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Medizin

28. Juni 2020 ALL: TBI verlängert OS und verringert Rezidivinzidenz im Vergleich zu Chemotherapie-basierter Konditionierung

Die Ganzkörperbestrahlung (TBI) ist die am häufigsten angewandte myeloablative Strategie bei Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL), die eine allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation (alloHSCT) bekommen. Die prospektive, randomisierte, globale Studie FORUM untersuchte, ob eine Chemotherapie-basierte Konditionierung die TBI ersetzen könnte, um akute und Spättoxizitäten zu vermeiden. Im presidential symposium wurden beim virtuellen EHA erste Ergebnisse vorgestellt.  
Zwischen 2013 und 2018 erhielten Kinder ab 4 Jahren mit einem gematchten Geschwisterspender (MSD) oder einem gematchten nicht verwandten Spender (MUD) entweder eine Chemotherapie-basierte Konditionierung aus Fludarabin/Thiotepa/Busulfan (n=99) bzw. Fludarabin/Thiotepa/Treosulfan (n=93) oder TBI/Etoposid (n=202). 54% der Patienten wurden in der ersten Komplettremission (CR1) transplantiert, 40% in CR2 und 4% in CR3. Von den CR2-Patienten hatten 13% ein sehr frühes, 34% ein frühes und 53% ein spätes Rezidiv erfahren. Bei 337 Patienten (82%) war die Stammzellquelle Knochenmark, bei 50 (12%) peripheres Blut und bei 17 (4%) Nabelschnurblut. Aufgrund des signifikant unterlegenen Outcomes mit der Chemo-Konditionierung wurde die Randomisierung im Dezember 2018 gestoppt.

Verlängertes Gesamtüberleben

Nach einem medianen Follow-up von 2,1 Jahren war die Rate des 2-Jahres-Gesamtüberlebens (OS) in der Intention-to-treat-Population mit 91% für TBI/Etoposid signifikant höher als mit der Chemo-Konditionierung (75%; p<0,001). In der Per-protocol-Analyse betrug die 2-Jahres-OS-Rate nach Fludarabin/Thiotepa/Busulfan 77%, nach Fludarabin/Thiotepa/Treosulfan 77% und nach TBI/Etoposid 91% (p<0,001). Auch die Rate des 2-Jahres-ereignisfreien Überlebens (EFS) war nach TBI/Etoposid mit 85% signifikant höher als nach Chemo-Konditionierung (Flu/Thio/Bu: 64%; Flu/Thio/Treo: 58%; p=0,003). Sowohl die behandlungsbedingte Mortalität (TRM) als auch die kumulative Rezidivinzidenz (CIR) waren nach TBI/Etoposid geringer als nach Fludarabin/Thiotepa/Busulfan oder Fludarabin/Thiotepa/Treosulfan (TRM: 3% vs. 6% vs. 12%, NS; CIR: 12% vs. 30% vs. 31%, p=0,004).

Signifikant geringere Rezidivinzidenz

Es zeigte sich, dass die TBI/Etoposid-Konditionierung hinsichtlich des OS von Patienten ≥ 4 Jahre nach MSD/MUD-alloHSCT der Chemo-Konditionierung aufgrund der signifikant geringeren Rezidivinzidenz überlegen war. Busulfan- oder Treosulfan-basierte Chemo-Konditionierungsschemata mit Fludarabin und Thiotepa können wertvolle Alternativen für Patienten sein, für die entweder aufgrund ihres Alters oder wegen Komorbidität keine TBI in Frage kommt. In der 2-Jahres-TRM-Rate und der Inzidenz von akuter und chronischer Graft-versus-host-Disease (GvHD) gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen TBI und Chemo-Konditionierung. Ein prospektives Monitoring von Spätkomplikationen, endokrinen Funktionen und der Inzidenz sekundärer Malignome wird dazu beitragen, die Vorteile und Limitationen dieser 3 Konditionierungsansätze besser zu verstehen.

Übers. UM

Quelle: EHA

Literatur:

Peters C, Dalle JH, Locatelli F et al. TBI or chemotherapy based conditioning for children and adolescents with ALL: a prospective randomized multicenter-study 'FORUM' on behalf of the AIEOP-BFM-ALL-SG, IBFM-SG, INTREALL-SG and EBMT-PD-WP. EHA25 virtual, Abstract S102.


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