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Medizin

01. Juli 2020 ASCO 2020: Erdafitinib und Amivantamab beim UC und NSCLC

Die finale Analyse der Studie BLC2001 zeigt eine konstante Wirksamkeit und ein kontrollierbares Sicherheitsprofil von Erdafitinib beim fortgeschrittenen Urothelkarzinom (UC) mit genomischen Veränderungen in FGFR2 oder FGFR3 (1). Zudem zeigt die Studie CHRYSALIS die Wirksamkeit von Amivantamab beim fortgeschrittenen bzw. metastasierten, EGFR-mutierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) (2).
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Auf dem diesjährigen Kongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) wurden neue Daten zu Erdafitinib und Amivantamab vorgestellt (2), Wirkstoffe aus der Pipeline der Janssen Pharmaceutical Companies of Johnson & Johnson.

Der erste Wirkstoff, der orale pan-FGFR-Inhibitor Erdafitinib, erzielte in der einarmigen, offenen Phase-II-Studie BLC2001 gemäß der aktuellen, finalen Analyse nach einer medianen Beobachtungszeit von 2 Jahren eine objektive Ansprechrate von 40% (95%-KI: 30-49%) (1). An der Studie hatten 101 Patienten mit nicht operablem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom teilgenommen, die bestimmte Veränderungen der Gene FGFR2 oder FGFR3 aufwiesen. Die Teilnehmer mussten einen Progress während oder nach mindestens einer Platin-haltigen Chemotherapie oder innerhalb von 12 Monaten nach einer (neo)adjuvanten platinhaltigen Chemotherapie erlitten haben bzw. gemäß Protokoll nicht für eine Cisplatin-Therapie geeignet sein (1).

Die Ansprechrate der Chemotherapie-vorbehandelten Patienten betrug 39% (95%-KI 29-50%) (1). Die mediane Dauer des Ansprechens der Gesamtgruppe lag bei 6,0 Monaten (95%-KI 4,2-7,5). Bei 31% der Responder dauerte das Ansprechen mindestens 12 Monate. Die Studienteilnehmer hatten ein medianes progressionsfreies Überleben (PFS) von 5,5 Monaten und ein medianes Gesamtüberleben (OS) von 11,3 Monaten. Ihre Nebenwirkungen waren handhabbar und vergleichbar mit einer früheren Interimsanalyse (1).

Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom haben aufgrund des hohen Progressionsrisikos und der begrenzten Behandlungsmöglichkeiten oft eine schlechte Prognose. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei unter 15% (3). Bei FGFR-positiven Urothelkarzinomen gibt es die zusätzliche Herausforderung, dass neue Immuntherapien nicht gut ansprechen (4).

Amivantamab beim NSCLC

Der zweite Wirkstoff von Janssen, der EGFR- und MET-gerichtete bispezifische Antikörper Amivantamab, erzielte als Monotherapie in der offenen, aus 2 Teilen bestehenden Phase-I-Studie CHRYSALIS bei 39 Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) und Exon-20-Insertions (Ex20ins)-Mutationen im Gen für den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR) eine Gesamtansprechrate (ORR) von 36% (95%-KI: 21-53) (2). Bei 29 Patienten, die zuvor mit einer platinbasierten Chemotherapie behandelt worden waren, lag die ORR bei 41% (95%-KI: 24-61) (2).

Die mediane Ansprechdauer betrug 10 Monate bei allen Patienten bzw. 7 Monate bei platinvorbehandelten Patienten (2). Das mediane PFS lag bei 8,3 Monaten (95%-KI, 3,0-14,8) bzw. 8,6 Monaten (95%-KI, 3,7-14,8) (2). Die häufigsten unerwünschten Ereignisse aller Grade waren Hautausschlag, infusionsbedingte Reaktionen (IRR) und Paronychie. IRR traten vorwiegend bei der ersten Infusion auf, verhinderten nachfolgende Behandlungen nicht und hatten alle einen Schweregrad <3 (2).
Auf Basis dieser Daten wurde Amivantamab von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) eine so genannte Breakthrough Therapy Designation für die untersuchte Indikation verliehen (2).
Bei NSCLC-Patienten mit EGFR Ex20ins-Mutationen wirken die zugelassenen EGFR-Tyrosinkinaseinhibitoren (TKIs) in der Regel nicht, so dass sie eine schlechtere Prognose aufweisen als Patienten mit konventionellen EGFR-Mutationen (bspw. Exon-19-Deletionen oder L858R-Substitution) (5). Derzeit existiert keine zielgerichtete Therapie, die speziell für NSCLC-Patienten mit EGFR Ex20ins-Mutationen zugelassen ist (6). Die geschätzte mediane Gesamtüberlebenszeit der Betroffenen beträgt 16 Monate (7).

Erdafitinib ist in der EU bislang nicht zur Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom zugelassen.
Amivantamab ist in der EU bislang nicht zur Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom zugelassen.

Quelle: Janssen

Literatur:

(1) Siefker-Radtke AO et al. Erdafitinib in Locally Advanced or Metastatic Urothelial Carcinoma: Long-Term Outcomes of a Pivotal Phase 2 Study (BLC2001) J Clin Oncol. 2020;38(15_suppl, abstr 5015 & Poster). Abrufbar unter: https://meetinglibrary.asco.org/record/187469/abstract; letzter Abruf 16.6.2020
(2) Park K et al. Amivantamab (JNJ-61186372), an anti-EGFR-MET bispecific antibody, in patients with EGFR Exon 20 insertion (Exon20ins)-mutated non-small cell lung cancer (NSCLC) J Clin Oncol. 2020;38(15_suppl; abstr 9512 & Poster). Abrufbar unter:  https://meetinglibrary.asco.org/record/184802/abstract; letzter Abruf 16.6.2020
(3) Dietrich B et al. American Society of Clinical Oncology Educational Book. 2018;38:342-353. Abrufbar unter: https://ascopubs.org/doi/pdf/10.1200/EDBK_201193; letzter Abruf 16.6.2020
(4) Siefker-Radtke AO et al. First results from the primary analysis population of the phase 2 study of erdafitinib (ERDA; JNJ-42756493) in patients (pts) with metastatic or unresectable urothelial carcinoma (mUC) and FGFR alterations (FGFRalt). J Clin Oncol 36, 2018 (suppl; abstr 4503 & Oral Presentation). Abrufbar unter: https://ascopubs.org/doi/abs/10.1200/JCO.2018.36.15_suppl.4503; letzter Abruf 25.5.2020
(5) Vyse S, Huang PH. Targeting EGFR exon 20 insertion mutations in non-small cell lung cancer. Sig Transduct Target Ther. 2019;4:5
(6) Baraibar I et al. Novel drugs targeting EGFR and HER2 exon 20 mutations in metastatic NSCLC. Crit Rev Oncol Hematol. 2020;148:102906
(7) Oxnard JR et al. Natural history and molecular characteristics of lung cancers harboring EGFR exon 20 insertions. J Thorac Oncol. 2013;8(2):179-84


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