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Medizin

09. Mai 2018 Update S3-Leitlinie Prostatakarzinom: Abirateronacetat beim mHSPC* empfohlen

In die kürzlich aktualisierte S3-Leitlinie zur Diagnose und Therapie des Prostatakarzinoms ist Abirateronacetat (Zytiga®) von Janssen plus Prednison/Prednisolon in Kombination mit einer Androgendeprivationstherapie (ADT) als Therapieoption für Männer mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakarzinom* (mHSPC) aufgenommen worden.
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Fachinformation
Nachdem sich Abirateronacetat plus Prednison/Prednisolon (Abirateron/P) jahrelang in der Therapie des metastasierten Prostatakarzinoms im späteren, kastrationsresistenten Stadium etabliert hatte, wird es seit 2017 auch für das frühere, d.h. das metastasierte hormonsensitive Stadium empfohlen (1,2). Diese Empfehlung war im letzten Jahr bereits in die Leitlinien der European Association of Urology (EAU) und der European Society for Medical Oncology (ESMO) aufgenommen worden (1,2). Im April diesen Jahres erfolgte die entsprechende Aktualisierung der deutschen S3-Leitlinie (3). Demnach wird inzwischen in allen drei Leitlinien in der Therapie des mHSPC* nicht mehr nur eine Kombination aus Docetaxelƚ mit Prednison/Prednisolon (Docetaxel/P) und ADT, sondern ebenfalls eine Kombination aus Abirateron/P und ADT empfohlen (1,2,3).
 
LATITUDE: Signifikante Überlegenheit von Abirateron/P vs. ADT-Monotherapie
 
Abirateron/P hatte Ende 2017 die Indikationserweiterung in der EU für dieses Einsatzgebiet erhalten. Sie basiert auf der Studie LATITUDE (4). In dieser schnitt Abirateron/P plus ADT bereits in der ersten Interimsanalyse, die aufgrund des positiven Ergebnisses zur Entblindung der Studie führte, bei beiden koprimären Endpunkten – dem Gesamtüberleben (OS) und dem radiographisch progressionsfreien Überleben (rPFS) – signifikant besser ab als Placebos plus ADT. Das mediane OS war unter Abirateron/P plus ADT noch nicht erreicht, unter Placebos plus ADT lag es bei 34,7 Monaten (Hazard Ratio (HR) 0,62; p<0,001). Das mediane rPFS wurde unter Abirateron/P plus ADT auf 33,0 Monate verdoppelt (Placebos/ADT: 14,8 Monate; HR 0,47; p<0,001) (4).
 
In der multinationalen, doppelblinden Phase-III-Studie hatten 1.199 Patienten mit neu diagnostiziertem mHSPC randomisiert Abirateron/P oder Placebos – je plus ADT – erhalten (4). Ihre Diagnose musste innerhalb von drei Monaten vor Studieneinschluss gestellt worden sein. Zudem durften sie keine ADT oder diese höchstens für drei Monate vor Studienbeginn erhalten haben. Alle Männer hatten ein mHSPC mit Hochrisiko-Prognose, es mussten mindestens zwei der drei folgenden Faktoren zutreffen: Gleason-Score ≥ 8, ≥ 3 Knochenläsionen, ≥ 1 Viszeralmetastase.
 
Mögliche Hürden für die Chemohormontherapie im Alltag
 

Die beim mHSPC ebenfalls empfohlene Chemohormontherapie mit Docetaxel kann im Alltag durch eine Reihe von Hürden erschwert werden. Hierzu gehören u.a. das fortgeschrittene Alter, der schlechte Gesundheitszustand und der Wunsch der Patienten. In den Phase-III-Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit von Docetaxel/P plus ADT bei dieser Indikation waren u.a. teils schwere Toxizitäten, etwa Neuropathien und febrile Neutropenien, aufgetreten [5,6]. Zudem ist Docetaxel für diese Therapie nicht zugelassen. In der Zulassungsstudie für Abirateronacetat für das mHSPC standen die aufgrund des Wirkmechanismus zu erwartenden mineralkortikoiden Nebenwirkungen im Vordergrund (4).
 
