Dienstag, 18. Juni 2019
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

Medizin

15. Februar 2019 Rezidiviertes oder refraktäres multiples Myelom: CAR-T-Zelltherapie in späteren Therapielinien

Zum ersten Mal wurden in Deutschland Patienten, bei denen ein rezidiviertes oder refraktäres multiples Myelom (rrMM) vorliegt und die sich daher bereits in späteren Therapielinien befinden, in die Phase-2-CAR-T-Studie KarMMa (bb2121-MM-001; NCT03361748) (1) eingeschlossen. Die Studie untersucht die Sicherheit und Wirksamkeit der neuartigen CAR-T-Zelltherapie bb2121. Das Prüfpräparat wird derzeit in mehreren klinischen Studien erprobt.
CAR-T-Zellen stellen einen individualisierten Behandlungsansatz dar. Sie basieren auf T-Zellen, die dem betroffenen Patienten zuvor aus dem peripheren Blut entnommen wurden. Anschließend werden diese Immunzellen genetisch so verändert, dass sie im Fall von bb2121 Myelomzellen am Oberflächenmolekül BCMA (b cell maturation antigen) erkennen und angreifen können. Diese CAR-T-Zellen werden dem betroffenen Patienten anschließend wieder reinfundiert. In Deutschland wird die KarMMa-Studie (bb2121-MM-001) von führenden Myelomexperten am Universitätsklinikum Würzburg unter der Leitung von Prof. Dr. med. Hermann Einsele sowie an den Universitätskliniken Heidelberg (Prof. Dr. med. Hartmut Goldschmidt) und Tübingen (Prof. Dr. med. Katja Weisel) durchgeführt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass bb2121 vor allem für Patienten mit rrMM in späteren Therapielinien, die nahezu alle anderen Behandlungsoptionen ausgeschöpft haben, eine mögliche weiterführende Alternative darstellen könnte.

Neue Behandlungsoptionen notwendig

„Aufgrund ihrer hohen Innovationskraft haben CAR-T-Therapien wie bb2121 das Potenzial, die Behandlung des multiplen Myeloms und anderer hämatologischer Malignome in den nächsten Jahren nachhaltig und grundlegend zu verändern“, zeigt sich Einsele überzeugt. Die erstmalige Behandlung von MM-Patienten mit dem zu prüfenden CAR-T-Produkt in Deutschland stellt einen wichtigen Schritt in der weiteren klinischen Erforschung immunonkologischer Therapien der nächsten Generation dar. Einsele betont: „Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte in der Behandlung des multiplen Myeloms erzielt. Trotzdem bleibt die Erkrankung, insbesondere in den späteren Linien, unheilbar – mit einem hohen Bedarf für neue Behandlungsoptionen.“ Eine mögliche Zulassung von bb2121 in den nächsten Jahren könnte einen Wendepunkt im Bereich der modernen Immunonkologie markieren und dazu beitragen, insbesondere den therapeutischen Bedarf von MM-Patienten zu decken, die bereits mehrfach und ohne nachhaltigen Erfolg vorbehandelt wurden.

Studie prüft bb2121

bb2121 wird derzeit im Rahmen der KarMMa-Studie geprüft. Dabei handelt es sich um eine internationale, offene, einarmige, multizentrische Phase-2-Studie, die die Sicherheit und Wirksamkeit des Anti-BCMA-CAR-T-Zellproduktes bei erwachsenen Patienten mit rrMM untersucht. Die Studienteilnehmer waren zuvor mit immunmodulierenden Substanzen (IMiDs®) wie Lenalidomid oder Pomalidomid, mit Proteasominhibitoren und einer Anti-CD38-Antikörpertherapie behandelt worden und hatten unter der letzten Therapie einen Progress gezeigt.

Die Studie ist in 3 Phasen gegliedert: In der Vorbereitungsphase werden die Patienten zunächst untersucht und anschließend einer Leukapherese unterzogen. Die eigentliche Behandlungsphase startet mindestens 27 Tage später und umfasst eine chemotherapeutische Lymphodepletion. Darauf folgt das Infundieren der modifizierten und expandierten CAR-T-Zellen. Als primärer Endpunkt der Studie wurde die Gesamtansprechrate (ORR) definiert; die sekundären Endpunkte umfassen unter anderem das progressionsfreie Überleben (PFS), die Ansprechdauer (DOR), das Gesamtüberleben (OS) und nachweisbare minimale Resterkrankung (MRD) sowie aus Patientensicht bewertete Parameter wie die Lebensqualität (QOL). In der Follow-up-Phase werden die Patienten mindestens über einen Zeitraum von 2 Jahren oder bis zur Krankheitsprogression unter paralleler Erhebung verschiedener klinischer Aspekte beobachtet. Die Rekrutierung aller in der Studie eingeschlossenen Patienten ist bereits abgeschlossen.

