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Medizin

28. Oktober 2019 ALL: Längeres Überleben unter Inotuzumab Ozogamicin

„Das Ansprechen von Patienten mit rezidivierter oder re­frak­tärer akuter lymphatischer Leukämie auf Inotuzumab Ozogamicin überzeugt“, betonte Prof. Dr. med. Matthias Stelljes, Münster, bei einer Presseveranstaltung anlässlich des COSTEM-Kongresses 2019 in Berlin. Dabei nahm er Bezug auf aktuelle Langzeit-Daten aus der zulassungsrelevanten Studie INO‑VATE ALL (1) sowie auf um­fangreiche persönliche Erfahrungen mit der Therapie.
Frühzeitige CD22-Testung

„Inotuzumab Ozogamicin er­mög­licht es uns, deutlich mehr Patienten einer hämatologischen Stamm­zell­trans­plan­tation (HSZT) – und damit ihrer einzigen Chance auf Heilung – zuzuführen als es vor den Antikörper-basierten Therapien der Fall war“, stellte er heraus. In der Studie war die HSZT-Rate unter Inotuzumab Ozogamicin 4-mal so hoch wie unter einer Standard-Chemotherapie (1). Zugleich erhöhte eine erfolgreiche Inotuzumab-Ozogamicin-Therapie die Über­lebens­wahr­scheinlichkeit nach einer HSZT signifikant – im Vergleich zu einer Standard-Chemotherapie (1). Da das Ansprechen auf das CD22-Antikörper-Wirkstoff-Konjugat am höchsten ist, wenn es als erste Salvage-Therapie eingesetzt wird (1), empfahl der Experte, frühestmöglich auf CD22 zu testen.
 
Deutlich höhere Remissonsraten unter Inotuzumab Ozogamicin

Seit mehr als 2 Jahren ist das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Inotuzumab Ozogamicin zur Behandlung erwachsener Patienten mit rezidivierter oder refraktärer CD22-positiver B-Vor­läu­fer-ALL zugelassen (2). „Inzwischen haben sich Antikörper-basierte Be­hand­lungs­optionen bei dieser Indikation als Standard-Salvage-Therapie fest etabliert“, hob Stelljes auch mit Blick auf die deutsche Leitlinien-Empfehlung (3) hervor. „Erfolgt der Einsatz von Inotuzumab Ozogamicin bereits als erste Salvage-Therapie, so ist der Benefit für die Patienten be­son­ders groß“, ordnete Stelljes aktuelle Daten aus der INO-VATE ALL ein. So erreichten 77,8% der Patienten, die Inotuzumab Ozogamicin als erste Salvage-Therapie erhielten, eine Remission (CR/CRi) gegenüber 29,9% der Patienten mit Standard-Chemotherapie (p < 0,0001) (1).
 
Höhere CR/CRi-Rate und MRD-Negativität ermöglichen häufiger HSZT

Neben der Remission (CR/CRi) ist die MRD-Negativität ein wichtiger Faktor, der die Wahr­schein­lichkeit für eine erfolgreiche HSZT und damit die Chance auf eine Heilung erhöhen kann. Ins­ge­samt erreichten 78,4% der Inotuzumab-Ozogamicin-Patienten mit CR/CRi vs. 28,1% unter Standard-Chemotherapie eine MRD-Negativität (p < 0,001) (4). Verbunden mit der hohen CR/CRi-Rate führte dies dazu, dass signifikant mehr Patienten einer HSZT zugeführt werden konnten: Diese erhielten 39,6% (95-%-KI: 32,1-47,6%) der mit Inotuzumab Ozogamicin be­han­del­ten Patienten vs. 10,5% bei Standard-Chemotherapie (95-%-KI: 6,2-16,3%; p < 0,0001) (1).
 
Längeres Gesamtüberleben

Den hohen Stellenwert von Inotuzumab Ozogamicin untermauern auch die ersten Lang­zeit­daten zum Gesamtüberleben, die es bisher für eine Antikörper-basierte Therapie der r/r ALL gibt: Mit Inotuzumab Ozogamicin lag die 3-Jahres-OS-Rate bei 20,3% vs. 6,5% unter Standard-Chemotherapie (HR=0,75; 97,5-%-KI: 0,57-0,99; p=0,0105) (1). „Wis­senswert ist, dass in dieser Gesamtpopulation auch Patienten berücksichtig sind, die nicht transplantiert werden konnten“, führte der Experte aus, der an der Zulassungsstudie beteiligt war und ins­ge­samt bereits mehr als 40 Patienten mit dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat be­han­delt hat. Auch bei diesen Patienten sei Inotuzumab wirksamer als die Standard-Chemo­the­ra­pie.
Im Follow-Up der Studie zeigten sich keine neuen Sicherheitssignale (1). Auch war das Wirk­sam­keits- und Sicherheitsprofil über alle untersuchten Sub­grup­pen hinweg konsistent (1, 4).
 
Frühzeitiger Einsatz empfohlen

Inotuzumab Ozogamicin kommt für Patienten in Betracht, deren Blasten CD22-positiv sind. Dies ist bei mehr als 90% der r/r-ALL-Patienten der Fall (5). Schon geringe Expressionslevel des Re­zep­tors sind ausreichend, damit Inotuzumab Ozogamicin seine Wirkung entfalten kann: Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat wird über CD22 in die Tumorzellen eingeschleust und führt zu ihrer Zerstörung (5). „Ich empfehle eine frühestmögliche Testung auf CD22, damit die Patienten bereits in der ersten Salvage-Therapie von den Vorteilen von Inotuzumab Ozogamicin profitieren können“, ergänzte Stelljes und sprach sich dafür aus, zudem auf eine hohe Qualität der Testung zu achten.
 
Ambulante Anwendung erleichtert Einsatz

Einen Vorteil von Inotuzumab Ozogamicin sieht Stelljes – nach mehr als 2 Jahren Erfahrungen aus der Praxis – auch in der einfachen An­wen­dung. „Ich setze das Medikament überwiegend ambulant ein“, so Stelljes. „Der All­tag der Patienten wird durch die Therapie deshalb vergleichsweise wenig eingeschränkt. Das ist auch mit Blick auf die Erfahrung der Patienten mit ihrer zurückliegenden ALL-Initial­the­ra­pie ein nicht zu vernachlässigender Aspekt.“

Quelle: Pfizer

Literatur:

(1) Kantarjian HM et al. Cancer 2019; 25 (14): 2474-2487.
(2) Fachinformation BESPONSA® 1 mg Pulver für ein Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung. Stand: August 2019.
(3) Gökbuget N et al. Onkopedia-Leitlinie C91.00: Akute lymphatische Leukämie (ALL). Stand: Februar 2018.
(4) Kantarjian HM et al. N Engl J Med. 2016; 375: 740-753.
(5) Shor B et al. Mol Immunol. 2014; 67 (2 Pt A): 107-116.


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