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Medizin

12. Dezember 2018 Pilozytisches Astrozytom: Onkogen-induzierte Seneszenz wird durch Entzündungsbotenstoffe reguliert

Eine Gruppe von Entzündungsbotenstoffen verlangsamt bzw. stoppt sogar das Wachstum bestimmter Hirntumoren, wie Wissenschaftler des Hopp-Kindertumorzentrums Heidelberg (KiTZ) zusammen mit 2 weiteren Teams des Deutschen Krebskonsortiums (DKTK) und Forschern aus England gezeigt haben. Dieser molekulare Mechanismus könnte den Schlüssel zu neuen Therapieansätzen darstellen.
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Das pilozytische Astrozytom (PA) ist ein Hirntumor, der häufig im Kindesalter vorkommt und zu den niedriggradigen Gliomen zählt. Er wächst langsam und ist in vielen Fällen gut behandelbar, insbesondere wenn es gelingt, den Tumor vollständig zu entfernen. Ein genetischer Schutzmechanismus, die Onkogen-induzierte Seneszenz (OIS), stoppt oder beeinträchtigt die Vermehrung der Tumorzellen. Sie wird als Ursache für das langsame Tumorwachstum im PA betrachtet. „In unseren Untersuchungen am Zellmodell konnten wir zeigen, dass die OIS im pilozytischen Astrozytom durch eine Gruppe von Proteinen, genauer gesagt Entzündungsbotenstoffen, reguliert wird“, erklärt Juliane Buhl, Wissenschaftlerin im KiTZ und Erstautorin der Publikation, die die Forschungsergebnisse nun in Clinical Cancer Research präsentiert (1). „Die Messung dieser Faktoren könnte künftig helfen, das Fortschreiten des Tumorwachstums besser einzuschätzen.“

Darüber hinaus eröffnen sich durch die Kenntnis dieses molekularen Bremsmechanismus neue Therapieansätze. Till Milde, Gruppenleiter am KiTZ, DKTK-Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und Oberarzt am Universitätsklinikum Heidelberg, erläutert: „Unsere Entdeckung macht klar, warum sich viele Tumoren über lange Zeit in einer Ruhephase befinden, in der sie kaum auf eine Chemotherapie ansprechen. Wir gehen jedoch davon aus, dass wir die Zellen mit bestimmten Medikamenten, sog. Senolytika, spezifisch angreifen können. Basierend auf diesen Ergebnissen überprüfen wir aktuell die Möglichkeit einer klinischen Studie mit Senolytika in kindlichen PAs.“

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum

Literatur:

(1) Buhl JL, Selt F, Hielscher T et al.
The senescence-associated secretory phenotype mediates oncogene-induced senescence in pediatric pilocytic astrocytoma.
Clinical Cancer Research 2018.
doi:10.1158/1078-0432.CCR-18-1965.


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