Donnerstag, 18. Juli 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

19. Juli 2018 Plattenepithelkarzinom der Haut: Zulassungrelevante Studienergebnisse ermöglichen bald erstmalige Therapieoption

Das Melanom ist der Hautkrebs, für den ein massiver Anstieg der Inzidenz gezeigt wurde und der in der Bevölkerung beinahe synonym mit dem Begriff Hautkrebs verwendet wird. 40% der Frauen und 60% der Männer mit Hautkrebs haben jedoch einen nicht-melanotischen Tumor. Dazu gehört neben dem Merkelzellkarzinom das kutane T- oder B-Zell-Lymphom sowie das Plattenepithelkarzinom der Haut (cSCC), erläuterte Dr. Claas Ulrich, Berlin. Das cSCC ist nach dem Melanom die zweithäufigste Hautkrebstodesursache und assoziiert mit Noxen wie Aflatoxin oder Asbest, aber auch mit HPV, immunologischer Prädisposition z.B. durch Rheuma oder mit Entzündungsprozessen wie Ulcus cruris. Eine der wichtigsten Ursachen ist jedoch auch hier die UV-Strahlung: sie wirkt immunsuppressiv, vermindert die Anzahl der Langerhans-Zellen und befördert so aktinische Keratosen als Krebsvorstufe. Anfang 2019 könnte mit der erwarteten Zulassung des PD-1-Inhibitors Cemiplimab erstmals eine Therapie für das cSCC zur Verfügung stehen, sagte Ulrich.
Das cSCC wird in den meisten Krebsregistern bisher nicht erfasst – es ist im ICD 10-Diagnoseschlüssel im Sammelbegriff „C44.9“ mit enthalten. Das Robert Koch-Institut geht für 2013 von 16.881 an cSCC neuerkrankten Männern und 14.855 Frauen aus.

„Oft ist beim cSCC das Gesicht betroffen, häufig die Unterlippe. Der Tumor metastasiert schnell, zunächst in die regionalen Lymphknoten. Bei 5-20% kommt es zu Fernmetastasen mit einem Gesamtüberleben (OS) von weniger als  2 Jahren“, so Ulrich. Risikofaktoren für einen aggressiven Verlauf sind neben Immunsuppression (nach Organtransplantation, GvHD, HIV, CLL) auch höheres Alter.
 
Auf dem diesjährigen ASCO wurden zulassungsrelevante Ergebnisse zweier Studien für die Prüfsubstanz Cemiplimab zur Behandlung des fortgeschritten cSCC vorgestellt (1). Beide Studien hatten aufgrund der fehlenden Therapieoptionen keinen Vergleichsarm, erläuterte Ulrich. In der Phase-II-Studie EMPOWER-cSCC 1 sprachen 28 der eingeschlossenen 59 Patienten auf Cemiplimab an (Komplettremission (CR): n=4; Partialremission (PR): n=24). Die Krankheitskontrollrate (DCR) lag bei 61%. Bei einem medianen Follow-up von 8 Monaten wurden die mediane Ansprechdauer (DoR), das mediane progressionsfreie Überleben (mPFS) und das mOS noch nicht erreicht. 82% der Patienten, die anfänglich auf die Therapie ansprachen, sprechen immer noch auf Cemiplimab an und sind weiterhin unter dieser Medikation. Die geschätzte 12-Monats-OS-Rate betrug 81%.
 
In der Phase-I-Studie, die der Dosisfindung galt, wurde die cSCC-Patientenkohorte verlängert, 50% (n=13/26) sprachen mit einer PR auf Cemiplimab an. 65% hatten eine dauerhafte DCR und bis zum Datenstichtag wurde die DoR nach 11 Monaten Follow-up nicht erreicht. Die häufigsten Nebenwirkungen waren in beiden Studien Durchfall, Fatigue und Übelkeit.

Für Ende 2018/Anfang 2019 wird eine S3-Leitline (S2k-Leitlinie) publiziert. In diesem Zeitraum wird auch die Zulassung von Cemiplimab (REGN2810)  für die Behandlung des fortgeschritten cSCC erwartet.
 
ab

Quelle: Fachpresse-Workshop „Checkpoint-Onkologie", 05.07.2018, Berlin; Veranstalter: Sanofi Genzyme

Literatur:

1. Migden MR et al. N Engl J Med. 2018 Jun 4. doi: 10.1056/NEJMoa1805131


Das könnte Sie auch interessieren

Fortschritte durch hoch spezialisierte Medikamente

Analysenroboter, Hochleistungs-Computer, modernste Labore, Kreativität und enorme Forschungsgelder - es müssen viele Faktoren zusammenkommen, damit ein neues Medikament auf den Markt kommen kann. Die Suche nach neuen Wirkstoffen setzt bei der Krankheit an: Gibt es bestimmte Botenstoffe, Enzyme oder Hormone, die zum Beispiel bei einem bestimmten Tumor das Krebswachstum antreiben? Oder spielen bestimmte Strukturen auf der Zelloberfläche eine Rolle, sogenannte Rezeptoren,...

Vor der Darmspiegelung ist „Abführen an zwei Tagen“ am effektivsten

Vor der Darmspiegelung ist „Abführen an zwei Tagen“ am effektivsten
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Je sauberer der Darm, umso aussagekräftiger ist das Ergebnis einer Darmspiegelung zur Krebsvorsorge. Darauf weisen Experten im Vorfeld des Kongresses Viszeralmedizin 2016 in Hamburg hin. Um den Darm optimal für die „Koloskopie“ vorzubereiten, sollten Patienten auf zwei Tage verteilt eine Poly-Ethylen-Glykol-Lösung (kurz: PEG) als Abführmittel zu sich nehmen, so die Mediziner. Die Darmspiegelung gilt als eines der effektivsten Verfahren der Krebsvorsorge...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Plattenepithelkarzinom der Haut: Zulassungrelevante Studienergebnisse ermöglichen bald erstmalige Therapieoption"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO 2019
  • Metastasiertes klarzelliges RCC: Frontline-Therapie mit Pembrolizumab + Axitinib verbessert Überleben gegenüber Sunitinib auch bei intermediärem/ungünstigem Risikoprofil und Tumoren mit sarkomatoiden Anteilen
  • Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab nach einer Erstlinienchemotherapie verzögert Progress beim metastasierten Urothelkarzinom
  • Fortgeschrittenes Magenkarzinom und AEG: Pembrolizumab ist Standard-Chemotherapie nicht unterlegen bei besserer Verträglichkeit
  • Ermutigende Ergebnisse mit Pembrolizumab in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-001 Studie bestätigen langanhaltenden Überlebensvorteil durch Pembrolizumab beim fortgeschrittenen NSCLC
  • Pembrolizumab + Chemotherapie firstline bei metastasiertem nicht-plattenepithelialen NSCLC: Medianes OS, PFS und PFS2 nahezu verdoppelt
  • Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Kombination Pembrolizumab + Lenvatinib wird in Phase-III-Studie getestet
  • Metastasiertes Melanom: Immunbedingte Nebenwirkungen unter Pembrolizumab assoziiert mit längerem rezidivfreien Überleben
  • Pembrolizumab + Platin-basierte Chemotherapie oder Pembrolizumab als Monotherapie erfolgreich in der Erstlinie bei rezidivierenden/metastasierenden Kopf-Hals-Tumoren