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Medizin

21. März 2018 Umdenken bei der Behandlung Opioid-induzierter Obstipation

Der Einsatz neuer Medikamente zur Behandlung einer Opioid-induzierten Obstipation tritt immer mehr in den Vordergrund und dies nicht ohne Grund. Relevante Befragungen und Studienergebnisse lassen ein Umdenken als unvermeidbar erscheinen. PD Dr. med. Michael Überall, Nürnberg, PD Dr. med. Stefan Wirz, Bad Honnef und Dr. med. Jan-Peter Jansen, Berlin, legen bei den diesjährigen Schmerz- und Palliativtagen der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS)* zwingend dar, was hierbei relevant und tauglich für die Praxis ist.
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Kausale Behandlung mit Opioid-Rezeptor-Antagonisten

„Der Einsatz von Laxanzien für Opioid-Patienten ist letztlich fraglich“, stellt Überall fest, „zwar schreiben diesen die Leitlinien vor und daher sind wir auch noch daran gebunden, aber diese Empfehlungen beruhen nicht auf Evidenz, sondern auf Empirie.“

Im Rahmen einer Schmerztherapie kann es bei der Verwendung von Stufe II und Stufe III Medikamenten in vielen Fällen zu einer Obstipation kommen.   „Die Opioid-induzierte Obstipation (OIC) ist ein Sonderfall einer Nebenwirkung mit eigenständigem Krankheitsbild. Wirklich helfen können nur Opioid-Rezeptor-Antagonisten“, so Überall. Speziell Naloxegol (Moventig®) als PAMORA (Peripherally Acting Mu-Opioid Receptor Antagonist)  zeigt eine rasche und nachhaltige Linderung. Die meisten Patienten erzielen die erste Darmentleerung innerhalb eines Tages. Der Patientenwunsch, eine zusätzliche, komplette Darmentleerung pro Woche zu haben, geht für viele in Erfüllung (2). Zudem wird das rektale Pressen reduziert und die Stuhlkonsistenz verbessert. Es gab keine Beeinträchtigung der Schmerzkontrolle.  Die Verträglichkeit wurde in klinischen Studien von bis zu 52 Wochen Dauer als gut bewertet. Die Ergebnisse zeigen keinen klinisch relevanten Unterschied in Bezug auf Alter (>18 Jahre), Geschlecht, Gewicht und Opioid-Dosis.

Schmerzkontrolle ist nur sinnvoll in Verbindung mit Symptomkontrolle

Die OIC ist bei einer Opioid-Therapie weit verbreitet. Metaanalysen von Therapiestudien zeigen eine Inzidenz der OIC von bis zu 41%. In Beobachtungsstudien wurde diese sogar bis zu 81% festgestellt (2). Dabei können die Beschwerden bereits bei der Einleitung der Therapie auftreten und über die gesamte Dauer der Therapie bestehen (2). „Eine Schmerztherapie mit Opioiden ist daher letztlich eine Nutzen-Risiko-Abschätzung, die der behandelnde Arzt durchführen muss“, stellt Jansen als Konsequenz dieser Daten fest. Trotz der zum Teil äußerst belastenden Beschwerden bringen Patienten ihre Probleme mit dem Stuhlgang oft aus Scham nicht beim Arzt zur Sprache (1). Ein Drittel der Patienten gab an, die aus ihrer Opioid-Anwendung resultierenden Obstipationssymptome beim Arzt nicht angesprochen zu haben (3). Der behandelnde Arzt sollte daher aktiv auf seinen Patienten zugehen. Eine Reihe von praxistauglichen Hilfsmitteln machen es einfacher, den Stuhlgang und die Beschwerden zu erfassen: zum Beispiel die Bristol Stool Form Scale, der Bowel Function Index oder die Obstipationsskala nach Wirz (1).

Ein Praxis-Vorschlag zum Abbau von Hemmungen der Patienten im Patientengespräch von PD Dr. med. Stefan Wirz

„Lassen Sie den Patienten im Sprechzimmer einen Fragebogen ausfüllen, der Fragen zu allen möglichen Nebenwirkungen der Opioid-Therapie enthält. Sie erfahren auf diese Weise mehr und haben einen guten Anhaltspunkt für ein Anamnesegespräch.“

Quelle: Kyowa Kirin

Literatur:

(1) Storr M et al. Praxis Report 2017; 9: 1-12  
(2) Wirz S. Z Gastroenterol 2017; 55: 394-400
(3) Coyne et al. Clinicoecon Outcomes Res. 2014; 6: 269-81


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