Donnerstag, 23. Januar 2020
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

12. November 2018 Zweitlinientherapie beim mCRC: Hohe Effektivität von Ramucirumab in verschiedenen Patienten-Subgruppen

Dank der Entwicklung innovativer Zytostatika und Biologika stehen Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom (mCRC) heute nach Versagen der Erstlinientherapie Folgetherapien zur Verfügung, sodass sich ihre Prognose in den letzten Jahrzehnten erheblich verbessert hat. So können bei Progress nach einer Bevacizumab-haltigen Erstlinientherapie mit Oxaliplatin und einem Fluoropyrimidin alternative antiangiogen wirksame Regime eingesetzt werden, mit denen eine Überlebensverlängerung erreicht werden kann. Das belegt die RAISE-Studie, in der Ramucirumab (Cyramza®) zusätzlich zum FOLFIRI-Regime progressionsfreies (PFS) und Gesamtüberleben (OS) signifikant verlängerte (1,2). Von der zusätzlichen Gabe des gegen den VEGF-Rezeptor 2 (VEGFR2) gerichteten monoklonalen Antikörpers können auch prognostisch ungünstige mCRC-Patienten profitieren, die bereits rasch nach Start der Erstlinientherapie progredient werden (3).
Die Effektivität einer gegen VEGF oder den VEGFR2 gerichteten Zweitlinientherapie beim mCRC ist heute gut belegt, verdeutlichte Prof. Dr. Gerald Prager, Wien, im Rahmen eines Lilly-Symposiums bei der DGHO-Jahrestagung 2018: Durch die antiangiogene Therapie in Kombination mit einer Chemotherapie wurden in 3 Studien konsistente Ergebnisse mit einer signifikanten Verlängerung von PFS und OS erreicht (2,4,5). So verglich die große Phase-III-Studie RAISE die zusätzliche Gabe von Ramucirumab zum FOLFIRI-Regime mit der alleinigen Chemotherapie bei 1.072 mit Bevacizumab, Oxaliplatin und Fluoropyrimidin vorbehandelten Patienten (2). Mit einer signifikanten Verlängerung des OS um  1,6 Monate erreichte die Studie ihren primären Endpunkt souverän: Nur mit FOLFIRI behandelte Patienten überlebten median 11,7 Monate, die zusätzlich mit Ramucirumab behandelten Teilnehmer dagegen 13,3 Monate, entsprechend einer Reduktion des Mortalitätsrisikos um relativ 16% (HR=0,84; p=0,0219). Von der Antikörper-Addition profitierten alle Subgruppen – unabhängig von Geschlecht, Alter, KRAS-Status, ECOG-Performance-Status, Zahl der Metastasenlokalisationen, Spiegel des Tumormarkers CEA und Lage des Primärtumors in Kolon oder Rektum. Das PFS wurde gegenüber FOLFIRI allein ebenfalls signifikant um 1,2 Monate verlängert (5,7 vs. 4,5; HR=0,79; p=0,0005). Auch die Lokalisation des Primärtumors im rechten oder linken Kolon ist für die Effektivität von Ramucirumab unerheblich (3). „Damit liefert RAISE konsistente Effektivitätsdaten zur Ramucirumab-basierten Therapie für unterschiedliche Patientenkollektive“, betonte Prager.  

In nationalen und internationalen Leitlinien empfohlen

Das Anti-VEGF(R)-Konzept hat sich nach den Worten von Prager in der Zweitlinientherapie des mCRC eindeutig bewährt. Entsprechend wurde die Behandlung mit einem Angiogenesehemmer wie Ramucirumab zusätzlich zum FOLFIRI-Regime bei Patienten nach Versagen einer Erstlinientherapie mit Bevacizumab und Oxaliplatin mit dem höchstmöglichen Evidenz- und Empfehlungsgrad in die ESMO Consensus Guidelines aufgenommen (I, A) (6). „Es handelt sich um eine sehr starke Empfehlung der ESMO“, kommentierte der Experte. Auch weitere wichtige Fachgesellschaften sprechen sich für die Ramucirumab-basierte Zweitlinientherapie aus: So die NCCN-Guidelines zum Kolorektalkarzinom, die Ramucirumab in Kombination mit FOLFIRI als Option für die Zweitlinientherapie bei mCRC-Patienten mit Tumorprogress empfehlen (2 A) (7). Ähnlich äußert sich auch die Onkopedia-Leitlinie der DGHO (8).

Patienten mit kurzem progressionsfreiem Intervall, d.h. Progress bereits unter oder kurz nach Ende der Erstlinientherapie, haben generell eine ungünstige Prognose, gab Prof. Dr. Michael Stahl, Essen, zu bedenken. Dass auch diese als „rapid progressors“ klassifizierten Patienten von der Ramucirumab-basierten Zweitlinientherapie profitieren, zeigt eine Subgruppenanalyse der RAISE-Studie (3). Ausgewertet wurden 254 Teilnehmer, die innerhalb von weniger als 6 Monaten nach Beginn der Bevacizumab-haltigen Erstlinientherapiea einen Progress erlitten. Sie überlebten bei alleiniger Chemotherapie mit dem FOLFIRI-Regime median nur 8,0 Monate und damit 4,5 Monate kürzer als Patienten mit späterem Progress (≥ 6 Monate nach Beginn der Firstline-Therapie). Beide Gruppen hatten jedoch mit einer relativen Reduktion des Sterberisikos um 14% einen vergleichbaren Nutzen von der Ramucirumab-Addition: Bei den „rapid progressors“ verlängerte sich das OS durch den Antikörper auf 10,4 Monate (HR=0,86), im restlichen Kollektiv von 12,5 Monaten mit FOLFIRI allein auf 14,3 Monate (HR=0,86). Auch das PFS wurde bei den rasch progredienten Patienten des Ramucirumab-Arms erheblich verlängert (5,2 vs. 2,9 Monate; HR=0,68; p=0,0042). Laut ESMO-Leitlinien sollte daher bei „rapid progressors“ unter Bevacizumab-haltiger Erstlinientherapie auf Basis dieser und weiterer Daten eine Therapie z.B. mit Ramucirumab in Kombination mit FOLFIRI erwogen werden (II, B) (6).  

