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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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27. Juni 2018

Zeitalter der Digitalisierung: Beispiele aus der Medizin

Die Begriffe eHealth, Big Data, Elektronische Patientenakte und Robotik sind aktuell in den Medien sehr präsent. Beim 41. Fachpresse-Workshop der POMME-med GmbH in München gab Dr. Friedrich Overkamp, Hamburg, einen Überblick über das Thema Digitalisierung in der Medizin und stellte Beispiele aus den wichtigsten Themenfeldern der Digitalisierung im Gesundheitswesen vor.
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Da sind zum einen die Wireless Sensors, also Messgeräte ohne Kabel, zu nennen. Mit den Fitness Trackern gelang der spielerische Einstieg im Sport, inzwischen gibt es auch erste Anwendungen im Bereich der Medizin, z.B. in der Diabetologie. Google und Novartis entwickelten zusammen die erste smarte Kontaktlinse (1), die den Zuckergehalt der Tränenflüssigkeit messen kann, der sehr gut mit dem Blutzuckerspiegel korreliert. Der Messwert wird drahtlos an eine App übermittelt, die eine implantierte Insulinpumpe steuert.
 
Die smarte Tablette Abilify MyCite® (Aripiprazol) von Otsuka Pharmaceutical (2) ist die erste Tablette, die meldet, wenn sie im Magen angekommen ist. Bei diesem Psychopharmakon für Patienten mit katatoner Schizophrenie ist die exakte Einnahme immer zur gleichen Zeit wichtig. In die Tablette eingebaut ist ein Sensorfaden, der ein elektrisches Signal auslöst, wenn er mit Magensäure in Kontakt kommt. Eine App warnt, wenn das Signal ausbleibt und erinnert den Patienten so an die Einnahme. Dieses Medikament ist in den USA bereits im Handel. Ebenfalls erhältlich ist das erste drahtlose EKG-Gerät AliveCor Kardia Mobile ECG Heart Monitor (3). Man muss nur 2 Finger auf einen Sensor legen und die Daten werden auf ein Smartphone oder eine EKG-Watch übertragen. Auch ein kleines Blutbildanalysegerät für zu Hause wurde bereits entwickelt, das die Anzahl an weißen und roten Blutkörperchen und Plättchen an eine App sendet (4).
 
Neben den smarten Anwendungen wird die Telemedizin in Zukunft Routine werden, die in der Schweiz und England schon wesentlich weiter fortgeschritten ist als in Deutschland. In England erfolgt jeder 7. Arzt-Patienten-Kontakt bereits online und in der Schweiz konnten Kassenbeiträge gesenkt werden, weil man durch Online-Kontakte eine viel effizientere Versorgung betreiben kann, berichtete Overkamp.
 
Neben der Fernbehandlung ist die Robotik ein weiteres Beispiel für Telemedizin. In der Gynäkologie und Urologie werden schon relativ viele Roboter-assoziierte OPs durchgeführt, z.B. mit dem Da-Vinci-Operationssystem. Auch in der Dermatologie sieht Overkamp großes Potential für die Telemedizin, da 90% aller Hautkrankheiten durch Betrachten eines digitalen Bildes diagnostiziert werden können. Derzeit läuft ein Projekt an der Universitätsklinik in Nairobi, Kenia. Dort ist die Inzidenz an Hauterkrankungen hoch, es gibt jedoch nur wenige Dermatologen, und fast jeder Kenianer besitzt ein Smartphone.
 
Als Beispiel für eine digitale Therapie nannte Overkamp die Brille 3D-ARILE, die für die Detektion von Mikrometastasen bei malignen Melanomen vom Frauenhofer Institut für graphische Datenverarbeitung Darmstadt in Kooperation mit der Dermatologie der Universitätsklink Essen und Triviso Prototyping entwickelt wurde. Als erste „App auf Rezept“ stellte er Tinnitracks (5) vor, welche die eigene Lieblingsmusik zur individuellen Therapie von Ohrgeräuschen nutzt. Die App filtert in den hochgeladenen Lieblingsliedern die pathologische Frequenz, die von einem Hörakustiker oder HNO-Arzt gemessen und in die App eingeben wurde, heraus. Hört man nun mehrere Monate lang die gefiltert Musik, gewöhnt sich das Gehirn daran, die pathologische Frequenz im Alltag immer weniger zu hören, wodurch die Lebensqualität der betroffenen Patienten enorm steigt.
 
Big Data ist ein weiteres wichtiges Themenfeld, gerade in der Onkologie, denn molekulare Präzision und digitale Prävention werden immer bedeutsamer. Im Vergleich zu einem Computer schnitten Pathologen bei der Entdeckung von Mikrometastasen in Lymphknoten von Frauen mit Mammakarzinom schlechter ab (6). Der Computer-Algorithmus lernte sehr schnell und machte keine Fehler, wohingegen die Fehlerquote der Pathologen bei ca. 5-8% lag. Ein weiteres Beispiel sind molekulare Datenbanken, die immer mehr über molekulare Subgruppen aussagen. Dazu läuft das CRISP-Programm zum NSCLC (siehe auch: www.journalonko.de/artikel/anzeigen/22620) oder die Pregnant-Studie zum Mammakarzinom. Big Data soll auch für Vorhersagen genutzt werden, z.B. für die Identifizierung von Risikofaktoren/-gruppen. Intelligente Algorithmen können außerdem zur Prävention beitragen, indem sie die Ausbreitung von Krankheiten vorhersagen und als Frühwarnsystem für Infektionskrankheiten wie z.B. Dengue Fieber dienen, dadurch dass die Eingaben in Suchmaschinen wie Google analysiert werden (7), wodurch fast in Echtzeit Warnhinweise zum Ausbruch von Seuchen gegeben werden können. Die App ada (8) sei die erste App, die dazulernt, während man sie verwendet, so Overkamp. Diese Gesundheitshelferin stellt gezielte Fragen zu Symptomen und gelangt so am Ende zu einer Diagnose. Außerdem wird angezeigt, wie viele Personen in der Umgebung die gleichen Symptome haben. Laut Overkamp sei die App ein faszinierendes Anamnese-Tool.
 
