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Medizin

27. November 2017 Therapiefortschritt beim fortgeschrittenen NSCLC und mUC dank PD-L1-Blockade

Mit Atezolizumab (Tecentriq®▼) steht seit September 2017 der erste PD-L1-Inhibitor für die Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) und des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Urothelkarzinoms (mUC) in der Europäischen Union zur Verfügung (1). Der erste PD-L1-Inhibitor in beiden Indikationen bietet den betroffenen Patienten die Chance auf eine verbesserte Prognose – und dies bei guter Verträglichkeit und unabhängig vom PD-L1-Status (2-5). Bei einem Symposium anlässlich des 14. Herbstkongresses der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) in Berlin erläuterten Experten aus der klinischen Praxis die Bedeutung der Zulassung von Tecentriq beim Lungen- und Blasenkrebs.
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Die Krebsimmuntherapie hat das Therapiespektrum beim mUC entscheidend erweitert. Beispielhaft für diesen Fortschritt steht der PD-L1-Inhibitor Tecentriq, der sowohl in der First-Line als auch nach Platin-Vorbehandlung eine hohe Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit bietet (2-4). So sprachen in Kohorte 1 der Phase-II-Zulassungsstudie IMvigor210 rund 1/4 (23%) der Patienten, die für eine Cisplatin-basierte Chemotherapie nicht geeignet waren, auf die First-Line-Therapie mit Tecentriq an. Insgesamt erreichten die Patienten unter Tecentriq first-line ein medianes Gesamtüberleben (OS) von 15,9 Monaten (95%-KI: 10,4 – NE) (2). Dieses Ergebnis ist klinisch bemerkenswert, da verfügbare Chemotherapien in der Vergangenheit deutlich kürzere mediane Überlebenszeiten erzielten (2,6). Auch in Kohorte 2 der Studie IMvigor210, die platin-vorbehandelte Patienten mit mUC umfasste, zeigten sich positive Therapieeffekte. Die Patienten erreichten mit Tecentriq ein medianes OS von 7,9 Monaten (95%-KI: 6,7-9,3) bei einer objektiven Ansprechrate von 20% (95%-Kl: 15-25; gemäß immunmodifiziertem RECIST), wobei 6% in Komplettremission gelangten (3).

In beiden Kohorten der IMvigor210-Studie profitieren Patienten langfristig von der Behandlung mit Tecentriq: Zum Zeitpunkt der Datenauswertung von Kohorte 1 (medianes Follow-up nach 17,2 Monaten) war die mediane Ansprechdauer (DOR) noch nicht erreicht. Bei 70% der Patienten hielt der Therapieeffekt zum Analysezeitpunkt weiter an (2). Auch 65% der Patienten in Kohorte 2, die ein Ansprechen hatten, zeigten zum Zeitpunkt der Datenerhebung (Follow-up von 21 Monaten) weiterhin ein Tumoransprechen (3).

Die Daten der Phase-III-Studie IMvigor211 (Intention-to-treat(ITT)-Population) zum Einsatz von Tecentriq bei bereits platin-vorbehandelten Patienten sind konsistent mit jenen aus Kohorte 2 der Phase-II-Studie Imvigor 210.

Bei Patienten mit mittlerer respektive hoher PD-L1-Expression (IC 2/3) konnte kein signifikanter Überlebensvorteil für die Patienten unter der Atezolizumab-Therapie gezeigt werden. Im Gegensatz dazu fand sich in der ITT-Population ein signifikanter Überlebensvorteil für die Patienten in der Atezolizumab-Gruppe (explorativer Endpunkt). Die Untersuchung belegt gleichzeitig die bessere Verträglichkeit von Tecentriq im Vergleich zur Chemotherapie (therapiebedingte UE der Grade 3/4: 20% vs. 43%) (4).

NSCLC: 15,6 Monate – signifikant verlängertes Gesamtüberleben beim Nicht-Plattenepithelkarzinom

Beim lokal fortgeschrittenen oder metastasierten NSCLC ist Tecentriq nach vorheriger Chemotherapie zugelassen. Die Studiendaten belegen, dass Tecentriq diesen Patienten die Chance auf ein signifikant verlängertes Überleben bietet: So verlängerte Tecentriq in der Phase-III-Zulassungsstudie OAK das mediane OS gegenüber Docetaxel um 4,2 Monate von 9,6 auf 13,8 Monate (HR=0,73; 95%-KI: 0,62-0,87; p = 0,0003). In der Gruppe der Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinom wurde unter Tecentriq sogar ein medianes OS von 15,6 Monaten gegenüber 11,2 Monaten unter Docetaxel erreicht (HR=0,73; 95%-KI: 0,60-0,89; p = 0,0015). Der OS-Vorteil bestätigte sich unabhängig vom PD-L1-Status, auch bei Patienten mit einer geringen PD-L1-Expression (TC/IC < 1%; 12,6 vs. 8,9 Monate; HR=0,75; 95%-Kl: 0,59-0,96; p = 0,0215) (5). Weiterhin könnte Tecentriq auch eine wertvolle Komponente in zukünftigen Kombinations-therapien darstellen. So wird in akutellen Studien z.B. die Kombination von Tecentriq mit Chemotherapie und Avastin® (Bevacizumab), einem Angiogenese-Inhibitor, erforscht.

Erster Vertreter der nächsten Generation der Krebsimmuntherapie beim NSCLC und mUC

Tecentriq ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der sich gezielt gegen das auf Tumorzellen und tumorinfiltrierenden Immunzellen exprimierte Protein PD-L1 richtet und so die T-Zell-Antwort reaktiviert. Als erster Vertreter der nächsten Generation von Checkpoint-Inhibitoren beim NSCLC und mUC blockiert Tecentriq sowohl die Interaktion von PD-L1 mit PD-1 als auch mit B7.1. Die duale Signal-Blockade mit PD-L1 setzt im Tumor und im Lymphknoten an: Im Tumor reaktiviert Tecentriq die T-Zellantwort, in den Lymphknoten kann die Bildung von zytotoxischen T-Zellen verstärkt werden. Gleichzeitig bleibt die für die Immunhomöostase relevante Interaktion von PD-1 mit PD-L2 unter Tecentriq erhalten.

▼ Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden. Bitte melden Sie Nebenwirkungen an die Roche Pharma AG (grenzach.drug_safety@roche.com oder Fax +49 (0)7624 / 14-3183) oder an das Paul-Ehrlich-Institut (www.pei.de oder Fax: +49 (0)6103 / 77-1234).

Quelle: Roche

Literatur:

(1) Fachinformation Tecentriq®, Stand: September 2017
(2) Balar AV et al. Lancet 2017; 389 (10064): 67-76
(3) Loriot Y et al. Ann Oncol 2016; 27 (Suppl 6): vi270–vi271; Abstract 783P
(4) Powles T et al. EACR-AACR-SIC 2017 (Special Conference); Abstract 606
(5) Rittmeyer A et al. Lancet 2017; 389 (10066): 255-65
(6) De Santis M et al. J Clin Oncol 2012; 30 (2): 191-99


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