Mittwoch, 14. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Lonsurf
 
Medizin
12. Juli 2013

Akute Promyelozytäre Leukämie: All-trans-Retinsäure plus Arsentrioxid zeigt in Studie annähernd 100%-Heilungsrate

Im Rahmen einer groß angelegten Studie gelang es deutschen und italienischen Wissenschaftlern, Akute Promyelozytäre Leukämie bei fast 100% der Patienten zu heilen - und das ganz ohne Chemotherapie. Bisher wird die APL mit einer Kombination aus Chemotherapie und dem Vitamin-A-Derivat All-trans-Retinsäure (ATRA) behandelt, welches einen Teil des krebsverursachenden Gens gezielt abbaut. Auf diese Weise können bisher etwa 90% der APL-Patienten geheilt werden. In einer an 40 italienischen und 27 deutschen Zentren durchgeführten Studie verglichen Forscher über mehrere Jahre die Standardtherapie mit einer neuen Kombination aus ATRA und Arsentrioxid bei über 160 Patienten.

Anzeige:
Ibrance
Ibrance
 

Jährlich erkranken etwa 300 Menschen in Deutschland an Akuter Promyelozytärer Leukämie (APL). Der Erkrankung liegt ein fehlerhaftes Gen zugrunde, wodurch das krebsverursachende Fusionsprotein PML-RAR alfa entsteht. Dieses Protein behindert die Weiterentwicklung der weißen Blutkörperchen, die das Knochenmark überschwemmen und die normale Blutbildung verdrängen. Die Folge sind Gerinnungsstörungen mit lebensgefährlichen Blutungen oder Blutgerinnseln.

In einer an 40 italienischen und 27 deutschen Zentren durchgeführten Studie verglichen Forscher über mehrere Jahre die Standardtherapie mit einer neuen Kombination aus ATRA und Arsentrioxid bei über 160 Patienten. Die deutsche Studienleitung übernahmen der Dresdner Hämatologe Prof. Dr. Uwe Platzbecker und Prof. Dr. Richard F. Schlenk aus Ulm, in Italien leitete der Hämatologe Dr. Francesco Lo-Coco aus Rom das Projekt. Auch das Universitätsklinikum Freiburg nahm als aktives Zentrum an der Studie teil.

Die neue Therapie setzt an zwei Stellen des defekten Gens an: Während ATRA den RAR alfa-Teil abbaut, inaktiviert Arsentrioxid den PML-Anteil. Auf diese Weise erreichten die Wissenschaftler Zwei-Jahres-Überlebensraten von 98%, verglichen mit 91% bei der Standardtherapie.

Insgesamt träten bei der neuen Therapie zwar etwas häufiger Nebenwirkungen auf, diese seien aber selten lebensbedrohlich, erklärt Prof. Dr. Michael Lübbert, Hämatologe und Onkologe in der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Freiburg. "Eine reversible Leberschädigung sowie gewisse EKG-Veränderungen waren durch vorübergehendes Absetzen der Arsen-Therapie immer gut beherrschbar", erklärt Lübbert, der auch an der Studienplanung beteiligt war. Bei der Standardtherapie kam es hingegen gehäuft zu einer Knochenmarksuppression mit Blutbildveränderungen, die zu einem geschwächten Immunsystem und damit lebensbedrohlichen Infekten führte.

Die neue Therapie sei aber nicht nur besser verträglich, sie dauere auch statt zwei Jahren nur sechs Monate und könne zu einem großen Teil ambulant durchgeführt werden. "Das alles bedeutet einen Zugewinn an Lebensqualität für die Patienten", sagt Lübbert. "Mit Hilfe der neuen Kombinationstherapie aus ATRA und Arsentrioxid konnten wir eine Leukämie ganz ohne Chemotherapie heilen. Sie ist ein exzellentes Beispiel für eine genotyp-gesteuerte und molekular zielgerichtete Therapie." Experten sind sich einig, dass die neue Kombinationstherapie die bisherige Standardtherapie bald ablösen wird.

Literaturhinweis:
Retinoic Acid and Arsenic Trioxide for Acute Promyelocytic Leukemia
doi: 10.1056/NEJMoa1300874
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1300874

Quelle: Universitätsklinikum Freiburg


Anzeige:
Blenrep
Blenrep
Das könnte Sie auch interessieren
Junge Menschen vor Gebärmutterhalskrebs und anderen Krebsarten schützen
Junge+Menschen+vor+Geb%C3%A4rmutterhalskrebs+und+anderen+Krebsarten+sch%C3%BCtzen
© Jochen Schönfeld / Fotolia.com

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat die Impfempfehlungen zur HPV-Impfung erweitert. Während es die offizielle Empfehlung für Mädchen bereits seit dem Jahr 2007 gibt, empfiehlt sie die HPV-Impfung seit diesem Jahr auch für Jungen. Um auf die Wichtigkeit der HPV-Impfung hinzuweisen, hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Informationsmaterialien entwickelt, die derzeit an die...

Internetplattform „Stärker gegen Krebs“: ergänzende, stärkende Angebote für Krebspatienten in Corona-Zeiten
Internetplattform+%E2%80%9ESt%C3%A4rker+gegen+Krebs%E2%80%9C%3A+erg%C3%A4nzende%2C+st%C3%A4rkende+Angebote+f%C3%BCr+Krebspatienten+in+Corona-Zeiten
© Frantab - stock.adobe.com

Krebspatienten mit einem geschwächten Immunsystem haben laut DGHO (Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie) und Robert Koch-Institut ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Erkrankung Covid-19. Umso sinnvoller sind begleitende Maßnahmen zur Stärkung des körpereigenen Abwehrsystems, die gleichzeitig das physische und psychische Wohlbefinden und damit die Lebensqualität...

Neue Krebs-Studien zur Immuntherapie am Institut für Klinisch-Onkologische Forschung (IKF) für Patienten geöffnet

Das Institut für Klinisch-Onkologische Forschung (IKF) am Krankenhaus Nordwest startet jetzt in Kooperation mit der Klinik für Onkologie und Hämatologie zwei neue Studien zur Wirksamkeit eines hoch innovativen immuntherapeutischen Ansatzes unter Verwendung von sogenannten Checkpoint-Hemmern: Diese sollen die Blockaden des Immunsystems gegen Krebszellen aufheben. An der ersten Studie in Phase II nehmen Patienten mit...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Akute Promyelozytäre Leukämie: All-trans-Retinsäure plus Arsentrioxid zeigt in Studie annähernd 100%-Heilungsrate"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.