Mittwoch, 19. Juni 2019
Navigation öffnen

Medizin

20. Dezember 2017 Vielfalt an moDCs könnte unterschiedliches Ansprechen auf Immuntherapie erklären

Wenn das Immunsystem seine Truppen mobilisiert, übernehmen Antigen-präsentierende Zellen eine wichtige Rolle. Sie können aus weißen Monozyten hervorgehen, die im Blut zirkulieren. Ein internationales Forscherteam unter Federführung der Universität Bonn hat diese wichtigen Helfer nun genauer untersucht. Dabei zeigte sich, dass es sich bei den von Monozyten abgeleiteten Zellen nicht um identische Abkömmlinge, sondern um ein sehr vielseitiges Gemisch handelt. Diese Erkenntnis ist wichtig für die Weiterentwicklung von maßgeschneiderten Immuntherapien zur Bekämpfung von Tumorzellen.
Anzeige:
Seit mehr als 2 Jahrzehnten werden von Monozyten abgeleitete dendritische Zellen (moDC) aus dem Blut von Patienten für die Immuntherapie zur Behandlung etwa von Melanomen, Lungen- oder Darmkrebs gewonnen. Man war davon ausgegangen, dass diese therapeutisch genutzten Zellen gleich dendritischen Zellen sind. Dendritische Zellen sind als die potentesten Antigen-präsentierenden Zellen bekannt geworden. Sie erkennen fremde Strukturen von Eindringlingen, nehmen sie auf und präsentieren sie weiteren Immunzellen, um die spezifische Abwehr zu verstärken.

Immuntherapie wirkt nur bei einem Bruchteil der Patienten

„Nur ein kleiner Teil der Patienten spricht auf die Therapie mit moDc an, während bei der großen Mehrheit keine große Wirkung zu verzeichnen ist“, sagt Dr. Andreas Schlitzer, Emmy-Noether-Gruppenleiter am Life and Medical Sciences (LIMES) Institut der Universität Bonn. Mit modernsten High-Tech-Methoden untersuchten Prof. Dr. Joachim Schultze und Dr. Schlitzer zusammen mit ihren Kollegen vom LIMES-Institut, vom Institut für Angeborene Immunität des Universitätsklinikums Bonn, vom Exzellenzcluster ImmunoSensation der Universität Bonn, von der Stanford University (USA) und vom Singapore Immunology Network (Singapur) die Eigenschaften dieser speziellen Zellen.

Aus menschlichem Blut gewannen die Wissenschaftler Monozyten, die sie in ganz unterschiedliche Antigen-präsentierende Zellen verwandelten und mit modernsten Methoden analysierten. Wie ist es um die Aktivität der unterschiedlichen Gene der verschiedenen moDC bestellt? Wie ist ihr Stoffwechsel? Auf welche Botenstoffe und Stimulanzien reagieren sie? Dabei zeigte sich, dass moDC ganz unterschiedliche Gesichter haben.

„Mit Hilfe neuester computergestützter Modelle konnten wir zeigen, dass sich moDC von dendritischen Zellen unterscheiden und ein Gemisch von Zellen mit ganz verschiedenen Eigenschaften und Funktionen darstellen“, stellt Erstautorin Jil Sander vom LIMES-Institut fest. „MoDC verfügen über eine außerordentliche Anpassungsfähigkeit, um auf Krankheitserreger, Tumorzellen oder körpereigene Gefahrensignale angemessen zu reagieren. Diese Fähigkeit wird durch eine gezielte Genregulation ermöglicht“, fügt die zweite Erstautorin Dr. Susanne V. Schmidt vom Institut für Angeborene Immunität des Bonner Universitätsklinikums hinzu. Am ehesten ähneln sie Immunzellen, die bei Entzündungen auftreten.

Die große Vielfalt unterschiedlicher moDC könnte erklären, warum moDCs nur bei einigen Patienten das Immunsystem gegen die Tumorzellen aktivieren. „Unsere Resultate sind die Grundlage dafür, die moDCs für die Patienten maßzuschneidern und dadurch die Krebs-Immuntherapie entscheidend zu verbessern“, sagt Prof. Schultze vom LIMES-Institut.

Zeitlicher Aspekt ist entscheidend für die Zelldifferenzierung

Darüber hinaus erzielte das Forscherteam für die Grundlagenforschung wichtige Ergebnisse. „Was bislang weitgehend bei der Differenzierung von Monozyten unbeachtet blieb, ist der zeitliche Aspekt“, sagt Dr. Schlitzer. Ein und dieselbe Substanz – wie zum Beispiel Interleukin 4 – könne zu ganz unterschiedlichen moDCs führen, je nachdem wie lang der Stoff auf die Zellen einwirkte. Die Forscher sind sich einig, dass das Potenzial der aus Monozyten abgeleiteten dendritischen Zellen unterschätzt wird.

Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Literatur:

Jil Sander et al.
Cellular differentiation of human monocytes is regulated by time-dependent IL4 signalling and NCOR2
Immunity, DOI: 10.1016/j.immuni.2017.11.024


Das könnte Sie auch interessieren

Seltene Krebsarten – Stiefkind der Krebsforschung?

Seltene Krebsarten – Stiefkind der Krebsforschung?
© Darren Baker / Fotolia.com

Eine seltene Krebsart bringt nicht nur Patienten, sondern auch Ärzte an ihre Grenzen. Dabei sind seltene Krebsarten gar nicht so selten wie die Bezeichnung vermuten lässt. Rund 100.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an einer solchen Krebserkrankung. Im aktuellen Monatsthema stellt das ONKO-Internetportal die wichtigsten seltenen Krebsarten, die damit verbundenen Herausforderungen bei der Therapie sowie Initiativen für betroffene Patienten vor.

11. Krebsaktionstag: Austausch zu Alltagsfragen

11. Krebsaktionstag: Austausch zu Alltagsfragen
Universitätsklinikum Ulm

Senkt Sport das Rückfallrisiko bei Krebs? Welcher Badeanzug steht mir nach der Brustamputation? Wie ernähre ich mich so, dass ich fit bleibe? Um diese und weitere Fragen dreht sich der 11. Krebsaktionstag der Medizinisch-Onkologischen Tagesklinik (MOT) der Klinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Ulm. Krebspatient*innen, Angehörige und Interessierte sind am Freitag, den 14.09.2018 herzlich eingeladen, sich von 10.00 bis 16.30 Uhr bei kostenfreien Vorträgen...

Aktionswoche zur Aufklärung über Kopf-Hals-Krebs

Aktionswoche zur Aufklärung über Kopf-Hals-Krebs
© Merck Serono

Merck, ein führendes Wissenschafts- und Technologieunternehmen, hat heute bekannt gegeben, dass es sich auch in diesem Jahr an der Aktionswoche zu Kopf-Hals-Krebs beteiligt. Diese wird zum vierten Mal von der Europäischen Kopf-Hals-Gesellschaft (engl.: European Head and Neck Society, EHNS) initiiert und findet vom 19. bis 23. September 2016 statt. Im Rahmen der europaweiten Aktivitäten veranstalten mehrere deutsche Kliniken und Kopf-Hals-Zentren Patiententage und bieten...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Vielfalt an moDCs könnte unterschiedliches Ansprechen auf Immuntherapie erklären"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich