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Medizin
20. August 2015

ADO-Kongress 2015: Interview mit Prof. Carola Berking über neue Erkenntnisse in der Dermato-Onkologie

Hautkrebs ist mit jährlich rund 240.000 Neuerkrankungen in Deutschland immer noch die häufigste Krebserkrankung mit der größten Steigerungsrate, doch es gibt vielversprechende neue Erkenntnisse in der Dermato-Onkologie. Vom 10. bis 12. September 2015 diskutieren internationale Experten beim 25. Deutschen Hautkrebskongress der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO) in München, welche Neuerungen und Fortschritte es zu Prävention, Diagnostik und verschiedenen Bereichen der Hautkrebstherapien gibt. Tagungspräsidentin Prof. Carola Berking, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum München, gibt vorab im Interview Einblicke in die Schwerpunkte und Highlights des hochkarätigen Kongresses.

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Kerstin Aldenhoff: Auf der ADO-Jahrestagung diskutieren deutschlandweit Experten aktuelle Erkenntnisse und Forschungsergebnisse. Welche neuen Impulse erwarten Sie beim diesjährigen Kongress?

Prof. Berking: „Nach 11 Jahren findet der Deutsche Hautkrebskongress mal wieder in München statt. Seitdem hat sich extrem viel getan, vor allem in der Therapie des fortgeschrittenen Melanoms und auch Basalzellkarzinoms sowie in der Therapie von aktinischen Keratosen.  Gleich zu Beginn der Tagung wird es wieder das Klinische Studientreffen geben, auf dem mehr als 30 aktuelle Studien vorgestellt werden, an denen deutsche Hautkrebszentren ausgesprochen aktiv beteiligt sind. Der interdisziplinäre Austausch ist sehr wichtig, gerade auch im Hinblick auf das Nebenwirkungsmanagement der neuen Onkologika, die Leitlinienerstellung und die neue Initiative der Nationalen Versorgungskonferenz Hautkrebs. Allein sieben Symposien werden von verwandten Fachgesellschaften oder Arbeitsgemeinschaften auf dem diesjährigen Kongress in der Reihe „ADO meets …“ veranstaltet. Diese wissenschaftlichen, klinischen und berufspolitischen Interaktionen sollen noch weiter ausgebaut werden.“

Tagungsschwerpunkte sind u. a. aktuelle Erkenntnisse zu innovativen Behandlungsmethoden. Nach den großen Erfolgen in der Systemtherapie von Melanom und anderen Hauttumoren werden jetzt neue Studienergebnisse zu den mutationsbasierten zielgerichteten Therapien vorgestellt. Kommen diese schon den Patienten zugute? Wie ist die Patientenversorgung weiter zu verbessern?

Prof. Berking: „Im Rahmen von Härtefallprogrammen und klinischen Studien hatten wir in Deutschland schon früh die Möglichkeit, Patienten mit den modernsten Substanzen zu behandeln. Zu ihnen gehören die MEK-Inhibitoren Trametinib und Cobimetinib und die PD1-Antikörper Nivolumab und Pembrolizumab. Wir werden auch nach Zulassung dieser Substanzen versuchen, Patienten über klinische Studien zu behandeln. Denn es sind noch viele Fragen offen, zum Beispiel hinsichtlich Therapiesequenzen und Kombinationen sowie ihr Einsatz in der Adjuvanz. Durch die Erstellung und Aktualisierung von S3-Leitlinien zu den Themen Hautkrebsprävention, malignes Melanom, Plattenepithelkarzinom und aktinische Keratosen und durch die Initiative der Nationalen Versorgungskonferenz Hautkrebs, getragen von verschiedenen dermatologischen Fachgesellschaften – ADO, DDG, BVDD, ADP – soll die Qualität der dermato-onkologischen Patientenversorgung kontinuierlich verbessert werden.“

Renommierte Experten stellen aktuelle Studiendaten zu den innovativen Immuntherapien vor, die vor wenigen Wochen beim weltweit größten Krebskongress ASCO in Chicago präsentiert wurden. Wie gelingt es, die körpereigene Immunabwehr drastisch zu steigern?

