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Medizin
06. Juni 2017

ASCO 2017: Positive Phase-II-Studiendaten für die orale Nintedanib-Therapie beim malignen Pleuramesotheliom

Nintedanib* in Kombination mit einer Standard-Chemotherapie (Pemetrexed/Cisplatin) reduzierte das Risiko einer Krankheitsprogression bei Patienten mit einem inoperablen malignen Pleuramesotheliom (MPM) in der Erstlinie um 46% im Vergleich zu Placebo plus Standard-Chemotherapie (1).** Auch das Gesamtüberleben (OS) war unter der Kombination von Nintedanib mit Standard-Chemotherapie verlängert (1).
Die aktualisierten Ergebnisse der Phase-IIStudie** LUME-Meso, einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie, wurden auf dem „Annual Meeting of the American Society of Clinical Oncology“ (ASCO) 2017 als eine mündliche Präsentation vorgestellt. Unter Nintedanib* in Kombination mit Pemetrexed/Cisplatin wurde eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (PFS: progression free survival, primärer Endpunkt) sowie des OS (sekundärer Hauptendpunkt) bei Patienten mit malignem Pleuramesotheliom in der Erstlinie im Vergleich zur Chemotherapie alleine erreicht.

Das MPM ist eine seltene thorakale Krebserkrankung, welche weniger als 1% aller Krebserkrankungen ausmacht und oft mit einer langfristigen Asbest-Exposition assoziiert ist (2). Patienten mit MPM haben eine schlechte Prognose; weniger als 10% überleben die ersten 5 Jahre nach Diagnosestellung (3). MPM wird je nach Zelltyp bzw. -histologie in drei Subtypen unterteilt (epitheloid, biphasisch und sarkomatoid), wobei das epitheloide MPM mit 50-70% der Fälle die häufigste Form darstellt (4).

Die aktualisierten Phase-II-Ergebnisse der LUME-Meso-Studie zum PFS zeigten, dass sich für Patienten, die Nintedanib# in Kombination mit Standard-Chemotherapie als Erstlinientherapie erhielten, das Risiko einer Krankheitsprogression nahezu halbierte: Verringerung des Progressionsrisikos um 46% in der Gesamtpopulation (Patienten mit epitheloidem oder biphasischem Zelltyp) bei signifikanter Verlängerung des PFS im Median von 3,7 Monaten vs. Chemotherapie (9,4 vs. 5,7 Monate). Bei Patienten mit epitheloider Histologie lag der PFS-Vorteil unter Nintedanib in Kombination mit Chemotherapie vs. Chemotherapie sogar im Median bei 4 Monaten (9,7 vs. 5,7 Monate). Die Daten zum OS deuten auf einen positiven Trend (statistisch nicht signifikant) unter der Nintedanib-Kombination hin, mit einem OSVorteil im Median von 4,1 Monaten (18,3 vs. 14,2 Monate im Placebo- Arm). Analog zum PFS wurde auch hier der größte Effekt bei Patienten mit epitheloider Histologie erreicht, mit einer Verlängerung des medianen OS auf 20,6 Monate im Vergleich zu 15,2 Monaten unter alleiniger Chemotherapie.

Die Nebenwirkungen der Kombinationstherapie entsprachen dabei dem bekannten Profil. Neutropenie (eine verminderte Anzahl von Neutrophilen, einer Art von weißen Blutkörperchen) gehörte zu den häufigsten unerwünschten Grad ≥3-Ereignissen (Nintedanib 43,2% vs. Placebo 12,2%); die Häufigkeit einer febrilen Neutropenie war gering (2,3% vs. 0). Die Häufigkeit von unerwünschten Ereignissen (UEs), die zu einem Therapieabbruch führten, war gering, und die Abbruchrate war bei Patienten, die eine Therapie mit Nintedanib in Kombination mit Chemotherapie erhielten, geringer als bei Patienten unter Placebo + Chemotherapie (3 Patienten vs. 7 Patienten; 6,8 vs. 17,1%) (1). Klassenspezifische, anti-angiogene Nebenwirkungen (z.B. Bluthochdruck, Blutungen, thromboembolische Ereignisse) wurden nur selten beobachtet.

Dr. Anna Nowak, MBBS, PhD. School of Medicine and Pharmacology, University of Western Australia, kommentierte: „Die Kombination von Nintedanib mit Standard-Chemotherapie erreichte eine verbesserte klinische Wirksamkeit der Behandlung von Patienten mit einem inoperablen malignem Pleuramesotheliom in der Erstlinie. Es konnte eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens sowie ein Trend zur Verlängerung des Gesamtüberlebens bei einem handhabbaren Nebenwirkungsprofil gezeigt werden. Unseres Wissens sind 20,6 Monate im Median die längste beobachtete Gesamtüberlebenszeit, die für Patienten mit epitheloidem MPM-Typ in einer randomisierten, doppelblinden Studie bisher gezeigt werden konnte. Diese Daten ermutigen uns sehr, und wir hoffen auf die Bestätigung dieser vielversprechenden Ergebnisse durch die laufende Phase-III-Studie.“

Nintedanib, ein oraler, 3-fach zielgerichteter Angiokinase-Inhibitor, wird derzeit in der LUME-Meso Phase-III-Studie geprüft. Für diese Studie werden weltweit Patienten rekrutiert. Nintedanib inhibiert zielgerichtet die Signalgebung über die Wachstumsfaktor-Rezeptoren VEGFR, FGFR, PDGFR und die Tyrosinkinasen Src und Abl, welche eine wichtige Rolle beim Tumorwachstum und der Metastasierung des MPM spielen.

* Nintedanib ist in der EU und in mehr als 20 weiteren Ländern weltweit unter dem Namen Vargatef® in Kombination mit Docetaxel bei erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem, metastasiertem oder lokal rezidiviertem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) mit Adenokarzinom-Histologie nach Erstlinienchemotherapie zugelassen. Nintedanib ist nicht in anderen onkologischen Indikationen zugelassen. Nintedanib ist bisher nicht für die Behandlung des malignen Pleuramesothelioms zugelassen.

**Die Primäranalyse dieser Ergebnisse wurde erstmals auf der World Conference on Lung Cancer im Dezember 2016 präsentiert.

#Einnahme 2x täglich, an den Tagen 2 bis 21 eines 21-tägigen Standardbehandlungszyklus

Quelle: Boehringer Ingelheim

Literatur:

(1) Nowak AK. et al. Mature overall survival (OS) results from the LUME-Meso study of nintedanib (N) + pemetrexed/cisplatin (PEM/CIS) vs placebo (P) + PEM/CIS in chemonaïve patients (pts) with malignant pleural mesothelioma (MPM). J Clin Oncol 35, 2017 (suppl; abstr 8506)
(2) Moore A. et al. Malignant mesothelioma. Orphanet J Rare Dis. 2008; 3(34).
(3) The American Cancer Society. Mesothelioma. Available at: http://www.cancer.org/search/index?QueryText=mesothelioma&Page=1 [Last accessed March 2017]
(4) Mesothelioma Group: https://www.mesotheliomagroup.com/mesothelioma/celltypes/sarcomatoid/ [Last assessed March 2017]


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