Breites Wirkspektrum

Die hohe Wirksamkeit von Ramucirumab zusätzlich zu FOLFIRI nach Bevacizumab-basierter Vortherapie mit Oxaliplatin und einem Fluoropyrimidin kann mit seinem Wirkmechanismus erklärt werden: Ramucirumab ist der einzige antiangiogene Antikörper, der gegen den VEGF-Rezeptor 2 gerichtet ist. Im Gegensatz zu Bevacizumab neutralisiert er daher nicht nur den Liganden VEGF-A, sondern blockiert auch die Bindung von VEGF-C und VEGF-D an den Rezeptor (9). Somit wird eine komplettere Inhibition der proangiogenen Signalkaskaden und eine stärkere Proliferationshemmung ermöglicht.

Quelle: Lilly

Literatur:

(1) Fachinformation Cyramza®, Stand Januar 2016.
(2) Tabernero J et al. Lancet Oncol 2015;16:499-508.
(3) Obermannová R et al. Ann Oncol 2016;27:2082-2090.
(4) Bennouna J et al. Lancet Oncol 2013;14:19-37.
(5) Van Cutsem E et al. J Clin Oncol 2012;30:3499-3508.
(6) Van Cutsem E et al. Ann Oncol 2016;27:1386-1422.
(7) https://www.nccn.org/professionals/physician__gls/default.aspx.
(8) https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/kolonkarzinom.
(9) Clarke JM et al. Cancer Treat Rev 2014;40:1065-1072.


Das könnte Sie auch interessieren

Individualisierte Schmerztherapie

Individualisierte Schmerztherapie
© Dan Race / Fotolia.com

Schmerz ist eine komplexe Empfindung. Der menschliche Körper besitzt ein weitverzweigtes Netzwerk aus Schmerzrezeptoren und Schmerzleitungen.  Schmerzen können bei Krebserkrankungen durch das Wachstum eines Tumors oder auch durch unerwünschte Begleiterscheinungen von Therapien verursacht werden.  Um das Schmerzerleben adäquat behandeln zu können, ist es notwendig, eine individuelle Schmerztherapie durchzuführen. Die Mitarbeit der Betroffenen ist dabei...

Kostenlose Kosmetikseminare “look good feel better“ für Krebspatientinnen

Kostenlose Kosmetikseminare “look good feel better“ für Krebspatientinnen
© Carolin Lauer (carolinlauer.de)

Ganz unverhofft trifft die damals 30jährige Cristina aus Hannover die Diagnose Krebs. Erst dachte sie an einen schlechten Scherz, als sie den Anruf von ihrem Arzt erhielt und dann zog ihr die Nachricht den Boden unter den Füßen weg. Mit der Chemotherapie kamen der Verlust der Haare, Augenbrauen und Wimpern und damit auch teilweise unangenehme Situationen: „Selbst als ich noch Stoppeln auf dem Kopf hatte, haben mich sofort alle angestarrt. Teilweise getuschelt oder den...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Zweitlinientherapie beim mCRC: Hohe Effektivität von Ramucirumab in verschiedenen Patienten-Subgruppen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASH 2019
  • Erhöhte Knochendichte ist ein ungünstiger prognostischer Faktor bei aggressiver systemischer Mastozytose
  • Neue ITP-Leitlinien der ASH unterstreichen die Bedeutung von Thrombopoetinrezeptor-Agonisten für die Zweitlinientherapie der ITP
  • Registerdaten aus dem klinischen Alltag zur CAR-T-Zell-Therapie bei DLBCL-Patienten
  • CML: Real-world-Daten zeigen besseres zytogenetisches und molekulares Ansprechen durch Zweitgenerations-TKI
  • Polycythaemia Vera: Post-hoc-Analyse des Langzeitansprechens auf Ruxolitinib
  • Transfusionspflichtige Myelodysplastische Syndrome: Ansprechen auf Eisenchelation geht im klinischen Alltag mit Überlebensverbesserung einher
  • Fortgeschrittene systemische Mastozytose: Verhältnis von RNA- und DNA-basierten quantitativen KIT D816V-Mutationsanalysen prognostisch relevant
  • Ruxolitinib moduliert Mikroenvironment des Knochenmarks bei der Myelofibrose
  • CML: TIGER-Studie bestätigt tiefes und anhaltendes molekulares Ansprechen unter Nilotinib-basierter Therapie
  • Sichelzellanämie: Reduktion schmerzhafter vaso-okklusiver Krisen verringert Organschädigungen und verbessert Lebensqualität