Montag, 2. August 2021
Navigation öffnen
Medizin
01. September 2015

7.000 Jahre: Ältester Leukämie-Fund - Prähistorisches Skelett zeigt Anzeichen der Krebserkrankung

Wissenschaftler des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment und der Universität Tübingen haben den wahrscheinlich ältesten bisher bekannten Fall von Leukämie gefunden. In einem etwa 7.000 Jahre alten Skelett einer 30- bis 40-jährigen Frau konnten sie mithilfe von hochauflösender Computer-Tomographie Hinweise auf die Krebserkrankung feststellen. Andere, ähnliche Krankheitsbilder wurden ausgeschlossen.

Das Leben in der Jungsteinzeit war nicht einfach: Die landwirtschaftliche Arbeit kräftezehrend und die medizinische Versorgung aus heutiger Sicht mangelhaft. Diese harten Lebensumstände wirkten sich auch auf die Gesundheit der Menschen aus – Infektionskrankheiten, Mangelerscheinungen und degenerative Veränderungen waren keine Seltenheit. „Von all diesen Erkrankungen, abgesehen von Entzündungen im Mund- und Kieferraum und von Karies, war das ‚Individuum G61‘ allerdings nicht betroffen – ein weibliches Skelett aus dem neolithischen Gräberfeld Stuttgart-Mühlhausen“, erzählt Dr. Heike Scherf vom Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoenvironment an der Universität Tübingen.

An dem Skelett der damals 30- bis 40-jährigen Frau hat die Forscherin gemeinsam mit ihren Kollegen aber Hinweise auf eine Leukämie-Erkrankung entdeckt. „Wir haben verschiedene Knochen des Skeletts mit Hilfe unseres hochauflösenden Computer-Tomographen untersucht und im rechten, oberen Oberarmknochen und dem Brustbein eine ungewöhnliche Auflockerung des inneren Knochengewebes, der Spongiosa, festgestellt“, ergänzt Scherf.

In den Enden des Oberarmknochens, im Brustbein, wie auch in den Wirbeln, den Rippen, dem Schädel, dem Becken und den Enden des Oberschenkels finden sich bei Erwachsenen blutbildende Stammzellen. An diesen Orten kann es zu einer Leukämie, umgangssprachlich Blutkrebs, kommen.

Das Wissenschaftlerteam rund um die Paläoanthropologin Scherf verglich den Oberarmknochen der 7.000 Jahre alten „Patientin“ mit Oberarmknochen von 11 Individuen, die von derselben Fundstelle im Süden Deutschlands stammen und dort zwischen 1982 und 1993 geborgen wurden.

„Kein anderes Individuum zeigte dieses signifikante Muster“, erläutert Scherf und fügt hinzu: „Obwohl sie von derselben Fundstelle stammen und der gleichen Altersgruppe angehören.“

Andere Krankheiten, die ähnliche Erscheinungen hervorrufen, schließt die Tübinger Wissenschaftlerin aus: „Das biologische Alter und die Begrenzung der Funde auf Oberarmknochen und Brustbein sprechen gegen Osteoporose. Hyperparathyreoidismus, eine Überfunktion der Nebenschilddrüse, kann aufgrund des Fehlens von typischen Merkmalen an anderen Skelettelementen, wie dem Schädel und den Fingerknochen, ausgeschlossen werden.“
Die Ergebnisse deuten daher, laut der Wissenschaftlerin, sehr stark auf eine Leukämieerkrankung bei ‚Individuum G61‘ hin. Dies wäre damit der bisher älteste Nachweis einer Leukämie. „Ob die Frau an der Erkrankung auch gestorben ist, können wir aber nicht feststellen“, fasst Scherf zusammen.

Quelle: Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen


Anzeige:
Digital Gesamt 2021
Digital Gesamt 2021
 
Stichwörter
Das könnte Sie auch interessieren

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"7.000 Jahre: Ältester Leukämie-Fund - Prähistorisches Skelett zeigt Anzeichen der Krebserkrankung"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2021
  • SCD: Häufigere und längere VOC-bedingte Krankenhausaufenthalte nach Vorgeschichte von VOC-Hospitalisierungen – Ergebnisse einer Beobachtungsstudie
  • Real-World-Daten des ERNEST-Registers untermauern Überlebensvorteil unter Ruxolitinib bei primärer und sekundärer Myelofibrose
  • I-WISh-Studie: Ärzte sehen TPO-RAs als beste Option, um anhaltende Remissionen bei ITP-Patienten zu erzielen
  • Phase-III-Studie REACH2 bei steroidrefraktärer akuter GvHD: Hohes Ansprechen auf Ruxolitinib auch nach Crossover
  • SCD: Neues digitales Schmerztagebuch zur tagesaktuellen Erfassung von VOCs wird in Beobachtungsstudie geprüft
  • Französische Real-World-Studie: Eltrombopag meist frühzeitig nach ITP-Diagnose im Rahmen eines Off-label-Use eingesetzt
  • Fortgeschrittene systemische Mastozytose: Französische Real-World-Studie bestätigt klinische Studiendaten zur Wirksamkeit von Midostaurin
  • CML-Management weitgehend leitliniengerecht, aber verbesserungsfähig – Ergebnisse einer Querschnittsbefragung bei britischen Hämatologen
  • Britische Real-World-Studie: Kardiovaskuläres Risikomanagement bei MPN-Patienten in der Primärversorgung nicht optimal
  • Myelofibrose: Früher Einsatz von Ruxolitinib unabhängig vom Ausmaß der Knochenmarkfibrose