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Medizin
14. Juni 2013

Aktuelle Daten zur Umstellung von Opioidpflastern auf retardiertes Oxycodon/Naloxon

Ältere Schmerzpatienten, die Opioidpflaster erhalten, können deutlich von einer Einstellung auf die orale Gabe von retardiertem Oxycodon/retardiertem Naloxon (Targin®) profitieren - so das Ergebnis von Studiendaten, die auf dem DGIM (Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin)-Kongress 2013 vorgestellt wurden (1). Bei den 368 Patienten zeigte sich im Mittel eine über 40%ige Senkung der Schmerzintensität nach dem Wechsel von Buprenorphin- bzw. Fentanylpflastern. Zusätzlich traten unter der neuen Therapie deutlich weniger Übelkeit und Schwindel und eine geringere Appetitminderung auf. Auch die Lebensqualität nahm zu. Diese Ergebnisse untermauern die WHO-Empfehlung, Schmerzmittel möglichst oral zu verabreichen (2) sowie den Rat der Deutschen Arzneimittelkommission, Fentanylpflaster nur dann einzusetzen, wenn bei chronischen Schmerzen und stabilem Opioidbedarf ein Opioid nicht oral eingenommen werden kann (3).

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 Weniger Schmerz und mehr Lebensqualität für ältere Patienten

"Der Einsatz von Opioidpflastern ist bei Älteren sehr verbreitet. Die Erfahrung und nun unsere Analyse zeigen aber, dass eine orale Medikation überlegen sein kann", erläuterte Posterautor Ulf Schutter, Facharzt für Anästhesiologie und Allgemeinmedizin, spezielle Schmerztherapie, Marl. Die präsentierte Subgruppe entstammt dem Datensatz einer vierwöchigen prospektiven, nichtinterventionellen Studie, die an 530 Zentren den Einsatz der Fixkombination aus retardiertem Oxycodon/retardiertem Naloxon untersuchte. Sie beinhaltete zuvor mit Schmerzpflastern (TTS) behandelte Patienten über 70 Jahre mit opioidbedürftigen Schmerzen (60 mit Buprenorphin-, 308 mit Fentanyl-TTS). Nach Einstellung auf retardiertes Oxycodon/retardiertes Naloxon sank die Schmerzintensität innerhalb von vier Wochen bei den 368 Patienten im Mittel um mehr als 40%: um 47% auf durchschnittlich 3,3 (Numerische Ratingskala) nach Umstellung von Buprenorphin-TTS, um 45% auf im Mittel 3,2 nach Fentanyl-TTS. "Das spiegelt sich auch im Urteil der behandelnden Ärzte wider", ergänzte Schutter. Die Wirksamkeit von retardiertem Oxycodon/retardiertem Naloxon nach vier Wochen wurde von den Ärzten zu 86 bzw. 85% mit "sehr gut" oder "gut" eingeschätzt. "Die Vortherapie mit Buprenorphin-TTS bzw. mit Fentanyl-TTS dagegen wurde nur zu 30% bzw. lediglich zu 22% mit "sehr gut" oder "gut" bewertet", so Schutter. Es sei allerdings zu beachten, dass die Zahl der Patienten mit Buprenorphin-TTS für eine statistische Auswertung recht klein gewesen sei.

Mehr Verträglichkeit und Lebensqualität nach Umstellung auf orale Fixkombination

Nicht nur die Schmerzintensität, sondern auch die Verträglichkeit der Opioid-Therapie zeigte vier Wochen nach Umstellung eine positive Entwicklung: Die Zahl der Patienten, die unter Übelkeit litten, konnte unter retardiertem Oxycodon/retardiertem Naloxon um 70% (zuvor Buprenorphin-TTS) bzw. 54% (zuvor Fentanyl-TTS) reduziert werden, Schwindel ging um 64 bzw. 41% zurück (5-Punkte-Skala zur Beurteilung der Symptome innerhalb der letzten 24 Stunden). Die Anzahl der Patienten, bei denen eine Appetitminderung aufgetreten war, ging mit der Fixkombination um 69 bzw. 45% zurück. "Besonders bei älteren Patienten kann die Reduktion dieser Nebenwirkungen zur Gesamtverbesserung der körperlichen Verfassung beitragen", erläuterte Schutter. Dazu passend dokumentierten die Studienärzte, dass die Gehfähigkeit der älteren Patienten nach vier Wochen um 28 bzw. 38% deutlich zunahm. Auch weitere Parameter der Lebensqualität (4) veränderten sich innerhalb von vier Wochen unter retardiertem Oxycodon/retardiertem Naloxon positiv: Allen voran der Schlaf um 37% (zuvor Buprenorphin-TTS) bzw. 51% (zuvor Fentanyl-TSS), gefolgt von einer um 40 bzw. 48% gesteigerten Lebensfreude (Brief Pain Inventory, Short Form). Soziale Kontakte nahmen um 38 bzw. 43% zu. "Diese Daten zeigen, wie sehr ältere Patienten von der oralen Therapie mit retardiertem Oxycodon/retardiertem Naloxon profitieren können. Auch vor diesem Hintergrund sollte ein unkritischer Einsatz von Opioidpflastern, wie ihn die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft schon letztes Jahr angemahnt hat, hinterfragt werden", resümierte Schutter.

Orale versus transdermale Opioidgabe

Die Subgruppenanalyse untermauert den State of the Art bei der Gabe starker Opioide, denn Schmerzmittel sollten laut WHO vorzugsweise oral und nach festem Schema verabreicht werden (2). Zum Aufbau gleichmäßiger Blutspiegel trägt nach Lehrbuchmeinung die Verordnung von Retardpräparaten bei; Opioidpflaster sollten erst verordnet werden, wenn eine orale Gabe nicht mehr möglich ist (5). Im Deutschen Ärzteblatt hat 2012 die Deutsche Arzneimittelkommission unter den "Mitteilungen der Bundesärztekammer" darauf hingewiesen, dass Fentanylpflaster sich vor allem für Patienten mit chronischen Schmerzen und stabilem Opioidbedarf eignen, die ein orales Opioid nicht einnehmen können (3). Sie betonte, dass durch Verordnung von zu hohen Dosierungen bei Therapiebeginn vor allem ältere und multimorbide Patienten gefährdet werden könnten (3).

Literaturhinweise:
(1) Schutter U.: Starke Wirksamkeit, überlegene Verträglichkeit und mehr Lebensqualität für ältere Patienten bei der Therapie mit Oxycodon/Naloxon im Vergleich zur Therapie mit Schmerzpflastern, Poster P134, Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), 6. - 9. April 2013, Wiesbaden
(2) WHO, World Health Organization (1996): Cancer pain relief. With a guide to opioid availability. Second edition. Cancer Pain Relief: 1-63
(3) http://www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/Bekanntgaben/Archiv/2012/20120406.html; Deutsches Ärzteblatt, Jg. 109, Heft 14, 06.04.2012
(4) Mundipharma data on file OXN9002
(5) Freye E. (2010): Opioide in der Medizin, 8. Aufl., Springer Verlag, S. 130

Quelle: Mundipharma


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