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Medizin

19. Dezember 2016 Rolle von p53-Mutationen bei der Metastasierung

Vom Unterdrücker zum Unterstützer: Wenn der Krebshemmer p53 Tumore fördert statt verhindert, bedient er sich eines Helfers, den Tumorzellen brauchen, um in die Lunge einzudringen. Das haben Krebsforscher aus Marburg und Halle herausgefunden, indem sie das mutierte p53-Gen und dessen Zielmoleküle ausschalteten und die Folgen studierten. Das Team um Professor Dr. Thorsten Stiewe von der Philipps-Universität veröffentlicht seine Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins PNAS.
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Das Gen p53 wirkt in gesunden Körperzellen als Tumorsuppressor. In Tumorzellen ist p53 mutiert, so dass es unwirksam ist. "Da p53 bei Krebspatienten das am häufigsten abgewandelte Gen ist, gilt das mutierte Gen seit langem als Traumziel für die Krebstherapie", erklärt Seniorautor Thorsten Stiewe. Den Ausfall eines Genprodukts zu ersetzen, ist jedoch pharmakologisch nicht leicht zu bewerkstelligen.

Mitunter kehrt sich die Aktivität von p53 aber auch um: Dann bewirkt eine Mutation nicht, dass p53 seine krebshemmende Funktion verliert, sondern es fördert Tumore sogar. Wie kommt es dazu?

Das Team um Stiewe untersuchte p53-Mutanten, die nicht nur den Ausfall der ursprünglichen Genaktivität zur Folge haben, sondern zu einer neuen Funktion führen. "Wir zeigen in unserer Studie, dass p53-Mutanten das Gen ENTPD5 aktivieren", legt Stiewe dar. ENTPD5 sorgt dafür, dass Proteine der Zelloberfläche korrekt gefaltet und chemisch modifiziert werden. "Zu diesen Proteinen zählen insbesondere Schlüsselproteine für Zellwanderung", erläutert der Krebsforscher.
 

Ausschnitt aus einem Pankreaskarzinom: Tumorzellen, die viel p53 bilden (braun gefärbte Zellen im oberen Bild), produzieren auch viel ENTPD5 (braune Färbung im unteren Bild). © AG Stiewe / Philipps-Universität Marburg
Lupe
Ausschnitt aus einem Bauchspeicheldrüsen-Tumor: Tumorzellen, die viel p53 bilden (braun gefärbte Zellen im oberen Bild), produzieren auch viel ENTPD5 (braune Färbung im unteren Bild). © AG Stiewe / Philipps-Universität Marburg


Welche Bedeutung dieser Befund für die Krebsmedizin hat, zeigen die beteiligten Wissenschaftler im Mausmodell: Schaltet man ENTPD5 aus, so bilden sich keine Kolonien von Tumorzellen in der Lunge. Dies belegt, dass ENTPD5 für die Metastasenbildung erforderlich ist, also für die Ausbreitung einer Krebserkrankung.

"Wir verstehen jetzt viel besser, wie p53-Mutationen die Metastasierung von Krebszellen ankurbeln", resümiert Stiewe. "Darüber hinaus haben wir eine attraktive Zielstruktur gefunden, die neue Therapien gegen besonders aggressive Tumorarten möglich machen könnte!"

Quelle: Philipps-Universität Marburg

Literatur:

Vogiatzi F, Brandt DT, Schneikert J et al.
p53 promotes tumor progression and metastasis by the endoplasmic reticulum UDPase ENTPD5
Proc Natl Acad Sci U S A. 2016 Dec 12. pii: 201612711
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27956623


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