Bei der letzten Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) im Juni 2018 wurden positive Daten aus einer Phase-1-Studie zu bb2121 präsentiert. Sie zeigten hohe und langanhaltende Ansprechraten und ein medianes progressionsfreies Überleben von fast einem Jahr (PFS: 11,8 Monate; n = 18, Dosis-Eskalationsteil der Studie) in der bereits stark vorbehandelten Patientenpopulation, während keine schwere Neurotoxizität und überwiegend milde Zytokinfreisetzungssyndrome in dieser Gruppe beobachtet wurden (2). Die anhaltend hohen Ansprechraten und negativen MRD-Befunde unterstreichen, welche Rolle BCMA als vielversprechender Ansatzpunkt zukünftig in der Behandlung dieser unheilbaren Erkrankung spielen könnte. bb2121 ist ein Prüfpräparat und derzeit noch in keinem Land und für keine Indikation zugelassen.
 

Quelle: Celgene

Literatur:

(1) Studienreferenz NCT03361748: https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT03361748 (letzter Zugriff: Januar 2019).
(2) Raje N. et al. American Society of Clinical Oncology (ASCO) Jahrestagung, Juni 2018, Abstract #8007.


Das könnte Sie auch interessieren

DEGUM-Experten fordern Ultraschall der Eierstöcke als Kassenleistung

DEGUM-Experten fordern Ultraschall der Eierstöcke als Kassenleistung
© CLIPAREA.com / fotolia.com

Um harmlose Eierstockzysten von bösartigem Eierstockkrebs zu unterscheiden, verwenden Ärzte das Ultraschallverfahren. Zysten und Krebsgeschwülste bilden im sonografischen Bild bestimmte Muster, die ein erfahrener Fachmann unterscheiden kann. Für ein hohes Qualitätsniveau der Untersuchung setzt sich die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) ein. Sie fordert, dass der Ultraschall der Eierstöcke eine Kassenleistung wird – auch...

José Carreras Leukämie-Stiftung lobt Best Paper Award 2018

José Carreras Leukämie-Stiftung lobt Best Paper Award 2018
© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

„Nur über medizinische Forschung wird es uns gelingen, Leukämie und andere bösartige Blut- oder Knochenmarkserkrankungen bei jedem und immer heilbar zu machen. Nach 2016 und 2017 zeichnet die José Carreras Leukämie-Stiftung deshalb auch in diesem Jahr wieder herausragende wissenschaftliche Arbeiten aus. Dotiert ist der 3. Best Paper Award mit 10.000 Euro, über die der Preisträger für seine weitere wissenschaftliche Arbeit frei verfügen kann“,...

Neues Infoportal rund um Ernährung und Krebs ist online

Neues Infoportal rund um Ernährung und Krebs ist online
© ernaehrung-krebs-tzm.de

Das neue Infoportal der Arbeitsgruppe „Ernährung und Krebs“ am Tumorzentrum München (TZM) ist ab sofort unter www.ernaehrung-krebs-tzm.de online. Es bündelt wissenschaftlich fundierte Informationen, gibt praktische Hilfestellung und vermittelt Kontakte zu anerkannten Therapeuten und Beratungsstellen rund um das Thema Ernährung und Krebs. Die Arbeitsgruppe besteht aus qualifizierten Ärzten und Ernährungsfachkräften unter der Leitung von Professor...

„du bist kostbar“

Aufgrund der zunehmend verbesserten Behandlungsmöglichkeiten in den vergangenen Jahren nimmt die Zahl der Menschen mit Krebs, die geheilt werden oder lange mit der Erkrankung leben können, stetig zu. „Dennoch erleben Menschen, die von Krebs betroffen sind, die Krankheit meist als tiefen Eingriff ins Leben. Mit den Ärzten bespricht man die medizinischen Behandlungsschritte, doch die Angst bleibt und es stellen sich häufig viele weitere Fragen. Wir beantworten diese...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Rezidiviertes oder refraktäres multiples Myelom: CAR-T-Zelltherapie in späteren Therapielinien"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischer Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich