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Medizin

19. März 2019 SCLC: Therapieoptionen in der Erstlinientherapie

Atezolizumab reduziert in Kombination mit Chemotherapie das Mortalitätsrisko bei Patienten mit kleinzelligem Bronchialkarzinom im metastasierten Stadium („extensive stage“, ES-SCLC) um 30% – mit der IMpower133 (1) wurden erstmals seit mehr als 20 Jahren positive Phase-III-Ergebnisse in der First-Line-Therapie des ES-SCLC präsentiert. Das mediane Gesamtüberleben (OS) verlängerte sich um 2 Monate. Nach einem Jahr waren noch über die Hälfte der Patienten am Leben. „Wir blicken einem neuen Therapiestandard in der First-Line-Therapie des kleinzelligen Lungenkarzinoms entgegen“, erläuterte Prof. Michael Thomas, Heidelberg, bei einem Symposium der Roche Pharma AG, das im Rahmen des diesjährigen DGP in München stattfand. Zusammen mit Dr. Sylvia Gütz, Leipzig, und PD Dr. Florian Fuchs, Erlangen, diskutierte Thomas über aktuelle und zukünftige Therapieregime in der Therapie des SCLC.
Mit rund 55.000 Neuerkrankungen jährlich gehört Lungenkrebs zu den häufigsten Krebsneuerkrankungen in Deutschland, 10-15% entfallen dabei auf das SCLC. Die Erkrankung ist charakterisiert durch eine rasche Progression; das mediane Gesamtüberleben liegt bei rund 10 Monaten (2). Dabei hätten sich das Gesamtüberleben und die Therapielandschaft des SCLC seit der Einführung des Chemotherapie-Regimes mit Etoposid und einem Platinderivat in den 1970er Jahren, das bis heute empfohlener Standard ist, kaum verändert, erläuterte Gütz im Rahmen der Veranstaltung (3). Es bestehe ein hoher Bedarf an wirksamen Behandlungsmöglichkeiten: „In diesem Kontext sind die Ergebnisse der IMpower133 ein echter Lichtblick“, erläuterte Gütz. „Nach 20 Jahren ohne therapeutischen Fortschritt kündigt sich mit Tecentriq® nun ein echter Meilenstein für die Patienten und uns als behandelnde Ärzte an.“

Krebsimmuntherapie bringt erstmals therapeutischen Fortschritt in der First-Line-Therapie

Die doppelblinde, randomisierte Phase-III-Studie IMpower133 untersuchte, inwieweit zuvor unbehandelte ES-SCLC-Patienten von der Hinzunahme von Atezolizumab (Tecentriq®) zur Standard-Chemotherapie (Carboplatin und Etoposid) und anschließender Erhaltungstherapie mit Atezolizumab profitieren. Das zentrale Ergebnis: Das Sterberisiko verringerte sich unter der Kombinationstherapie mit Atezolizumab signifikant um 30% (HR: 0,70; 95%-KI: 0,54 – 0,91; p=0,0069). Im Median lebten die Patienten 2 Monate länger (OS: 12,3 vs. 10,3 Monate; medianes Follow-up: 13,9 Monate). Dabei waren nach einem Jahr mehr als die Hälfte der Patienten im Atezolizumab-Arm am Leben (51,7% vs. 38,2% unter Chemotherapie). Die Rate an unerwünschten Ereignissen (Grad 3-4) wurde durch die Hinzunahme von Atezolizumab nicht klinisch relevant erhöht (67,2% vs. 63,8% unter Chemotherapie).

Die positiven Ergebnisse bestätigen sich auch in Bezug auf weitere wichtige und klinisch relevante Parameter: So war rund ein Drittel der Patienten nach 6 Monaten unter der Kombinationstherapie noch progressionsfrei (32,2% vs. 17,1% im Kontrollarm). Die Rate der Patienten mit einem anhaltenden Ansprechen war zum Zeitpunkt des Datenschnitts 3 Mal so hoch (14,9% vs. 5,4%; medianes Follow-up: 13,9 Monate). „Patienten können nachhaltig von der Therapie profitieren“, resümierte Fuchs. „Es gilt nun herauszufinden, welche Biomarker für ein Therapieansprechen als positive Prädiktoren herangezogen werden können.“ Dies sei Gegenstand aktueller Forschung, so Fuchs. In der abschließenden Gesprächsrunde waren sich die Experten einig: Die Kombinationstherapie mit Atezolizumab hat das Potential einen neuen Standard in der First-Line-Therapie des ES-SCLC zu setzen.

Zulassung

Derzeit ist Atezolizumab zugelassen in der First-Line-Therapie des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms (NSCLC) mit nicht-plattenepithelialer Histologie in Kombination mit Bevacizumab (Avastin®) und Chemotherapie sowie zur Monotherapie des vorbehandelten, fortgeschrittenen NSCLC.
 

Quelle: Roche

Literatur:

(1) Horn L et al., N Engl J Med 2018; 379: 2220-2229.
(2) Farago AF, Keane FK, Transl Lung Cancer Res 2018; 7(1): 69-79.
(3) S3-Leitlinie Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms; AWMF-Registernummer: 020/007OL.


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