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Medizin

06. September 2018 „Achillesferse“ des anaplastischen großzelligen Lymphoms identifiziert

Anaplastische großzellige Lymphome (ALCL) sind seltene Krebserkrankungen der weißen Blutkörperchen. Neue Forschungsergebnisse des internationalen ERIA-Konsortiums haben gezeigt, dass für das Wachstum der Krebszellen verschiedener Formen von ALCL derselbe Signalweg essentiell ist: die Tyrosinkinase 2 (TYK2) verhindert den apoptotischen Zelltod, indem sie die Produktion des Mcl1-Proteins, das zur BCL2-Familie gehört, erhöht. Aufgrund seiner einzigartigen enzymatischen Zusammensetzung ist TYK2 ein interessantes therapeutisches Ziel, das TYK2-spezifische Inhibitoren als neue therapeutische Wirkstoffe zur Behandlung von ALCL vielversprechend macht.
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Die Behandlung von Krebs ist ein besonders fruchtbares Gebiet der personalisierten Medizin. Durch die stetige Verbesserung der Diagnosemethoden können Krebserkrankungen in immer kleinere Unterkategorien eingeteilt und so individuelle Behandlungsstrategien ermöglicht werden. Daher ist die molekulare Analyse von menschlichen Tumorproben ein Schwerpunkt der Krebsforschung geworden. Neue therapeutische Ziele werden identifiziert und in Tumormodellen validiert, um das klinische Management von Krebspatienten zu verbessern. Dies stellt Klinikärzte jedoch vor mehrere Herausforderungen, darunter eine zunehmend umfassende Diagnostik, sowie das Problem der adäquaten Verifizierung dieser Daten für kleinere Patientengruppen. Dies ist umso dringlicher bei seltenen Krebsarten wie ALCL, bei der die Anzahl der Patienten gering ist.

Nicole Prutsch und Olaf Merkel von der Medizinischen Universität Wien und ihre internationalen Kollegen haben mit TYK2 einen Akteur identifiziert, der bei allen Formen von ALCL vorkommt. TYK2 wird nicht nur bei allen ALCL-Patienten exprimiert, sondern erzeugt bei allen dieselbe anti-apoptotische Reaktion, die die Lymphomzellen am Leben erhält und so zum Tumorwachstum beiträgt.

TYK2 kann als „Achillesferse“ der Erkrankung betrachtet werden, da beide untersuchten ALCL-Typen auf ihre Aktivität angewiesen waren, um das essenzielle Signal zum Schutz vor dem Zelltod zu erhalten, erklärte Merkel. Die Abschwächung des TYK2-Signals in der Zellkultur führte zu einem schnellen Zelltod. Im ALCL-Mausmodell, bei dem TYK2 ausgeschaltet war, beobachteten die Forscher ein längeres Überleben der Labortiere.

Lukas Kenner von der Medizinischen Universität Wien und dem Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung und Mitbegründer der ERIA (Europäischen Forschungsinitiative für ALK-vermittelte Erkrankungen) hob die die mögliche therapeutische Bedeutung von TYK2-Inhibitoren bei ALCL hervor. „Wir freuen uns darauf, dass die TYK2-Inhibitoren, die derzeit zur Behandlung immunologischer Erkrankungen entwickelt werden, zukünftig zur Verfügung stehen, da wir für seltene Lymphome dringend eine bessere Behandlungsmöglichkeit benötigen", betonte er.

übers. von ma

Quelle: Medical University of Vienna


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