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Medizin
20. Februar 2021
Seite 1/8

Aktuelle Daten aus der Hämatologie vom ASH 2020

Der 62. Jahreskongress der American Society of Hematology (ASH) wurde aufgrund der COVID-19-Pandemie vom 08. bis 11. Dezember 2020 virtuell durchgeführt. Im Nachgang diskutierten ausgewiesene deutsche Experten, moderiert von Prof. Dr. med. Martin Dreyling, München, wichtige Studiendaten in kompakter Form im Rahmen des virtuellen Münchener Fachpresse-Workshops.
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Magrolimab und Azacitidin für unfitte AML Patienten

Für ältere Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML), für die eine intensive Chemotherapie nicht geeignet ist, konnte in der VIALE-E-Studie die Kombination aus Azacitidin und dem BCL-2-Inhibitor Venetoclax ein signifikanter Überlebensvorteil gegenüber alleiniger Azacitidin-Therapie gezeigt werden (1). Eine Hochrisikogruppe stellten hier insbesondere Patienten mit TP53-Mutation dar, die unter der Kombination Azacitidin plus Venetoclax niedrigere Remissionsraten erreichten, erläuterte PD Dr. Schroeder.

Anlässlich des ASH 2020 wurden in diesem Zusammenhang neue Daten zu Azacitidin in Kombination mit dem anti-CD47 Antikörper Magrolimab als Erstlinientherapie für unfitte AML-Patienten vorgestellt (2). Magrolimab ist ein monoklonaler Antikörper und führt durch Bindung des anti-phagozytären Checkpointmoleküls CD47 zu einer Reaktivierung der Phagozytose von Tumorzellen durch Makrophagen. „Der Blick in die Patientencharakteristik der Studie zeigt, dass überwiegend ältere Patienten mit ungünstiger Zytogenetik eingeschlossen wurden, darunter 73 % mit einer TP53-Mutation“, informierte Schroeder. Die Phase-Ib Studie beobachtete hohe Ansprechraten (ORR 63 %) sowie Remissionsraten (CR 42 %), die sich auch über die Subgruppe mit TP53-Mutation (ORR 69 % und CR 45 %) erstreckten. Auch die vorläufige Auswertung des medianen Gesamtüberlebens zeigte vielversprechende Ergebnisse für Patienten mit (12,9 Monate) und ohne TP53-Mutation (18,9 Monate). „Dabei war die Therapie gut verträglich und zeigte ein ähnliches Sicherheitsprofil wie die Kombination Azacitidin und Venetoclax. Eine Besonderheit von Magrolimab stellt zwar die ‚On-Target‘-Anämie durch Bindung an CD47-positive Erythrozyten dar, jedoch war auch diese in der Mehrzahl der Fälle nur vorübergehend“, so Schroeder. „Insgesamt ist die Kombinationstherapie aus Magrolimab und Azacitidin ein vielversprechender Ansatz, insbesondere für Hochrisikopatienten mit TP53-Mutation, und wir erwarten daher mit Spannung die Ergebnisse einer zukünftigen Phase-III-Studie.“

Zweite Induktion bei gutem Ansprechen? Die DaunoDouble-Studie

Bei gutem Allgemeinzustand wird bei AML-Patienten aus Tradition häufig eine doppelte Induktionschemotherapie bestehend aus zwei aufeinanderfolgenden Zyklen Cytarabin plus einem Anthrazyklin durchgeführt, allerdings ist der Nutzen einer zweiten Induktion bei Patienten mit initial gutem Ansprechen nicht ausreichend untersucht. In der beim ASH vorgestellten DaunoDouble-Studie erhielten Patienten mit neu diagnostizierter AML, die nach initialer Induktionstherapie an Tag 15 einen Blastenanteil unter 5 % aufwiesen, entweder eine erneuten Zyklus aus Cytarabin plus Daunorubicin oder keine weitere Induktion (3). „Die Interimsanalyse der Studie zeigte eine um lediglich 3 % geringere Rate an kompletten Remissionen in der Gruppe mit doppelter Induktionschemotherapie. Diese Ergebnisse zeigen, dass bei Patienten mit frühem Ansprechen eine zweiten Induktion nicht erforderlich zu sein scheint“, schlussfolgerte Schroeder.

QUAZAR AML-001: Azacitidin-Dosiseskalation in der Rezidivsituation

Auch für Patienten mit rezidivierter AML gibt es neue Erkenntnisse. Hierzu stellte Schroeder die neuesten Ergebnisse der QUAZAR AML-001-Studie vor, in der die Erhaltungstherapie mit oralem Azacitidin (CC-486) bei AML-Patienten im ersten Rezidiv untersucht wurde (4). Nach initialer erfolgreicher Induktion erhielten Patienten entweder eine zweiwöchige orale Erhaltungstherapie mit Azacitidin (AZA) oder ein Placebo, mit optional folgender Dosiseskalation im Falle eines Rezidivs mit 5-15 % Blastenanteil. Die dreiwöchige Dosiseskalation mit Azacitidin zeigte eine nicht-signifikante Verlängerung des medianen Überlebens (HR 0,66; p = 0,073) und bewirkte bei 23 % der AZA-vorbehandelten Patienten und auch bei 11% der Patienten in der Placebogruppe eine erneute Remission. „Für den klinischen Alltag bedeutet das, dass die Dosiseskalation insbesondere bei langsamen Blastenanstieg eine Therapieoption sein kann“, fasste Schroeder zusammen. „Darüber hinaus belegte eine parallel durchgeführte Untersuchung keinen Unterschied in der Lebensqualität zwischen Behandlungs- und Kontrollgruppe.“ (5)
 
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