Samstag, 24. August 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

Medizin

11. Juli 2018 Verlust von Zellhärchen führt zu Melanom

Fast alle Zellen im menschlichen Körper besitzen eine Zilie, einen dünnen Zellfortsatz, der wie eine Antenne Signale aus der Umwelt an die Zelle weiterleitet. Forschende der Universität Zürich zeigen nun, dass diese Sinneshärchen eine zentrale Rolle bei der Entstehung von schwarzem Hautkrebs spielen. Wird ihre Bildung in gutartigen Pigmentzellen unterdrückt, entarten die Zellen und entwickeln ein aggressives Melanom.
Anzeige:
Der schwarze Hautkrebs ist eine der aggressivsten Tumorarten beim Menschen. Trotz erstaunlicher Erfolge mit neuen Behandlungen wie Immunotherapien gibt es immer noch viele Melanompatienten, die nicht geheilt werden können oder bei denen nach einer erfolgreichen Therapie die Krebserkrankung mit der Zeit wieder ausbricht. Um neuartige Therapieansätze zu entwickeln, ist ein vertieftes Verständnis der Tumorbiologie unabdingbar. Im Zentrum steht die Frage, welche Veränderungen in einer gutartigen Zelle dazu führen, dass ein bösartiger Tumor entsteht.
 
Melanombildung und -ausbreitung wird auch epigenetisch gesteuert
 
Ein Forscherteam unter der Leitung von Lukas Sommer, Professor am Anatomischen Institut der Universität Zürich, konnte nun zeigen, dass neben genetischen Ursachen wie Mutationen im Erbgut auch epigenetische Faktoren für die Entstehung und Ausbreitung eines Melanoms verantwortlich sind. Epigenetische Faktoren beeinflussen die Gensequenz nicht direkt, sondern regulieren wie effizient bestimmte Gene in den Zellen abgelesen werden. Die UZH-Forschenden konzentrierten sich auf das Eiweiß EZH2, das – im Gegensatz zu gutartigen Zellen – sehr häufig in Melanomzellen zu finden und wesentlich an der Melanombildung beteiligt ist.
 

EZH2 unterdrückt Bildung von Zilien und führt zu Metastasen
 
Um herauszufinden, wie der epigenetische Faktor zur Aggressivität des Melanoms beiträgt, untersuchten die Wissenschaftler alle Gene, die durch EZH2 gesteuert werden. „Wir waren sehr überrascht, dass wir viele Gene gefunden haben, die für die Bildung von Zilien mitverantwortlich sind", sagt Studienleiter Sommer. Offenbar werden die Ziliengene von EZH2 unterdrückt, so dass bösartige Melanomzellen viel weniger dieser Sinneshärchen besitzen als gutartige Pigmentzellen der Haut. Mithilfe von menschlichen Melanomzellen und Mausmodellen gelang den Forschenden der Nachweis, dass der Zilienverlust in den Pigmentzellen krebsauslösende Signalwege aktiviert, was schließlich zur Entstehung aggressiver, metastasierender Melanome führt.
 
Ansatz für neue Tumortherapien
 
Dass die Zellen ihre Zilien verlieren, ist ein Kennzeichen für viele Krebsarten. „Die epigenetische Steuerung der Zilienbildung, die wir nun beim Melanom entdeckt haben, dürfte auch für die Entstehung von anderen Krebsarten wie Brust- und Hirntumore relevant sein", erläutert Lukas Sommer. Medikamente, die EZH2 blockieren, dürften eine vielversprechende Strategie zur Behandlung von Melanomen sein, möglicherweise in Kombination mit Immunotherapien, so Sommer.

Quelle: Universität Zürich

Literatur:

Daniel Zingg, Julien Debbache, Rodrigo Peña-Hernández et al. EZH2-mediated primary cilium deconstruction drives metastatic melanoma formation. Cancer Cell, June 28, 2018. DOI: 10.1016/j.ccell.2018.06.001


Das könnte Sie auch interessieren

World Blood Cancer Day 2017: Mehr Lebenschancen durch nachhaltige Aufklärung

World Blood Cancer Day 2017: Mehr Lebenschancen durch nachhaltige Aufklärung
© DKMS gemeinnützige Gesellschaft mbH

in diesem Jahr liegt der Fokus des jährlichen World Blood Cancer Day (WBCD) am 28. Mai auf nachhaltiger Bildung rund um das Thema Blutkrebs. Darüber hinaus wird gemeinsam mit Helfern, Gruppen und Organisationen weltweit im Rahmen des jährlichen Aufmerksamkeitstags Solidarität mit Patienten demonstriert. Die DKMS appelliert: Macht alle mit! Jeder kann sich am WBCD beteiligen und so den Kampf gegen Blutkrebs voranbringen.

Biologie der Tumore besser verstehen, Fortschritte auch bei eher seltenen Krebserkrankungen

Fortschritte wurden in den vergangenen Jahren vor allem beim Brustkrebs, Darm- und Lungenkrebs und insbesondere bei den Lymphomen gemacht. Nun richtet sich das Augenmerk der Forscher verstärkt auf seltenere Tumore. Auch bei diesen mehren sich Berichte über Therapiefortschritte. Ein Paradebeispiel ist das maligne Melanom, der schwarze Hautkrebs. Das wurde bei dem diesjährigen weltgrößten Krebskongress in Chicago, dem ASCO, deutlich. "Wir stehen damit vor einer...

Bewegungstherapie bei Krebs

Bewegungstherapie bei Krebs
© Fotolia / Kzenon

Körperliche Aktivität kann helfen, das Risiko an Krebs zu erkranken, zu minimieren. Ein regelmäßiges Bewegungstraining trägt aber auch dazu bei, die Begleiterscheinungen einer Krebserkrankung sowie der Therapie besser zu überstehen. Neue Studien zeigen, wie bedeutsam regelmäßige Bewegung für das körperliche und seelische Wohlbefinden, nicht nur von Krebspatienten, ist. Was passiert jedoch in unserem Körper, wenn wir Sport treiben, und warum...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Verlust von Zellhärchen führt zu Melanom"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich