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Medizin

29. März 2018 Stellenwert moderner Sequenzierungstechnologien für die Krebstherapie

Bei einem DKK-Symposium zum klinischen Nutzen molekularer Tumorprofile gaben zwei Drittel der Anwesenden bei einer TED-Abstimmung an, mit dem NGS-basierten Konzept der molekularen Tumoranalyse vertraut zu sein. Die Hälfte der Anwesenden gab an, NGS-basierte Verfahren zur Unterstützung der Diagnostik und für die Therapieentscheidung bereits zu nutzen. Ob die Datenlage dies rechtfertigt, hinterfragte PD Dr. Gunnar Folprecht, Dresden, der die bisherigen Studien zu dieser Thematik kritisch beleuchtete.
In der MOSCATO-Studie (1) wurde bei erwachsenen Krebspatienten eine Tumorbiopsie (n=948) mit NGS-Panel (n=843) evaluiert. In 411 Fällen hat man dadurch ein Target gefunden, welches man adressieren kann und etwa die Hälfte (n=199) dieser Patienten hat eine auf die molekularen Veränderungen abgestimmte Therapie erhalten. 33% der so behandelten Patienten erreichten ein wenigstens um den Faktor 1,3 verlängertes PFS im Vergleich zur vorangegangenen Therapie (PFS2/PFS1). 2 Patienten erreichten eine komplette, 20 eine partielle Remission. Bezogen auf die Anzahl der Patienten, die ein „matched treatment“ erhalten haben, betrug die Gesamtansprechrate somit 11% (22/199). In der Phase-II-Studie SHIVA wurden Patienten randomisiert in entweder Therapie nach molekularem Target oder Behandlung nach Wahl des Arztes, wobei sich beim PFS (2) kein Unterschied zeigte. Nach Crossover von der Therapie nach Wahl des Arztes zur Therapie entsprechend der molekularen Veränderung in der zweiten Linie hatten 37% ein um den Faktor 1,3 verlängertes PFS (3). In der ProfiLER-Studie (4) mit genetischen Tumorprofilen (n=1.944) fand man bei 52% mind. eine behandelbare Alteration; bei 35% konnte mind. eine Behandlungsempfehlung gegeben werden. Allerdings erhielten nur 143 Patienten (7%) die auf die jeweilige molekulare Veränderung abgestimmte Therapie. Das mediane 3-Jahres-OS der Patienten, die eine auf die jeweilige molekulare Veränderung abgestimmte Therapie erhielten, betrug 53,7% im Vergleich zu 46,1% für Patienten, für die es zwar eine Empfehlung für eine molekulare Target-Therapie gab, die diese Therapie aber nicht erhalten haben (5-Jahres-Überleben: 34,8% vs. 28,1%). Dies seien Hinweise, dass diese zielgerichtete Therapie sinnvoll sein kann, aber noch kein Beweis, so Folprecht, da randomisierte Studien fehlten. Die Studien hätten allerdings gezeigt, dass es machbar ist, Patienten zu bioptieren und eine Therapieempfehlung zu geben.

Prof. Dr. Wilko Weichert, München, erläuterte, dass sich mittels Multigensequenzierung durch den Vergleich mit einem Referenzgenom Punktmutationen, Deletionen, Amplifikationen (z.B. HER2), Translokationen (z.B. ALK, ROS) und auch nicht-humane Sequenzen z.B. bei HPV- oder EBV-assoziierten Karzinomen detektieren lassen. Allerdings passen die genomischen Profile nicht immer zur Tumorentität. Jenseits der Genomik wird es somit noch andere Aspekte zu berücksichtigen geben wie z.B. epigenetische Veränderungen und die proteomische Zuordnung. Eine breite genomische Stratifizierung werde in Spitzenzentren bereits gut umgesetzt, müsse jetzt aber flächendeckend über Verbünde verankert werden. Die tatsächlich notwendige Breite der genomischen Analytik (Einzelmarker, Markerpanel, Gesamtgenom) sei allerdings noch unklar.
 
Abschließend stellte Prof. Dr. Alwin Krämer, Heidelberg, eine geplante Studie zur zielgerichteten Therapiewahl nach umfassendem Tumorprofiling beim CUP-Syndrom vor. Die internationale Studie MX39795 vergleicht randomisiert bei Patienten mit prognostisch ungünstigem CUP-Syndrom in der Erstlinie eine zielgerichtete Therapie, die sich nach den genetischen Veränderungen richtet, mit der Platin-basierten Standardchemotherapie. Die Studie wird in der zweiten Hälfte dieses Jahres starten.    

um

Quelle: Symposium „Klinischer Nutzen von molekularen Tumorprofilen für die Krebstherapie“, DKK, 22.02.2018, Berlin; Veranstalter: Roche

Literatur:

(1) Massard C et al. Cancer Discov 2017;7(6):586-595.
(2) Le Tourneau C et al. Lancet Oncol 2015;16(13):1324-34.
(3) Belin L et al. Ann Oncol 2017;28(3):590-596.
(4) Tredan O et al. J Clin Oncol 2017;35(18):Abstract LBA100.


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