davon beeinflusst, ob die Patienten eine Erhaltungstherapie erhielten, oder nicht. Die Daten stützen den Einsatz von Lenalidomid zur Erhaltungstherapie nach autologer Stammzelltransplantation.

Zu Triplett-Kombinationen in der Rezidivtherapie basierend auf Pomalidomid (IMNOVID) liegen ebenfalls neue Erkenntnisse vor. Daten einer Subgruppenanalyse der ICARIA-MM-Studie zur Kombination von Pomalidomid und Dexamethason (Pd) mit dem anti-CD38 monoklonalen Antikörper Isatuximab verdeutlichen, dass diese neue Kombinationstherapie auch bei Patienten ≥ 75 Jahre zu einem längeren medianen PFS und einer höheren ORR im Vergleich zu Pd führt (#1893) (24). Zur ELOQUENT-3-Studie gab es ein Update zur Lebensqualität, in dem gezeigt werden konnte, dass die gesundheitsbezogene Lebensqualität durch die Zugabe des anti-SLAMF7-Antikörpers Elotuzumab zu Pd (EPd) im Vergleich zur Therapie mit Pd nicht beeinträchtigt wird (#3480) (25). Eine Subgruppenanalyse der OPTIMISMM-Studie verdeutlicht, dass die Triplett-Kombinationstherapie aus Pomalidomid, Bortezomib und Dexamethason (PVd) für Patienten nach einer Vortherapie – u.a. mit Lenalidomid – eine wirksame und sichere Zweitlinientherapie darstellt und zwar unabhängig von Alter, vorangegangener Stammzelltransplantation und Hochrisiko-Zytogenetik (#3120) (26).

Neue Therapieansätze

Auch im Bereich neuer Therapieansätze wurden Daten präsentiert. So liefert die CRB-401-Studie (27) neue Ergebnisse, die auf die Eignung von löslichem B-Zell-Reifungsantigen (BCMA) als Biomarker für das Ansprechen der BCMA-CAR-T-Zelltherapie Idecabtagen-Vicleucel (Ide-Cel; bb2121) beim rezidiviertem/refraktärem multiplen Myelom (rrMM) hindeuten (#4328) (28). Zudem könnten anhand der Level von löslichem BCMA im Blut 2 Monate nach der Ide-Cel-Infusion Patienten mit Progressionsrisiko identifiziert werden, noch bevor Standardmarker der Myelomprogression auffällig sind. Darüber hinaus wurden neue Zwischenergebnisse der Phase I-Studie CRB-402 zur CAR-T-Zelltherapie bb21217 gezeigt, welche eine Weiterentwicklung von bb2121 darstellt (#927). So wurde ein Ansprechen bei 83% (n=15) der rrMM-Patienten beobachtet, von denen 9 Patienten ein anhaltendes Ansprechen aufwiesen – 2 davon über 15 bzw. 18 Monate hinweg. Die Daten sprechen daher nicht nur für ein gutes Ansprechen, sondern auch für eine Langzeitbeständigkeit der CAR-T-Zellen im Blut (29). Des Weiteren wurden Interimsergebnisse zum Prüfpräparat CC-93269 vorgestellt, einem bispezifischen Antikörper als BCMA 2+1 T-cell engagers (#143). Innerhalb der Phase-I-Studie CC-93269-MM-001 wurden 12 von 19 stark vorbehandelten rrMM-Patienten im ersten Zyklus mit ≥ 6 mg (max. 10 mg) CC-93269 behandelt. Mit dieser Dosierung konnte eine ORR von 83,3% erzielt werden. 10 Patienten erreichten mindestens ein partielles Ansprechen (PR)o, wobei 7 Patienten (58,3%) ein sehr gutes partielles Ansprechen (VGPR) aufwiesen; 9 Patienten (75%) erzielten eine MRDq-Negativität. Somit zeigt CC-93269 eine vielversprechende Wirksamkeit bei einem handhabbaren Sicherheitsprofil (30).
Für die Therapie des neu diagnostizierten sowie des rezidivierten/refraktären multiplen Myeloms stehen somit nicht nur verschiedene effektive Kombinationstherapien mit bewährten Wirkstoffen wie den IMiDs® zur Verfügung; die beim ASH-Kongress vorgestellten Daten zu neuen Behandlungsoptionen wie der CAR-T-Zelltherapie sowie des T-cell engagers deuten auf eine vielversprechende Wirksamkeit hin, die einen weiteren Fortschritt in der Behandlung des multiplen Myeloms darstellt.

