Mittwoch, 14. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Prevymis
Prevymis
Medizin
03. August 2017

Akute Promyelozyten-Leukämie: Heilungschancen durch Therapie der Koagulopathie weiter verbessern

Mit der Chemotherapie-freien Erstlinientherapie der akuten Promyelozyten-Leukämie (APL) mit all-Trans-Retinsäure (ATRA) und Arsentrioxid (Trisenox®) ist die Rezidivwahrscheinlichkeit für Patienten mit niedrigem bis intermediärem Risiko minimal (1,2). Heute stellen frühe Todesfälle aufgrund der mit der Erkrankung assoziierten Koagulopathie das größte Hindernis für eine Heilung dar. Anlässlich des 22. Kongresses der European Hematology Association (EHA) in Madrid forderte die Hämatologin Prof. Dr. Anna Falanga aus Bergamo daher, die effektive und sichere APL-Therapie mit ATRA plus Arsentrioxid im Sinne einer optimalen Heilungschance mit einer konsequenten supportiven Therapie zu begleiten (3).
Anzeige:
Kyprolis
Die aktuelle Erstlinientherapie der APL bei niedrigem und intermediärem Risiko mit ATRA plus Arsentrioxid erzielt Remissionsraten von über 90% mit einer Rückbildung der Koagulopathie und anhaltend hohen Raten der Rezidivfreiheit, berichtete Prof. Falanga, die das Zentrum für Immunhämatologie und Transfusionsmedizin, Hämostase und Thrombose am Hospital Papa Giovanni XXIII in Bergamo leitet. Die finale Analyse der zulassungsrelevanten APL 04/06-Studie mit 263 Patienten zeigte nach einer medianen Beobachtungszeit von 40,6 Monaten eine kumulative Rezidivrate (CIR) von 1,9% und eine Gesamtüberlebensrate (OS) von 99,2% (2). Im Vergleich dazu lag die CIR im Vergleichsarm mit ATRA plus Chemotherapie mit 13,9% signifikant höher (p=0,0013), die 50-Monate-OS war mit 92,6% signifikant schlechter als im ATRA-Trisenox®-Arm (p=0,0073). Das größte Hindernis für die Heilung der APL ist damit nicht mehr das Auftreten von Resistenzen oder Rezidiven, sondern das Auftreten früher Todesfälle durch Blutungen, betonte Prof. Falanga. Blutungen seien heute der häufigste Grund für ein Behandlungsversagen.

Fatale Blutungen aufgrund komplexer Koagulopathie

Fatale Blutungen, vor allem Lungen- und Hirnblutungen, entstehen aufgrund einer komplexen Koagulopathie, an der die APL-Zellen auf verschiedene Weise beteiligt sind, wie die Hämatologin erläuterte. Sie exprimieren verschiedene die Koagulation fördernde Faktoren, fibrinolytische Proteine und deren Rezeptoren sowie nicht spezifische Proteasen, welche die Koagulation und Fibrinolyse aktivieren. Zusätzlich besitzen die APL-Zellen auch eine ausgeprägte Fähigkeit, sich am vaskulären Endothel anzuheften und inflammatorische Zytokine und Tumornekrosefaktor alfa zu sezernieren, die wiederum über bestimmte Signalwege prothrombotische Eigenschaften von endothelialen Zellen, Leukozyten und Thrombozyten aktivieren (4).
 
Außerhalb von kontrollierten klinischen Studien liegt die 30-Tage-Mortalität – mindestens zur Hälfte bedingt durch Blutungen – mit bis zu 30% in einem schwedischen Register (5) sogar noch deutlich höher, womöglich weil weniger konsequent supportiv behandelt wird als in Studien, vermutete Prof. Falanga . Um das Risiko für eine lebensbedrohliche Blutung abzuschätzen, werden verschiedene Faktoren als Prädiktoren diskutiert. Eine gute Evidenz liegt derzeit nur für eine hohe Leukozytenzahl als möglichen Prädiktor für fatale Blutungen vor, deutliche Hinweise außerdem für den Risikofaktor Performancestatus (6).