Beim sog. digitalen Follow-up werden Nachsorge und Therapie online gesteuert. Dazu wurden beim ASCO 2017 (9) in der Plenary Session die Ergebnisse zur Nutzung eines Online-Tools für die Meldung von Symptomen vorgestellt. Die Krebspatienten im Kontroll-Arm erhielten ein klassisches Follow-up mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beim Arzt, die web-basierte Gruppe erhielt 1x pro Woche eine Erinnerungsmail, sich auf einem Webportal einzuloggen und Fragen nach Symptomen zu beantworten. Sie wurden nur einbestellt, wenn bei der Online-Befragung etwas auffällig war, z.B. Gewichtsabnahme, neu aufgetretene Symptome etc. Die Patienten der Self-reporting-Gruppe hatten eine bessere Lebensqualität, brauchten seltener Notfallmedikationen und hatten überraschenderweise einen Überlebensvorteil von median 5 Monaten (31,2 vs. 26 Monate, p=0,02).
 
Ein weiteres Themenfeld ist die digitale Wissensvermittlung, denn Apps als „education tools“ (z.B. onkowissen.de) etablieren sich zunehmend im Alltag. Die Supportivtherapie-App bietet Ärzten einen schnellen, einfachen und aktuellen Zugang zu umfangreichen Informationen inkl. Primärliteratur zu Nebenwirkungen wie Diarrhoe, Febriler Neutropenie, Hämatotoxizität, Nausea und Emesis sowie zu verfügbaren Supportiva. Neben Wissen und Theorie werden auch Prophylaxe und Therapieoptionen vorgestellt (siehe auch: www.therapiealgorithmen.de).
 
In einem zweiten Vortrag stellte Overkamp ein innovatives Applikationssystem für Pegfilgrastim vor, das Neulasta®onpro®-Kit mit On-Body-Injektor (OBI). Da der Zeitpunkt der Anwendung von Granulozyten-koloniestimulierenden Faktoren (G-CSF) für die optimale Wirkung entscheidend ist, erleichtert der OBI die Applikation im optimalen Zeitfenster, das ab 24 Stunden nach einer myelosuppressiven Chemotherapie beginnt, durch die automatische Injektion. Der OBI, ein kleiner, leichter, Batterie-betriebener, wasserfester Einweginjektor, wird unmittelbar nach einer myelosuppressiven Chemotherapie gefüllt und am hinteren Oberarm oder Bauch aufgeklebt, was einen zusätzlichen Therapiekomfort für die Patienten bietet, da sie nicht wie bisher am Tag nach der Chemotherapie eine Selbstinjektion durchführen oder die Praxis erneut aufsuchen müssen, um die Injektion dort vornehmen zu lassen. Wirksamkeit und Verträglichkeit wurde in Studien untersucht und als gleichwertig zur manuellen Injektion bewertet (10). Bei der Verwendung des OBI traten keine klinisch relevanten unerwünschten Wirkungen auf. Es kam lediglich zu lokalen Reaktionen durch das Medizinprodukt und zu Blutungen an der Einstichstelle bei einer Studie mit gesunden Probanden, die eine Placebo-Lösung erhielten (11). Mit der Anwendung des OBI waren bei einer Patientenumfrage in einem ambulanten Zentrum in den USA 75% der Pateinten sehr zufrieden (12). Nur bei 7 von 104 Dosisgaben traten Probleme wie Hautirritation/Rötung auf oder der OBI war undicht oder lockerte sich. Es ergab sich außerdem keine Beeinträchtigung der Effizienz der Pflegekräfte durch Aufklärung der Patienten und Anbringung des OBI, sondern der OBI schaffte mehr freie Kapazitäten für andere Patientenleistungen, da keine weiteren Termine für die Injektion nötig waren. „Der OBI macht das Leben einfach leichter“, so Overkamps Fazit.  

um
Quelle: 41. Münchner Fachpresse-Workshop 12.04.2018, München; Veranstalter: POMME-med GmbH, gemeinsame Sponsoren: AMGEN GmbH, RIEMSER Pharma GmbH, TESARO Bio Germany GmbH
Literatur:
(1) Park J et al. Sci Adv 2018;4(1):eaap9841.    
(2) www.abilifymycite.com
(3) www.alivecor.com
(4) www.athelas.com
(5) www.tinnitracks.com
(6) Ehteshami Bejnordi B et al. JAMA 2017;318(22):2199-2210.
(7) Yang S et al. PLoS Comput Biol 2017;13(7):e1005607.
(8) www.ada.com
(9) Basch EM et al. J Clin Oncol 2017;35(suppl; abstr LBA2)
(10) Yang BB et al. Cancer Chemother Pharmacol 2015; 75(6):1199-206.
(11) Joshi RS et al. Curr Med Res Opin 2017;33(2):379-384.
(12) Mahler LJ et al. Clin J Oncol Nurs 2017;21(1):121-122.
 
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