Donnerstag, 22. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Vectibix
Medizin
23. November 2020

ALL: Blinatumomab – immuntherapeutischer Meilenstein

Blinatumomab verdoppelte in der TOWER-Studie das Gesamtüberleben von Patienten mit r/r ALL gegenüber der üblichen Standardtherapie. In der BLAST-Studie wurde durch Blinatumomab eine hohe Rate an MRD-Negativität von 80% erzielt. Bei Kindern wurde in der RIALTO-Studie eine hohe Rate molekularer Remissionen erwirkt. Die Anwendung als Dauerinfusion wurde von den Patienten gut toleriert.
Anzeige:
Bevacizumab
Mit Blinatumomab (BLINCYTO®) ist seit rund fünf Jahren eine chemotherapiefreie, zielgerichtete Therapie der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) möglich. Es handelt sich um ein BiTE®-Molekül (Bispecific T-Cell Engager), das über seine beiden Molekülarme eine Brücke zwischen T-Zellen und Tumorzellen schlagen und so die Tumorzellen zerstören kann, berichtete Professor Dr. Peter Kufer, Geschäftsführer der Amgen Research (Munich) GmbH, bei einer virtuellen Pressekonferenz des Unternehmens. Blinatumomab richtet sich gegen den CD19-Oberflächenmarker auf Leukämiezellen, erläuterte Kufer, der den Wirkstoff maßgeblich mitentwickelt hat. Zugelassen ist das BiTE®-Molekül zur Behandlung von Erwachsenen mit Philadelphia-Chromosom negativer, CD19-positiver, rezidivierter oder refraktärer (r/r) B-Vorläufer ALL sowie zur Therapie von Kindern ab einem Jahr mit r/r ALL und zur Behandlung Erwachsener mit minimaler Resterkrankung (MRD) in der Erstlinie wie auch im Rezidiv (1).
 
TOWER-Studie: Signifikant längeres Gesamtüberleben und häufigere MRD-Negativität
 
Die Zulassung von Blinatumomab zur Therapie von Erwachsenen mit Philadelphia-Chromosom negativer r/r ALL basiert auf den Ergebnissen der Phase III-Studie TOWER (2). In dieser Studie wurden 405 Patienten mit Philadelphia-Chromosom negativer, CD19-positiver r/r ALL entweder mit Blinatumomab oder einer Standardtherapie (Standard of Care, SOC) behandelt. Es resultierte unter Blinatumomab mit 44% versus 25% unter SOC eine signifikant höhere Gesamtremissionsrate und es wurde bei 76% der Responder unter Blinatumomab versus 48% der Responder unter SOC auch signifikant häufiger MRD-Negativität erreicht. Als besonders relevant hob Professor Dr. Marion Subklewe, München, die Ergebnisse zum Gesamtüberleben (OS) der Patienten hervor: Das mediane OS war in der Intention-to-Treat-Gruppe bei Patienten, die Blinatumomab erhielten, signifikant länger als bei Patienten unter SOC sowohl ohne (7,7 versus 4 Monate) als auch mit (6,9 versus 3,9 Monate) Zensur zum Zeitpunkt der allogenen Stammzelltransplantation (HSZT). "Das hatte zur Folge, dass die Studie vorzeitig beendet wurde“, erläuterte die Medizinerin. Es profitierten laut Subklewe insbesondere Patienten, die Blinatumomab mit der ersten Salvage-Therapie (S1) erhielten gegenüber Patienten in späterer Salvage-Therapie (S2+) mit 11,1 versus 5,5 Monaten in S1 und 5,1 versus 3,0 Monaten in S2+. Die mit der Prüfmedikation assoziierten unerwünschten Ereignisse entsprachen nach Subklewe den Nebenwirkungen in vorherigen Studien. Die schwerwiegenden Reaktionen beinhalteten neurologische Ereignisse sowie ein Zytokin-Freisetzungssyndrom. Neutropenien und Infektionen Grad 3 und mehr traten unter Blinatumomab weniger häufig auf als unter der SOC-Chemotherapie.
 
