Dienstag, 26. März 2019
Navigation öffnen

Medizin

06. November 2017
Seite 1/2
Schmerzmedizinische Versorgungslücken bei Krebspatienten

Bei Patienten mit tumorbedingten Dauerschmerzen und zusätzlich Durchbruchschmerzen gibt es noch erhebliche schmerzmedizinische Versorgungslücken, wie beim Deutschen Schmerzkongress dargelegt wurde. Viele Patienten erhalten keine adäquate, der Schmerzsymptomatik angepasste Behandlung – so das Ergebnis einer großangelegten Online-Befragung der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) zusammen mit der Deutschen Schmerzliga e.V. (DSL). Defizite zeigte die Befragung vor allem bei der Behandlung der Durchbruchschmerzen, da nur ein geringer Teil der Patienten leitliniengerecht (DGS-Leitlinie) mit einem Opioidpräparat mit rasch einsetzender Wirksamkeit (rapid-onset opioid, ROO) wie beispielsweise Fentanyl Buccaltabletten (Effentora®) versorgt war.
Anzeige:
Bei vielen Krebspatienten entwickeln sich im Verlauf der Erkrankung tumorbedingte Dauerschmerzen und zusätzlich Durchbruchschmerzen. Es kommt dabei auf eine gute schmerzmedizinische Versorgung an, um den Betroffenen die Teilhabe am alltäglichen Leben zu ermöglichen und ihre Lebensqualität nicht noch zusätzlich zur Grunderkrankung zu beeinträchtigen, betonte PD Dr. Michael Überall aus Nürnberg bei einem Symposium beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim.

Dauerschmerzen und zusätzliche akute Schmerzattacken sind die Regel

In der Realität aber gibt es noch eine gravierende Fehl- und Unterversorgung bei tumorbedingten Schmerzen. Das belegen die Ergebnisse der Online-Befragung, an der 5.576 Patienten teilgenommen haben. Mehr als 3.700 von ihnen litten neben den Dauerschmerzen an zusätzlich auftretenden akuten Schmerzattacken. Bei vielen dieser Patienten wäre durch eine Optimierung der Dauerschmerztherapie, zum Beispiel durch eine Dosisanpassung bei zu geringer Tagesdosis, durch eine Änderung der Einzeldosis sowie der Dosierungsintervalle bei sogenanntem „end-of-dose-failure“ oder durch Hinzunahme von Ko-Analgetika eine deutliche Schmerzreduktion zu erzielen gewesen.

Bei zwei Drittel der Patienten ergab sich jedoch anhand der Umfrage, die ursprünglich zur Unterstützung beim Arztgespräch konzipiert worden war, die Notwendigkeit einer spezifischen Notfall- oder Rescue-Therapie zur Linderung der Durchbruchschmerzen. Allerdings erhielten lediglich 862 der insgesamt 2.643 Patienten, bei denen dies angezeigt gewesen wäre, tatsächlich eine entsprechende Medikation. „Fälschlicherweise bekamen andererseits auch mehr als 300 Patienten, bei denen eine Optimierung der Behandlung der Dauerschmerzen erforderlich gewesen wäre, eine spezielle Rescue-Medikation“, betonte Überall in Mannheim. Das zeigt nach seinen Worten, dass auf der einen Seite eine Überversorgung erfolgt, während in anderen Bereichen eine erhebliche Fehl- und vor allem Unterversorgung besteht.

Unzureichende Therapie trotz hohem Leidensdruck

Denn in vielen Fällen wurden Präparate verschrieben, die nicht optimal geeignet sind, um die vielfach nicht vorhersehbaren und nicht vermeidbaren und quasi überfallsartig auftretenden Durchbruchschmerzen rasch zu lindern. Obwohl die Patienten durch die Schmerzattacken unter einem hohen Leidensdruck stehen, wird ihnen eine effektive Medikation oftmals vorenthalten. So wurden nur 326 der 862 Patienten mit tumorbedingten Durchbruchschmerzen mit einem stark wirksamen Opioid-Analgetikum der WHO-Stufe III behandelt.
 
Vorherige Seite

Das könnte Sie auch interessieren

Frauenärzte der GenoGyn fordern Maßnahmen gegen riskanten Alkoholkonsum

Frauenärzte der GenoGyn fordern Maßnahmen gegen riskanten Alkoholkonsum
© karepa / Fotolia.com

Beim Alkoholkonsum belegt Deutschland im weltweiten Vergleich stets Spitzenplätze: Rund zehn Liter reinen Alkohols werden hierzulande nach aktuellen Informationen des Bundesgesundheitsministeriums jedes Jahr pro Kopf getrunken und verursachen alljährlich volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von 26,7 Milliarden Euro. „Obwohl Erkenntnisse über das Suchtpotenzial von Alkohol in der Gesellschaft inzwischen hinlänglich verbreitet sind, finden Bier, Wein und...

Brustkrebs: Was leisten Prognosetests? Unnötige Chemotherapien vermeiden

Durch die Möglichkeit, Tumore genetisch zu analysieren, hat sich die Krebstherapie gewandelt. Während früher alle Patienten quasi die gleiche Behandlung wie nach dem „Gießkannenprinzip“ erhielten, steht nun zunehmend der einzelne Patient mit seinen individuellen Tumoreigenschaften im Fokus. Bei Frauen mit Brustkrebs hat diese Entwicklung zu sogenannten Prognosetests geführt, die eine Vorhersage über den Nutzen einer Chemotherapie erlauben,...

Künstlerische Therapien in der Krebsbehandlung

Künstlerische Therapien in der Krebsbehandlung
© ChenPG / Fotolia.com

Viele Krebspatienten schöpfen durch Musik, Malen oder andere künstlerische Tätigkeiten neue Kraft. Doch lange Zeit reichte der wissenschaftliche Kenntnisstand nicht aus, um die Wirkung von Musik- oder Kunsttherapien zu belegen. Erst in den letzten Jahren wurden hierzu vermehrt psychoonkologische Studien durchgeführt, in denen es gelang, die Steigerung des Wohlbefindens von Patienten durch künstlerische Betätigungen nachzuweisen.

1. Patiententag für Kehlkopfoperierte am Universitätsklinikum Leipzig

1. Patiententag für Kehlkopfoperierte am Universitätsklinikum Leipzig
© Stefan Straube / UKL

Zum 1. Patiententag für Kehlkopfoperierte lädt am 22. März die Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Leipzig ein. "Ein großer Patientenstamm kommt regelmäßig zu uns, denn beispielsweise findet jeden Mittwochnachmittag bei uns die Tumornachsorge statt. Wir haben auch schon Patientenveranstaltungen organisiert, wollen diese jetzt aber institutionalisieren", so Klinikdirektor Prof. Dr. Andreas...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Schmerzmedizinische Versorgungslücken bei Krebspatienten "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.