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Medizin

14. Juli 2020 Real-life-Daten zur CAR-T-Zell-Therapie bei r/r DLBCL und BCP-ALL zeigen hohe Ansprechraten – neuer Prädiktor für Ansprechen identifiziert

Mit der Frage nach möglichen prädiktiven Faktoren für ein anhaltendes Ansprechen auf eine CAR-T-Zell-Therapie beschäftigte sich eine im Rahmen des Europäischen Hämatologiekongresses EHA 2020 als e-Poster vorgestellte Real-life-Studie aus München. In der Analyse wurden die Daten von 34 intensiv vorbehandelten Patienten mit diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) und akuter prä-B-Zell lymphoblastischer Leukämie (BCP-ALL), die eine CAR-T-Zell-Therapie mit Tisagenlecleucel (Tisa-cel, Kymriah®) oder Axicabtagen-Ciloleucel (Axi-cel, Yescarta®) erhalten hatten, retrospektiv untersucht. Als prädiktiver Biomarker für ein langanhaltendes Ansprechen erwies sich ein normaler Lactatdehydrogenase (LDH)-Wert zum Zeitpunkt der Leukapherese, der die Tumorlast widerspiegelt. In einem umfassenden Immunmonitoring-Biomarker-Programm sollen nun weitere prädiktive Marker aufgespürt werden (1).
In Deutschland sind derzeit mit Tisa-cel und Axi-cel 2 Anti-CD19-CAR-T-Zell-Therapien für die Behandlung des rezidivierten/refraktären DLBCL (r/r DLBCL) zugelassen, Tisa-cel außerdem für Kinder, Jugendliche und Erwachsene bis einschließlich 25 Jahren mit refraktärer oder rezidivierender akuter lymphatischer B-Zell-Leukämie (ALL). Trotz guter Ansprechraten sind die Nebenwirkungen der CAR-T-Zell-Therapie nicht unerheblich. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Patientenselektion, mittels prädiktiver Faktoren, als wichtiger Baustein einer erfolgreichen CAR-T-Zell-Therapie an Bedeutung.

In der vorgestellten retrospektiven Analyse wurden die Daten von an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München mit Axi-cel und Tisa-cel behandelten r/r DLBCL- und BCP-ALL-Patienten ausgewertet und außerdem klinische Parameter auf ihre prädiktive Signifikanz für das progressionsfreie Überleben (PFS) untersucht. In die retrospektive Auswertung flossen Daten zu CAR-T-Zell-Produktion, Toxizität, Ansprechraten und Überleben der Patienten ein. Dr. Veit Bücklein, München, und Kollegen stellten die Daten beim EHA vor.

Bei 37 Patienten wurde die Indikation zu einer CAR-T-Zell-Therapie gestellt; bei 34 der Patienten konnte die Leukapherese durchgeführt wurde – bei 29 Patienten mit r/r DLBCL und 5 Patienten mit BCP-ALL. 16 Patienten wurden mit Tisa-cel und 18 mit Axi-cel behandelt. Die Gesamtpopulation der Patienten war im Median 59 Jahre alt (die Patienten mit DLBCL im Median 60 Jahre und die Patienten mit BCP-ALL im Median 25 Jahre) und überwiegend in einem guten Allgemeinzustand (62% ECOG-Performance-Status 0 oder 1). Zwischen der Indikationsstellung und der Leukapherese vergingen im Median 35 Tage, zwischen der Leukapherese und der Infusion der CAR-T-Zellen im Median 39 Tage.

Bei 91% der behandelten Patienten kam es zu einem Zytokinfreisetzungssyndrom (CRS), das bei 82% von Grad 1 und 2 und nur in 9% der Fälle von Grad 3 war. Bei 44% der Patienten (48% mit DLBCL und 20% BCP-ALL) traten ICANS (immune effector cell-associated neurotoxicity syndrome) auf, die im Median 9 Tage anhielten und bei 15% von Grad 3 oder 4 waren. Patienten mit DLBCL waren mit 48% stärker von ICANS betroffen als die jüngeren Patienten mit BCP-ALL (20%). ICANS von Grad 3 oder 4 betrafen ausschließlich Patienten mit DLBCL (17%).

Das Ansprechen nach 3 Monaten konnte bei 27 der transfundierten Patienten untersucht werden. Die objektive Ansprechrate (ORR) betrug 52%, bei den Patienten mit BCP-ALL 80% und bei den Patienten mit DLBCL 45%. Insgesamt wurden 41% komplette Remissionen (CR) oder komplette Remissionen mit unvollständiger Erholung (CRi) dokumentiert. Auch hier hatten die Patienten mit BCP-ALL (60%) bessere Ergebnisse als die Patienten mit DLBCL (36%), wobei allerdings bedacht werden muss, dass die Ansprechraten bei den BCP-ALL-Patienten nach 28 Tagen ermittelt wurden, bei den DLBCL-Patienten dagegen nach 3 Monaten.

Bei Patienten mit DLBCL, die 3 Monate nach der CAR-T-Zell-Therapie noch in Remission waren, kann laut den Autoren ein längeres PFS erwartet werden (p<0,001). Als Prädiktor für ein Ansprechen und eine Remission bei Patienten mit DLBCL erwies sich in der retrospektiven Analyse zudem der LDH-Wert bei der Apherese. Patienten mit einem normalen LDL-Wert bei der Apherese lebten länger progressionsfrei als Patienten mit erhöhtem LDL-Wert (5,7 vs. 1,3 Monate; p=0,009).

Das seit Januar 2019 laufende CAR-T-Zell-Programm an der LMU München beurteilten die Autoren als erfolgreich. Neben dem LDH-Wert sollen nun weitere prädiktive Biomarker für ein dauerhaftes Ansprechen identifiziert werden.

Dr. rer. nat. Claudia Schöllmann

Quelle: EHA25 Virtual

Literatur:

(1) Bücklein V et al. CD19 CAR T-Cell Therapy For Relapsed/Refractory Diffuse Large B-Cell Lymphoma - The Munich Real Life Xperience. EHA25 Virtual, Abstract EP1511 und Poster.


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