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Medizin

17. Mai 2018 Personalisierte Medizin – der Schlüssel zum maximalen Behandlungserfolg?

Anlässlich der 6. TEN.-Convention trafen sich am Donnerstagabend Entscheider der Gesundheitsbranche im Kongresshaus Heidelberg, um über die Chancen und Herausforderungen von personalisierter Medizin und Precision Software zu diskutieren.
Angelina Jolie machte es 2013 vor: Auf Grund eines Gentests, der ihr voraussagte, mit einer Wahrscheinlichkeit von 87% an Brustkrebs vor dem 40. Lebensjahr zu erkranken, ließ sie sich prophylaktisch beide Brüste amputieren. Ein mutiger Schritt, der die Möglichkeiten von personalisierter Medizin auch der breiten Öffentlichkeit bekannt machte. Mit diesem Beispiel eröffnete Prof. Dr. Jochen Maas, Leiter R&D der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, auf der 6. Convention von TEN. The E-Health-Network seinen Vortrag zum Thema „Personalisierte Medizin, Hip, Hope or Hype?“. In der personalisierten Medizin werde versucht, verschiedene Patienten passgenau zu behandeln, um so die Effektivität, Sicherheit und Dosierung von Arzneimitteln zu verbessern. Phenotyping und Genotyping spielten dabei eine essentielle Rolle, um bessere Behandlungsmöglichkeiten zu erreichen. Aber „zielgerichtete und angepasste Therapie an den Krankheitsverlauf“, warnt Prof. Dr. Maas, „verursacht hohe Kosten", die das Gesundheitssystem stark belasten würden. „Dafür müssen wir noch eine Lösung finden!“, weiß Prof. Dr. Maas. Auch die ethische Frage, ob der Patient ein Recht darauf haben sollte, seine Erkrankungswahrscheinlichkeit zu erfahren, bringe große Herausforderungen mit sich. Habe die breite Bevölkerung die Gesundheitskompetenz, mit solchen Informationen angemessen umzugehen? Und gebe es ein Recht auf Nichtwissen? „Wenn wir all diese Fragen nicht lösen, dann werden uns in der Wissenschaft andere Länder überholen“, mahnt Prof. Dr. Maas.

Zwar sei die personalisierte Medizin auf einem guten Weg, jedoch fehle der letzte Schritt um vorhandene Informationen in Wissen zu transformieren. Dafür brauche es unter anderem Systeme, die mit Artificial Intelligence und Machine Learning Methoden, die erhobene Daten auswerten.

Mit diesem Thema befasste sich der zweite Vortrag des Abends „Precision Software“. „Wie kann mithilfe von Software Patienten am besten geholfen werden?“ Diese Frage stellte Matthias von Borstel, Leiter der Produktentwicklung der Gotthardt Healthgroup AG und klärte auf: „Hierbei müssen zwei Arten von Software unterschieden werden: Software, die direkt vom Patienten genutzt werden kann und Software für Ärzte, die dem Patienten zu Gute kommt, wenn er seinen Arzt konsultiert.“ Diese zweite Software, die direkt von Ärzten genutzt wird, bezeichnete Herr von Borstel als „Precision Software“.

Von Borstel betonte jedoch, dass Precision Software nicht den Arzt ersetze, sondern ihn in seiner medizinischen Expertise unterstütze. Die Herausforderung bestehe darin, die Precision Software so zu entwickeln, dass sie sich dem in der Praxis individuellen Dokumentationsverhalten der Ärzte anpasst, stets die aktuellen Leitlinien und Wissenschaftlichen Erkenntnisse und auch individuelle Nutzergewohnheiten berücksichtigt. Ziel für Precision Software solle sein, dass sie sich individuell an den User anpasse, ohne dass sie umständlich und zeitaufwendig konfiguriert werden müsse. „Das ist eine wesentliche Individualisierungsmaßnahme“, betont von Borstel, denn „Software kann erst dem Patienten helfen, wenn sie auch genutzt wird.“

In der anschließenden TEN.-TED Befragung stimmte eine klare Mehrheit des Plenums (64%) zu, dass Precision Software für den Einsatz von Precision Medizin notwendig sei. Jedoch gaben 35% der Teilnehmer zu bedenken, dass der Einsatz von Precision Software für Ärzte und Patienten erst in 20 Jahren zur Routine gehöre. Dahingegen meinten 45%, dass diese das Arzt-Patienten-Verhältnis verbessere. Die Frage, was personalisierte Medizin für Patienten bedeute, wurde im Plenum kontrovers diskutiert. Dennoch waren sich alle ziemlich sicher (80%): Die Zukunft der Medizin kann nur maßgeschneidert sein.

Im Anschluss an die Diskussionsrunde konnten sich die Teilnehmer miteinander vernetzen und spannende Gespräche rund die Gesundheitsbranche führen. Hierbei trafen unter anderem medizinische Praktiker und Wissenschaftler, Akteure aus der pharmazeutischen Industrie, der Selbstverwaltung, der IT-Wirtschaft, dem Verlagswesen und auch Start-up-Unternehmer aufeinander.

Quelle: Gotthardt Healthgroup AG


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