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Medizin

22. April 2020 Schwer kranke Menschen mit akutem Behandlungsbedarf bleiben Kliniken fern

Mediziner und Krankenhäuser beobachten in der Corona-Krise einen beunruhigenden Trend: Aus Angst vor einer Infektion kommen sehr viel weniger Patienten – auch Krebspatienten – mit akutem Behandlungsbedarf in die Kliniken. Eine genaue Statistik gibt es noch nicht, aber Mediziner registrieren das Phänomen deutschlandweit: "Wir haben auf einmal sehr viel weniger Patienten mit dringenden Symptomen", sagt der Lungenkrebsspezialist Niels Reinmuth, Chefarzt für Thorakale Onkologie an der Asklepios Fachklinik in Gauting bei München. 
Ein Hauptgrund ist vermutlich Furcht: "Die Angst, sich zu infizieren, ist offenbar so groß, dass viele lieber gar nicht zum Arzt gehen", meint ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft in Berlin. Aus ärztlicher Sicht ist das besorgniserregend. "Wir haben die Sorge, dass wir im Sommer viele Patienten bekommen werden, die besser 4 Monate früher gekommen wären", sagt Reinmuth. Kardiologen diskutieren bereits, ob Deutschland nach Corona eine Welle der Herzschwäche bevorstehen könnte, wie eine Münchner Fachärztin berichtet. "Man muss wirklich dringend dazu aufrufen: Bleiben Sie nicht mit ernsten Problemen zu Hause", sagt der Onkologe.

2018 gab es 210 000 Herzinfarkte und etwa 300 000 Schlaganfälle in Deutschland. Dass sich diese Zahlen wegen der Corona-Epidemie plötzlich verringert haben, glaubt niemand in der medizinischen Gemeinde. Zu dem Phänomen trägt mutmaßlich der Umstand bei, dass viele niedergelassene Fachärzte ihren Praxisbetrieb eingeschränkt haben, so dass weniger Patienten überwiesen werden. «Es muss aber vermieden werden, dass Angst vor dem Virus andere Krankheiten und Todesfälle verursacht», sagt ein Sprecher der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.

Die größte medizinische Krise der vergangenen Jahrzehnte hat für die Krankenhäuser bisher die eigenartige Folge einer außergewöhnlich schwachen Auslastung. Die befürchtete Welle von Corona-Patienten ist zur Erleichterung aller Beteiligten ausgeblieben. Alle planbaren Behandlungen – die elektiven Fälle – wurden verschoben.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft schätzt, dass derzeit bundesweit 150 000 Betten frei sind.

Vor diesem Hintergrund berichtete der NDR am Mittwoch auch über Fälle von Kurzarbeit an Kliniken. Nach Angaben der Krankenhausgesellschaft
ist das allerdings "kein flächendeckendes Phänomen." Für Kliniken bestehe keine Veranlassung für Kurzarbeit, weil es einen finanziellen Schutzschirm gebe. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verwies auf das wegen der Corona-Pandemie beschlossene Krankenhausentlastungsgesetz. Kliniken bekommen demnach für frei gehaltene Betten eine Pauschale von 560 Euro pro Tag.

Spahn hatte in der vergangenen Woche angekündigt, dass die Krankenhäuser ab Anfang Mai schrittweise "in einen Regelbetrieb" zurückkehren könnten. Die medizinischen Fachgesellschaften erarbeiteten gerade Konzepte dafür, sagte er am Mittwoch. "Wir wollen ja nicht auf Dauer 40% der Intensivbeatmungsbetten in Deutschland frei halten. Das ist auch nicht notwendig."

Quelle: dpa


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