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Medizin

14. Dezember 2017 Tumor-infiltrierende Lymphozyten sagen Heilungschancen bei Brustkrebs voraus

Wenn Immunzellen in den Tumor eindringen, gilt dies gemeinhin als gutes Zeichen, weil die körpereigene Abwehr gegen den Krebs vorzugehen scheint. Bei bestimmten Brustkrebsformen entscheiden Immunzellen, die tumorinfiltrierenden Lymphozyten (TILs), über die Überlebenschancen und sagen auch den Nutzen einer Chemotherapie voraus. Das zeigt die bisher größte Metastudie zum TIL-Gehalt von Wissenschaftlern des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) an der Charité – Universitätsmedizin Berlin in Zusammenarbeit mit der German Breast Group.
„Insbesondere bei schnell wachsenden Brusttumoren sind Immunzellen, die im Tumor nachweisbar sind, ein Zeichen für gute Heilungschancen, der Tumor ist dann für das Immunsystem sichtbar“, erklärt Carsten Denkert vom Institut für Pathologie der Charité, der zu den Brustkrebsspezialisten im DKTK gehört.

Denkert und seine Kollegen wollten wissen, wie zuverlässig der TIL-Gehalt als Biomarker für unterschiedliche Formen von Brustkrebs eingesetzt werden kann und welche Immunzelltypen dabei die entscheidenden Indikatoren sind. Dass es hier gravierende Unterschiede gibt, zeigte die bislang umfänglichste Untersuchung zum Immunzell-Gehalt bei Brustkrebs. Die Wissenschaftler und Ärzte analysierten den Anteil tumorinfiltrierender Immunzellen in 3.771 Gewebeproben von Patientinnen aus 6 klinischen Brustkrebsstudien. Alle Frauen erhielten vor der Operation eine Chemotherapie. Dass ein hoher TIL-Spiegel mit besserem Ansprechen auf die Therapie und guten Überlebenschancen einhergeht, konnte die Studie eindeutig bei Patientinnen mit dem triple-negativen und HER2-positiven Mammakarzinom zeigen. „In dieser Situation unterstützen sich die Chemotherapie und das Immunsystem gegenseitig, um den Tumor zu bekämpfen“, sagt Denkert.

Ganz anders verhält es sich jedoch beim luminalen Subtyp (hormonrezeptor-positiv/HER2-negativ), wie die Studie zeigte. Patientinnen mit dieser Brustkrebsform zeigten insgesamt niedrigere TIL-Werte und hier waren die TILs nicht mit einem verbesserten Überleben assoziiert. “Wir gehen deshalb davon aus, dass diesem Brustkrebstyp eine andere Immunreaktion zugrunde liegt und die Zusammensetzung der eindringenden Immunzellen anders ist“, fasst Denkert zusammen. Bei genauerem Hinschauen zeigte sich, dass vor allem Makrophagen, die zu den weißen Blutkörperchen gehören, im Tumor ein Zeichen für eine schlechte Prognose bei der luminalen Brustkrebsform sind. Ein hoher Anteil Antikörper-bildende B-Zellen korrelierte dagegen mit guten Überlebenschancen.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass der TIL-Gehalt bei einigen aggressiven Formen von Brustkrebs einen hohen prognostischen Wert hat, um vorhersagen zu können, welche Patientinnen von einer Chemotherapie profitieren“, betont Denkert. Um das Ansprechen weiter zu verbessern, werden aktuell Immuntherapien getestet, die das Immunsystem zusätzlich gegen den Tumor aktivieren sollen. So werden am DKTK Standort Berlin in Zusammenarbeit mit der German Breast Group Biomarker-Untersuchungen in der klinischen Studie GeparNuevo durchgeführt, um herauszufinden, inwiefern sich die Immunzellen als Marker für eine erfolgreiche Immuntherapie mit sogenannten Checkpoint-Hemmern eignen. TILs sollen künftig als Marker eingesetzt werden, um die Brustkrebstherapie für Patientinnen noch besser zu steuern.

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum

Literatur:

Carsten Denkert, Gunter von Minckwitz, Silvia Darb-Esfahani et al.
Tumor-infiltrating lymphocytes (TILs) and prognosis in different subtypes of breast cancer: a pooled analysis of 3771 patients treated with neoadjuvant therapy.
Lancet Oncology, Online publication 7th December 2017; DOI: 10.1016/S1470-2045(17)30904-X
http://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470-2045(17)30904-X/fulltext


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