Bei Verdacht sofort handeln

Prof. Falanga betonte, dass neben der Eradikation der APL-Zellen die APL-assoziierte Koagulopathie von Anfang an konsequent supportiv mitbehandelt werden müsse. Zur Reduktion des Risikos von frühen Todesfällen durch Blutungen empfahl sie:
- Bei Verdacht auf APL die sofortige Therapie mit ATRA noch vor Bestätigung der Diagnose durch die molekulare Diagnostik,
- eine aggressive supportive Therapie,
- bei Verdacht auf Hirnblutung: sofortig Bildgebung (CT, MRT), Intensivbehandlung und Vermeidung einer lumbalen Punktion.

Für die konsequente supportive Therapie der Koagulopathie nannte sie vorrangig Plättchenkonzentrate (Zielwert > 50.000/μl), Kryopräzipitate oder Fibrinogen (Fibrinogenzielwert >100 bis 150 mg/dl) und Fresh Frozen Plasma bei verlängerter Thrombin- und Prothrombin-Zeit. Der Einsatz von Antikoagulanzien und Antifibrinolytika werde bislang kontrovers diskutiert. Prospektive Studien zur supportiven Therapie der Koagulopathie bei APL seien dringend zu wünschen.

Quelle: Teva

Literatur:

(1) Lo-Coco F et al. N Engl J Med 2013; 369: 111-21
(2) Platzbecker U et al. J Clin Oncol 2017; 35(6): 605-612
(3) Falanga A: „The coagulopathy of APL: still a Challenge?“ anlässlich des Symposiums “Acquired bleeding disorders and emergencies” am 25. Juni 2017 im Rahmen des 22. Kongresses der European Hematology Association (EHA) in Madrid vom 22. bis 25. Juni 2017
(4) Falanga A. Blood 2017; 129: 1739-1740
(5) Lehman S et al. Leukemia 2011; 25: 1128-1134
(6) Mantha S et al. Blood 2017; 129: 1763-1767


Das könnte Sie auch interessieren
Kehlkopfentfernung – und wie geht es weiter?
Kehlkopfentfernung+%E2%80%93+und+wie+geht+es+weiter%3F
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Nicht mehr mit der eigenen Stimme sprechen zu können, ist für gesunde Menschen schwer vorstellbar. Wenn jedoch der Kehlkopf infolge einer Tumorerkrankung entfernt werden muss, wird das schnell zur Realität. Simone Kornburger, Case Managerin der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde des Universitätsklinikums Regensburg (UKR), hat einen interdisziplinären Patientenleitfaden entwickelt, der die...

Berufliche Reha ist mehr als Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell
Berufliche+Reha+ist+mehr+als+Wiedereingliederung+nach+dem+Hamburger+Modell
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum


Etwa zwei Drittel aller Berufstätigen, die an Krebs erkrankt sind, kehren zurück in das Arbeitsleben. Für viele ist die Motivation hoch, denn wer arbeitet, erobert sich ein Stück Normalität zurück. Doch der Wiedereinstieg sollte behutsam erfolgen und an die individuelle Belastbarkeit der Patientinnen und Patienten angepasst werden. Nach längerer Arbeitsunfähigkeit bieten die Leistungen der...

Junge Krebspatienten: Ausbildung und Familie, aber auch Angst und Schmerzen
Junge+Krebspatienten%3A+Ausbildung+und+Familie%2C+aber+auch+Angst+und+Schmerzen
© pathdoc / Fotolia.com

„Ich hatte große Träume für mein Leben, jetzt denke ich oft viel, viel kurzfristiger“, sagt die 25-jährige Studentin Mia*, die vor anderthalb Jahren an Krebs erkrankte. Nach der Diagnose musste sie ihr Studium unterbrechen, ihre Familienplanung in Frage stellen und auch mit ihrem Freundeskreis einen neuen Umgang finden. Sie ist eine von rund 15.000 jungen Menschen, die jährlich im Alter von 18 bis 39 Jahren...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Akute Promyelozyten-Leukämie: Heilungschancen durch Therapie der Koagulopathie weiter verbessern"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.