Samstag, 24. Oktober 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Revlimid
Revlimid
 

Medizin

11. September 2013 T-Zell-Leukämie: Forscher entschlüsseln Schalter für die unkontrollierte Vermehrung von T-Zellen

Die T-Zellen des Immunsystems patrouillieren ständig im Blut und Gewebe, um gefährliche Eindringlinge zu erkennen und abzuwehren. Beginnen allerdings die Immun-T-Zellen selbst, sich unkontrolliert zu teilen, wie es bei der Leukämie (T-ALL) bei Kindern der Fall ist, dann führt die Vielzahl von T-Zellen immer mehr zur räumlichen Behinderung lebenswichtiger Stoffwechselvorgänge - bis hin zum Tod. In einem Forschungsprojekt untersuchen Magdeburger Wissenschaftler die molekularen Mechanismen dieser unkontrollierten Vermehrung der Immun-T-Zellen bei Leukämie, um deren massive Ausbreitung im Körper zu unterbinden. Als zentraler Schalter agiert dabei ein Eiweißstoff, das Kälteschockprotein YB-1.

Die T-Zell-Leukämie (T-ALL) ist eine besonders aggressive Form der Leukämie mit ungünstiger Heilungschance. Sie wird durch T-Zellen verursacht, die sich massiv und unkontrolliert vermehren. Die Wissenschaftler der Forschungsgruppe um Prof. Dr. Monika Brunner-Weinzierl wollen daher zusammen mit Ärzten der Universitätskinderklinik Magdeburg eine Therapie entwickeln, um diese massive Ausbreitung im Körper zu unterbinden. Der erste Schritt auf diesem Weg ist es, die molekularen Mechanismen der unkontrollierten Vermehrung der Immun-T-Zellen bei dieser Leukämie aufzuklären. Im Fokus haben sie das Kälteschockprotein YB-1, das insbesondere in den entarteten Immunzellen vorkommt. Ohne diesen Eiweißstoff können sich viele Zellen nicht länger vermehren oder sterben gar.

Das Kälteschockprotein YB-1 kennen Forscher bereits aus entartetem Gewebe bei Brustkrebs. Dort ist das Eiweiß ständig im Zellkern aktiv und gilt auch als Indiz für eine ungünstige Heilungschance. Bei der Leukämie dagegen ist noch sehr wenig über die Wirkung von YB-1 bekannt – weder in gesunden T-Zellen noch in ihren entarteten Geschwistern. Seine zentrale Rolle bei der bösartigen Vermehrung des Brustkrebsgewebes lässt aber darauf schließen, dass es auch bei unkontrolliert vermehrenden T-Zellen der Leukämie eine zentrale Rolle spielen könnte.

Diesen Verdacht können die Magdeburger Wissenschaftlerinnen mit ersten Untersuchungsergebnissen untermauern: Eine Beseitigung von YB-1 in Leukämie-T-Zellen bremst deren Vermehrung dramatisch. Dr. Steffi Gieseler hat als Mitglied der Magdeburger Forschungsgruppe eine Methode entwickelt, mit der es möglich ist, an gereinigten Zellkernen die Anwesenheit von YB-1 in jedem einzelnen Zellkern von Leukämie-T-Zellen mittels Durchflusszytometrie eindeutig nachzuweisen.

Die Wissenschaftlerinnen fanden mithilfe dieser eleganten Methode bereits heraus, dass T-Zellen bösartiger Zelllinien aus Blut von jungen Patienten (5 bis 19 Jahre) verstärkt YB-1 im Zellkern tragen. Wird YB-1 gänzlich beseitigt, können sich die Leukämie-T-Zellen nicht länger vermehren. Ein durch die Wilhelm Sander-Stiftung gefördertes Projekt soll nun ermitteln, unter welchen Bedingungen und über welchen Mechanismus YB-1 in den Zellkern gelangt und wie es dort eine Vermehrung der Immun-T-Zellen auslöst. "Wenn wir die Wanderung von YB-1 in den Zellkern verhindern oder seine Aktionen im Zellkern unterbinden können, würden wir damit die Vermehrung der Leukämie-T-Zellen stoppen", erläutert Brunner-Weinzierl die Motivation zu dem Projekt.

Wenn die Forscherinnen die Wirkmechanismen aufklären können, wollen sie in einem zweiten Schritt mit molekularbiologischen Methoden eine gezielte Manipulation des Kälteschockproteins YB-1 vornehmen, die die unkontrollierte Vermehrung der Immun-T-Zellen bei Leukämie bremsen soll. Damit könnte die Erkrankung erfolgreich zurückgedrängt werden, so die Hoffnung der Wissenschaftlerinnen. "Unser Forschungsprojekt eröffnet die Perspektive, einen ersten Baustein zu einer neuen Therapiestrategie von Leukämien bei Kindern zu entwickeln", resümiert die Projektleiterin die Bedeutung des Vorhabens. Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 100.000 €.

Quelle: Wilhelm Sander-Stiftung


Anzeige:
Keytruda
Keytruda

Stichwörter

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"T-Zell-Leukämie: Forscher entschlüsseln Schalter für die unkontrollierte Vermehrung von T-Zellen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ESMO Virtual Congress 2020
  • Fortgeschrittenes Melanom nach Versagen einer PD-(L)1-Inhibition: Vielversprechende Antitumoraktivität mit Pembrolizumab + Lenvatinib
  • Pembrolizumab + Lenvatinib: Vielversprechende Ansprechraten bei vorbehandelten fortgeschrittenen Tumoren
  • HNSCC: Pembrolizumab als Monotherapie und als Partner einer Platin-basierten Chemotherapie erfolgreich in der Erstlinie
  • Ösophaguskarzinom: Relevante OS- und PFS-Verlängerung durch Pembrolizumab + Chemotherapie in der Erstlinie
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-024-Studie bestätigen deutliche Überlegenheit für Pembrolizumab mono vs. Chemotherapie beim NSCLC mit hoher PD-L1-Expression
  • Neuer Anti-ILT4-Antikörper zeigt in Kombination mit Pembrolizumab erste vielversprechende Ergebnisse bei fortgeschrittenen Tumoren
  • Adjuvante Therapie mit Pembrolizumab verlängert auch das fernmetastasenfreie Überleben bei komplett resezierten Hochrisiko-Melanomen im Stadium III
  • HIF-2α-Inhibitor MK-6482 beim Von-Hippel-Lindau-Syndrom: Vielversprechende Wirksamkeit auch bei Nicht-RCC-Läsionen
  • Neuer Checkpoint-Inhibitor: Vielversprechende erste Studiendaten für Anti-TIGIT-Antikörper Vibostolimab in Kombination mit Pembrolizumab