Quelle: Celgene

Literatur:

(1) Siehe: Globale Pressemitteilung von Bristol-Myers Squibb: „Bristol-Myers Squibb Announces Liso-Cel Met Primary and Secondary Endpoints in TRANSCEND NHL 001 Study“ vom 7. Dezember 2019, die auf den in der Oral Session beim ASH-Kongress 2019 präsentierten Studienergebnissen beruht; abrufbar unter: https://www.businesswire.com/news/home/20191207005032/en/Bristol-Myers-Squibb-Announces-Liso-Cel-Met-Primary-Secondary (letzter Zugriff: 3. Februar 2020).
(2) Bachier CR, et al. ASH Congress, 61th Annual Meeting 2019; Abstract 2868.
(3) Sehgal AR, et al. ASH Congress, 61th Annual Meeting 2019; Abstract 2882.
(4) Siehe: Globale Pressemitteilung von Bristol-Myers Squibb: “Bristol-Myers Squibb Announces Submission of Biologics License Application for CAR TCell Therapy Lisocabtagene Maraleucel (liso-cel) to FDA” vom 18. Dezember 2019; abrufbar unter https://www.businesswire.com/news/home/20191218005737/en/Bristol-Myers-Squibb-Announces-Submission-Biologics-License-Application (letzter Zugriff: 3. Februar 2020).
(5). Siddiqi T, et al. ASH Congress, 61th Annual Meeting 2019; Abstract 503.
(6) Siehe: Globale Pressemitteilung von Bristol-Myers Squibb: „Bristol-Myers Squibb Presents Overall Survival and Safety Data From Pivotal CC-486 Study QUAZAR AML-001“ vom 10. Dezember 2019, die auf den in der Oral Session beim ASH-Kongress 2019 präsentierten Studienergebnissen beruht; abrufbar unter: https://www.businesswire.com/news/home/20191210005526/en/Bristol-Myers-Squibb-Presents-Survival-Safety-Data-Pivotal (letzter Zugriff: 3. Februar 2020).
(7) Leonard JP, et al. J Clin Oncol 2019; 37(14): 1188-1199.
(8) Trneny M, et al. ASH Congress, 61th Annual Meeting 2019; Abstract 347.
(9) Fenaux P, et al. ASH Congress, 60th Annual Meeting 2018, Abstract 1.
(10) Suragani RN, et al. Nat Med 2014; 20: 408-414.
(11) Fenaux P, et al. ASH Congress, 61th Annual Meeting 2019; Abstract 841.
(12) Viprakasit V, et al. ASH Congress, 61th Annual Meeting 2019; Abstract 3545.
(13) Gerds AT, et al. ASH Congress, 61th Annual Meeting 2019; Abstract 557.
(14) Siehe: Globale Pressemitteilung von Bristol-Myers Squibb “Reblozyl® (luspatercept-aamt) Studies Evaluating Treatment of Anemia in Rare Blood Diseases Presented at American Society of Hematology (ASH) Annual Meeting” vom 9. Dezember 2019; abrufbar unter https://news.bms.com/press-release/corporatefinancial-news/reblozyl-luspatercept-aamt-studies-evaluating-treatment-anemia (letzter Zugriff: 3. Februar 2020).
(15) Pardanani AD, et al. J Clin Oncol 2017; 30(15)sup.
(16) Mesa RA, et al. ASH Congress, 61th Annual Meeting 2019; Abstract 704.
(17) Harrison CN, et al. ASH Congress, 61th Annual Meeting 2019; Abstract 668.
(18) Siehe: Pressemitteilung “Genmab Announces European Marketing Authorization for DARZALEX® (Daratumumab) in Combination with Lenalidomide and Dexamethasone in Frontline Multiple Myeloma”; vom 19. November 2019; abrufbar unter: https://ir.genmab.com/news-releases/news-release-details/genmab-announces-european-marketing-authorization-darzalexr-1 (letzter Zugriff: 3. Februar 2020).
(19) Fachinformation REVLIMID®, Stand Dezember 2019.
(20) Facon T, NEJM 2019; 380(22): 2104-2115.
(21) Bahlis N, et al. ASH Congress, 61th Annual Meeting 2019; Abstract 1875.
(22) Manier S, et al. ASH Congress, 61th Annual Meeting 2019; Abstract 3122.
(23) Pawlyn C, et al. ASH Congress, 61th Annual Meeting 2019; Abstract 1889.
(24) Schjesvold FH, et al. ASH Congress, 61th Annual Meeting 2019; Abstract 1893.
(25) Weisel K, et al. ASH Congress, 61th Annual Meeting 2019; Abstract 3480.
(26) Dimopoulos MA, et al. ASH Congress, 61th Annual Meeting 2019; Abstract 3120.
(27) Raje N, et al. NEJM 2019; 381(3): e6.
(28) Thompson EG, et al. ASH Congress, 61th Annual Meeting 2019; Abstract 4328.
(29) Berdeja JG, et al. ASH Congress, 61th Annual Meeting 2019; Abstract 927.
(30) Costa LJ, et al. ASH Congress, 61th Annual Meeting 2019; Abstract 143.


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