Prof. Berking: „Da auf dem diesjährigen ASCO-Kongress das Melanom wiederum ganz zentrales Thema war mit vielen neu präsentierten Studiendaten zu den Themen Lymphknotendissektion, mutationsbasierte zielgerichtete Therapie und Checkpoint-Inhibitor-Therapie, haben wir die neue Sitzung „ASCO Nachlese“ eingerichtet. Darüber hinaus wird der renommierte Immunonkologe Dr. Christian Blank auf einer Keynote lecture zu diesem Thema referieren. Es wird mehrere Satellitensymposien geben, auf denen die neuen Wirkprinzipien aufgegriffen werden. Der Trick bei den Checkpoint-Inhibitoren funktioniert über die Blockade von hemmenden Signalen auf das Immunsystem, speziell auf T-Zellen, die über den Tumor in einer Art Starre gehalten werden. Nach dem Prinzip „Minus plus Minus gleich Plus“ oder „Hemmung der Hemmung ergibt Aktivierung“ resultiert ein Wiedererwecken der körpereigenen Immunabwehr, in dem T-Zellen den Tumor wieder erkennen und abtöten können. Dieses Therapieprinzip funktioniert unabhängig vom BRAF-Mutationsstatus.“

Welche weiteren Highlights gibt es bei den renommierten internationalen Plenarrednern?

Prof. Berking: „Prof. David Fisher aus Harvard/ Boston ist einer der international renommiertesten Pigmentzellforscher. Er war noch nie in Deutschland und es freut mich besonders, dass er nach München kommen und einen wissenschaftlichen Vortrag halten wird.
Mit häufig zitierten, grundlegenden Publikationen über die Molekularpathologie des Melanoms hat sich der Dermatologe und Pathologe Prof. Boris Bastian, University of California, San Francisco, weltweit einen Namen gemacht. Er wird seine neuesten Forschungsdaten in einem Hauptvortrag vorstellen. Seine Arbeiten sind Basis für eine neue Klassifikation der Primärmelanome.“

Was sind die aktuellen Entwicklungen beim beruflichen Hautkrebs? Welche Präventions-maßnahmen zu UV-Schutzkomponenten für Außenbeschäftigte sollten eingesetzt werden?

Prof. Berking: „Die Anerkennung als Berufskrankheit hat den UV-assoziierten Hautkrebs auf eine neue Ebene gehoben. Nun müssen Arzt und Patient sensibilisiert werden, damit die tatsächlich Betroffenen gemeldet und begutachtet werden. Durch die neue Gesetzgebung werden die UV-Präventionsmaßnahmen sicherlich noch effektiver und flächendeckender umgesetzt werden. Dazu zählen die sachgemäße Verwendung von Sonnenschutzmitteln, das Tragen von textilem Schutz und das Hautkrebsscreening beim Betriebsarzt, Hausarzt oder Hautarzt.“

Ein weiterer wichtiger Tagungsschwerpunkt liegt in der Früherkennung. Was können erste Hautkrebs-Anzeichen sein? Ist auch der sogenannte „weiße Hautkrebs“ behandlungsbedürftig?

Prof. Berking:„Jede Veränderung eines bekannten Pigmentmals oder das Neuauftreten eines Fleckes oder Knotens auf der Haut, den man selbst nicht einordnen kann, sollte von einem Arzt begutachtet werden. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn die Stelle blutet oder merklich größer wird. Der weiße Hautkrebs kann einfach früh diagnostiziert und behandelt werden. Da man als Laie seine Hautveränderungen oft schwer einschätzen oder nicht selbst sehen kann, ist es ratsam, von den Hautkrebsscreening-Angeboten Gebrauch zu machen. Man verringert damit das Risiko, dass sich ein Hautkrebs größeren Ausmaßes entwickelt, der tief ins Gewebe eindringen und örtlich entstellende Defekte, aber auch im weiteren Verlauf Metastasen setzen kann. Die Vorstufen von hellem Hautkrebs, die als rötlich raue Flecken auftreten, können nur die Spitze des Eisberges darstellen. Es gibt heute neue technische Hilfsmittel zur Hautkrebsdiagnostik, die eine Biopsie ersetzen können. Dazu wird es einen eigenen Workshop mit ausgewiesenen Experten auf dem Gebiet der nicht-invasiven Diagnostik geben.“

Herzlichen Dank für das Interview!

Kerstin Aldenhoff


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