Freitag, 23. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Piqray
Piqray
Medizin
18. Februar 2014

Ansprechen resistenter Leukämiepatienten auf alternative Therapie vorhersagbar

Dem Mediziner Mridul Agrawal (Jahrgang 1987) ist es im Rahmen seiner Doktorarbeit an der III. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) gelungen, einen einfachen Test zu entwickeln, mit dem vorab ermittelt werden kann, ob eine bestimmte alternative Therapie bei Blutkrebspatienten, die auf die Standardtherapie nicht mehr ansprechen, Wirkung zeigt. Es geht um die Behandlung der Chronischen Myeloischen Leukämie (CML), einer bösartigen Erkrankung des blutbildenden Systems, an der allein in Europa jährlich etwa 5.000 bis 10.000 Menschen neu erkranken. Wird die CML nicht erfolgreich behandelt, so führt sie binnen weniger Jahre zum Tod.

Anzeige:
Blenrep
Blenrep

Die CML ist durch die unkontrollierte Ausschwemmung unreifer, nicht funktionsfähiger Leukozyten gekennzeichnet. Verursacht wird die Erkrankung durch ein fehlerhaftes Chromosom. Das so genannte Philadelphia-Chromosom entsteht durch den Austausch von Abschnitten zweier unterschiedlicher Chromosomen. Bei dieser so genannten reziproken Translokation werden zwei Gene, BCR und ABL, die ursprünglich auf unterschiedlichen Chromosomen lokalisiert sind, miteinander fusioniert.

Das BCR-ABL Fusionsgen liefert den Bauplan für eine aktivierte Tyrosinkinase. Tyrosinkinasen sind Enzyme, die Signalwege in der Zelle kontrollieren, indem sie andere Proteine biochemisch modifizieren. Die ungebremste Bildung der BCR-ABL Tyrosinkinase führt zur unkontrollierten Vermehrung der Leukozyten. Dies bringt den Blutbildungsprozess aus dem Gleichgewicht, was zum typischen Krankheitsbild der Chronischen Myeloischen Leukämie führt. Die Leukozyten, die dabei gebildet werden, sind zudem oftmals in ihrer Funktion eingeschränkt.

Die CML lässt sich durch den spezifischen Tyrosinkinase-Inhibitor (TKI) Imatinib erfolgreich behandeln. Manche Patienten entwickeln jedoch im Laufe der Therapie Resistenzen und sprechen nicht mehr adäquat auf die ursprünglich wirksame Therapie an. In den letzten Jahren wurden daher neue Medikamente entwickelt, die diese Resistenzen überwinden. Nilotinib und Dasatinib sind so genannte TKIs der zweiten Generation, die erfolgreich in die Therapie der CML eingeführt wurden.

Ziel der Wissenschaftler ist es, vorab ermitteln zu können, ob der einzelne Leukämiepatient, bei dem die Standardtherapie mit Imatinib keine Wirkung zeigt, auf die alternative Therapie mit Nilotinib anspricht. Agrawal ist es gemeinsam mit seinem Team unter der Leitung von Professor Dr. Martin Müller und in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Andreas Hochhaus vom Universitätsklinikum Jena gelungen, einen einfachen Test zu entwickeln, mit dem dies überprüft werden kann. Der Test basiert auf der Messung der Genexpression von MDR1, das für den Transport von Substanzen aus der Zelle verantwortlich ist.

Mithilfe dieses Tests könnte zukünftig die Behandlung der CML weiter maßgeschneidert und nach dem individuellen Risikoprofil eines Patienten zugeschnitten werden.

Literaturhinweis:
MDR1 expression predicts outcome of Ph+ chronic phase CML patients on second-line nilotinib therapy after imatinib failure
Mridul Agrawal, Benjamin Hanfstein, Philipp Erben et al.
Leukemia advance online publication, 28 January 2014;
doi:10.1038/leu.2014.6
http://www.nature.com/leu/journal/vaop/ncurrent/full/leu20146a.html

Quelle: Universitätsmedizin Mannheim


Anzeige:
Digital Gesamt 2021
Digital Gesamt 2021
Stichwörter
Das könnte Sie auch interessieren
Vierter Welt-Pankreaskrebstag: „Lila Leuchten“ sensibilisiert für eine unterschätzte Erkrankung
Vierter+Welt-Pankreaskrebstag%3A+%E2%80%9ELila+Leuchten%E2%80%9C+sensibilisiert+f%C3%BCr+eine+untersch%C3%A4tzte+Erkrankung
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Am 16. November 2017 findet zum vierten Mal der Welt-Pankreaskrebstag statt. An diesem Tag erstrahlen weltweit zahlreiche Sehenswürdig-keiten in Lila, der offiziellen Farbe des Welt-Pankreaskrebstages – von der Semperoper in Dresden bis zum Rickmer Rickmers Museumsschiff im Hamburger Hafen. Ziel ist es, die breite Öffentlichkeit über die Erkrankung aufzuklären, sich mit den Betroffenen zu solidarisieren und den Patienten und...

Krebstherapie-Nebenwirkungen wirksam bekämpfen, Patienten unterstützen – Bundesweit gültige Leitlinie verabschiedet
Krebstherapie-Nebenwirkungen+wirksam+bek%C3%A4mpfen%2C+Patienten+unterst%C3%BCtzen+%E2%80%93+Bundesweit+g%C3%BCltige+Leitlinie+verabschiedet
© vitanovski / Fotolia.com

Etwa eine halbe Millionen Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Krebs. Für viele ist die Behandlung mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden, die die Lebensqualität der Patienten deutlich beeinträchtigen. Doch längst gibt es wirksame Therapien, um Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen besser in den Griff zu bekommen. Die so genannten unterstützenden oder Supportiven Therapien haben in den...

Vom Telemedizin-Netzwerk bis zur Ersthelfer-App: Medizintrends mit Zukunft

Die Deutschen werden immer älter. Chronische Leiden wie Demenz oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen künftig das Gesundheitssystem auf die Probe. Medizinforscher und Gesundheitsexperten aller Branchen arbeiten längst unter Hochdruck an neuen Lösungen für die Gesundheitsversorgung von morgen. In die Karten spielen ihnen dabei die Digitalisierung und der Trend zur Vernetzung im Gesundheitswesen. Das zeigt auch der Wettbewerb...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Ansprechen resistenter Leukämiepatienten auf alternative Therapie vorhersagbar"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.