BLAST-Studie: Mit 80% hohe Rate an MRD-Negativität
 
Von besonderer Bedeutung ist nach Subklewe die MRD-Negativität: „Aus der MRD speist sich in aller Regel das Rezidiv“, gab die Medizinerin zu bedenken. Dass Blinatumomab auch in dieser Hinsicht eine überzeugende Wirksamkeit zeigt, belegen die Ergebnisse der BLAST-Studie bei Patienten mit ALL, die in erster oder zweiter Remission eine MRD von mindestens einem Prozent aufwiesen (3, 4). "Es zeigte sich ein extrem gutes MRD-Ansprechen“, kommentierte Subklewe die Ergebnisse der Studie. So konnte im Rahmen von einem oder zwei Behandlungszyklen bei 80% der Patienten durch Blinatumomab eine MRD-Negativität erwirkt werden (3). Das mediane Gesamtüberleben lag bei 36,5 Monaten, das geschätzte 5-Jahres-OS bei insgesamt 43% und bei MRD-Negativität sogar bei 50%. Die Behandlung bietet damit die Chance auf Heilung bei der MRD-positiven ALL und eignet sich nach Subklewe zudem auch zur Überbrückung der Zeit bis zu einer HSZT.
 
Hohe molekulare Remissionsrate auch bei Kindern
 
Eine bemerkenswert hohe molekulare Remissionsrate ist nach Professor Dr. Bernd Gruhn, Jena, durch Blinatumomab auch bei Kindern mit r/r B-Vorläufer ALL zu erzielen. Das belegen die Ergebnisse der RIALTO-Studie, einer nicht verblindeten multizentrischen erweiterten Zugangsstudie, in der die Kinder mit bis zu fünf Zyklen von Blinatumomab behandelt wurden (5, 6). Primärer Endpunkt der Studie war die Therapiesicherheit. Dabei zeigte sich nach Gruhn „eine ausgesprochen niedrige Rate an therapieassoziierten Nebenwirkungen“. Lediglich rund 9% der Kinder entwickelten eine Zytopenie, etwa 4% ein neurologisches Ereignis und nur bei 2% der Kinder trat ein Zytokin-Freisetzungssyndrom auf. „Das bestätigt unsere Erfahrungen einer guten Verträglichkeit von Blinatumomab im klinischen Alltag“, betonte Gruhn. Insgesamt 59% der Kinder erreichten nach seinen Worten mit zwei Therapiezyklen eine komplette Remission mit vollständiger hämatologischer Erholung der Blutwerte bei zwei Drittel der Kinder. Bei 80% wurde sogar eine molekulare Remission erzielt. "Blinatumomab ist offenbar in der Lage, bei Kindern mit noch bestehender MRD-Last eine molekulare Remission zu erwirken“, so Gruhn. Nahezu die Hälfte dieser Kinder konnte einer HSZT zugeführt werden. Die Kinder waren nach Gruhn außerdem in aller Regel vor der HSZT in einem deutlich besseren Allgemeinzustand. „Es erreichen zudem mehr Kinder die Stammzelltransplantation“, berichtete der Mediziner.  
 
Gute Akzeptanz der Therapie bei den Patienten
 
Blinatumomab wird als intravenöse Dauertherapie angewendet. Die Behandlung erfolgt initial stationär und kann dann ambulant fortgeführt werden. Alle vier Tage steht ein Wechsel des Infusionsbeutels an, was jedoch in aller Regel problemlos durch häusliches Pflegepersonal und somit auch ambulant möglich ist. „Die Patienten akzeptieren diese Therapieform sehr gut und geben eine hohe Therapiezufriedenheit an“, schilderte Subklewe ihre Erfahrungen.

Quelle: Amgen

Literatur:

(1) Fachinformation BLINCYTO®; Stand Oktober 2019
(2) Kantarjian H et al., N Engl J Med 2017; 376 (9): 836–847
(3) Gökbuget N et al., Blood 2018; 131: 1522-1531
(4) Gökbuget N et al,. Leuk Lymphoma 2020 Jul 3:1-9. doi: 10.1080/10428194.2020.1780583. Online vor Drucklegung.
(5) Locatelli F et al., ASH Annual Meeting 2018, San Diego, Poster Presentation
(6) Locatelli F et al., Blood Cancer J 2020;10:77. doi: 10.1038/s41408-020-00342-x


Anzeige:
Digital Gesamt 2021
Digital Gesamt 2021
Das könnte Sie auch interessieren
Gesundheitsversorgung auf dem Land – weite Wege, lange Wartezeiten
Gesundheitsversorgung+auf+dem+Land+%E2%80%93+weite+Wege%2C+lange+Wartezeiten
Krebsinformationsdienst, DKFZ

Eine repräsentative Umfrage* vom Dezember 2017 hat gezeigt: Die medizinische Versorgung in ländlichen Regionen weist aus Sicht vieler Befragter Defizite auf. Bemängelt wurden lange Wartezeiten auf Arzttermine, weite Wege und weniger Informationsmöglichkeiten. Auch für Krebspatienten und ihre Angehörigen kann diese Situation belastend sein. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums ersetzt...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"ALL: Blinatumomab – immuntherapeutischer Meilenstein"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.