Hinweise auf besseren Impact von Abirateron/P auf wichtige Endpunkte
 
Da direkte Vergleichsstudien zwischen Abirateron/P und Docetaxel/P beim Hochrisiko-mHSPC fehlen und die Wahl zwischen den beiden Therapien eine Herausforderung darstellt, wurden anhand einer speziellen statistischen Methode‡ zwei indirekte Vergleichsstudien vorgenommen, in die basierend auf einer Metaanalyse die verfügbaren Phase-III-Studien einflossen. Diese indirekten Vergleiche lieferten Hinweise darauf, dass mHSPC-Patienten, die ein hohes Risiko und/oder eine hohe Tumorlast haben, womöglich hinsichtlich der Verlängerung des OS und des rPFS sowie der Besserung des Schmerzes und der Lebensqualität von Abirateron/P plus ADT mehr profitieren könnten als von Docetaxel/P plus ADT (7, 8). Eine Therapieentscheidung muss jedoch stets individuell abhängig von Patientenvorlieben, Nebenwirkungen und Begleiterkrankungen getroffen werden.
 
* Zytiga® ist zugelassen zur Behandlung des neu diagnostizierten Hochrisiko-metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinoms (mHSPC) bei erwachsenen Männern in Kombination mit Androgenentzugstherapie (androgen deprivation therapy, ADT). Die Zulassung basiert auf der Studie LATITUDE, in der die Diagnose innerhalb von 3 Monaten vor Studieneinschluss erstellt worden sein musste und die Patienten vor Studienbeginn keine oder höchstens 3 Monate eine ADT erhalten haben durften. Zudem mussten mindestens 2 der 3 folgenden Risikofaktoren zutreffen: Gleason-Score ≥8, ≥3 Knochenläsionen, ≥1 Viszeralmetastase[n] (4).
 † Docetaxel ist für die Indikation mHSPC nicht zugelassen, wird aber in nationalen und internationalen Leitlinien (S3, ESMO, EAU) empfohlen. Hinsichtlich der Zulassung und des Einsatzes sind die Angaben in der aktuellen Fachinformation zu beachten.
‡ ‡ Bayes'sche Netzwerk-Metaanalyse
 

 

Quelle: Janssen

Literatur:

(1) Mottet N, et al. Updated Guidelines for Metastatic Hormone-sensitive Prostate Cancer: Abiraterone Acetate Combined with Castration Is Another Standard. Eur Urol (2017): http://www.europeanurology.com/article/S0302-2838(17)30839-4/fulltext; letzter Abruf: 18.1.2018
(2) Parker C, et al. eUpdate – Cancer of the Prostate Treatment Recommendations. Published: 28 September 2017: http://www.esmo.org/Guidelines/Genitourinary-Cancers/Cancer-of-the-Prostate/eUpdate-Treatment-Recommendation; letzter Abruf: 18.1.2018
(3) Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, Version 5.0, April 2018: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/043-022OL.html; letzter Abruf: 30.4.2018
(4) Fizazi K, et al. Abiraterone plus Prednisone in Metastatic, Castration-Sensitive Prostate Cancer. N Eng J Med. 2017;377:352-60
(5) Sweeney CJ, et al. Chemohormonal Therapy in Metastatic Hormone-Sensitive Prostate Cancer. N Engl J Med. 2015;373(8):737–46
(6) James ND, et al. Addition of docetaxel, zoledronic acid, or both to first-line long-term hormone therapy in prostate cancer (STAMPEDE): survival results from an adaptive, multiarm, multistage, platform randomised controlled trial. Lancet. 2016;387:1163-77
(7) Feyerabend S, et al. Indirect treatment comparison (ITC) of abiraterone acetate (AA) plus prednisone (P) and docetaxel (DOC) on patient-reported outcomes (PROs) in metastatic castration-naïve prostate cancer (mCNPC). 2018 Genitourinary Cancers Symposium: Abstr. 200 & Poster
(8) Feyerabend S, et al. Indirect treatment comparison of abiraterone acetate and docetaxel for treatment of metastatic “hormone-sensitive” prostate cancer. ESMO 2017 Congress: Abstr. 803P & Poster
 


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