Donnerstag, 22. August 2019
Navigation öffnen

Medizin

03. Juni 2018 Patienten mit fortgeschrittenem Urothelkarzinom, die nicht für eine Cisplatin-Therapie geeignet sind, profitieren langfristig von Pembrolizumab in der Erstlinie

Die Langzeitdaten der Phase-II-Studie KEYNOTE-052, der größten Studie zur Behandlung von in der metastasierten Situation therapienaiven Patienten mit fortgeschrittenem Urothelkarzinom, die nicht für eine Platin-basierte Chemotherapie in Frage kommen, bestätigen die bei ASCO 2017 vorgestellten vielversprechenden Ergebnisse der Studie (1). Auch im Langzeit-Follow-Up zeigte sich ein klinisch relevantes und langanhaltendes Ansprechen der Patienten auf die Erstlinienbehandlung mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab (KEYTRUDA®). Dabei erwies sich Pembrolizumab weiterhin als gut verträglich, wie im Rahmen einer Poster Session bei der 54. ASCO-Jahrestagung in Chicago/IL, USA, berichtet wurde (2).
Aufgrund von Komorbiditäten, einer Niereninsuffizienz oder Platin-induzierten Nebenwirkungen der primären Chemotherapien wie Neuropathien Grad ≥ 2 oder Hörverlust kommen viele Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasierendem Urothelkarzinom nicht für eine Platin-basierte Chemotherapie in der metastasierten Situation in Frage. Die Phase-II-Studie KEYNOTE-052 untersuchte, ob diese Patienten möglicherweise von einer Behandlung mit Pembrolizumab in der Erstlinie profitieren. 370 Patienten erhielten 200 mg Pembrolizumab alle 3 Wochen für bis zu 24 Monate. Primärer Endpunkt der Studie war die objektive Ansprechrate (ORR), ermittelt durch einen unabhängigen Review gemäß den RECIST-v1.1-Kriterien.

Wirksamkeit und Verträglichkeit von Pembrolizumab wurden bei 370 Patienten mit einem medianen Alter von 74 Jahren ausgewertet. 11% der Patienten waren älter als 85 Jahre, 42% befanden sich in einem reduzierten Allgemeinzustand und 85% hatten viszerale Metastasen. Nach einem medianen Follow-up von 11,5 Monaten (Datenschnitt 30. November 2017) betrug die ORR 28,9% (95%-KI: 24,3-33,8), darunter 30 (8%) Patienten mit komplettem Ansprechen, 77 (21%) Patienten mit partiellem Ansprechen und 67 (18%) Patienten mit Krankheitsstabilisierung. Die mediane Dauer des Ansprechens war noch nicht erreicht.

Das mediane Gesamtüberleben (OS) lag bei 11,5 Monaten (95% KI:10,0-13,3) in der Gesamtpopulation der Patienten. 47,5% der Patienten überlebten mehr als ein Jahr. Bei den 110 Patienten mit einer höheren PD-L1-Expression, die oberhalb eines Schnittpunkts von 10% (CPS ≥ 10%) lag, betrug die bestätigte objektive ORR 47,3% (95% KI: 37,7-57,0) und das mediane OS 18,5 Monate (95% KI: 12,2-NR).

Bei den 51 Patienten, die keine viszeralen Metastasen, sondern lediglich Lymphknotenmetastasen hatten, wurde das mediane OS noch nicht erreicht. Bei den 214 Patienten in gutem Allgemeinzustand (ECOG PS0/1) lag das mediane OS bei 13,1 Monaten (95% KI: 11,0-16,8) gegenüber einem medianen OS von 9,7 Monaten (95% KI: 5,7-11,6) bei den 156 Patienten mit einem ECOG PS von 2. Jüngere Patienten unter 65 Jahren überlebten im Mittel etwas länger als Patienten, die 65 Jahre oder älter waren (15,7 vs. 11,9 Monate).

Bei 68% der Patienten kam es zu Nebenwirkungen, am häufigsten Fatigue (18%), Juckreiz (18%) und Hautausschlag (12%). Immunassoziierte Nebenwirkungen und Infusionsreaktionen traten bei 29% der Patienten auf, am häufigsten Hypothyreose (11%), Pneumonie (4%), Hyperthyreose (3%) und Kolitis (3%). 10% der Patienten brachen die Behandlung nebenwirkungsbedingt ab, 5% davon wegen schwerer Nebenwirkungen.

Zusammenfassend bestätigen die Langzeit-Daten der KEYNOTE-052-Studie nach Ansicht der Autoren die Wirksamkeit und gute Verträglichkeit der Erstlinien-Immuntherapie mit Pembrolizumab bei Patienten, die aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen in der metastasierten Situation keine Therapie mit Cisplatin erhalten können. Die Bedeutung einer hohen PD-L1-Expression (CPS ≥ 10%), die in dieser Studie mit einem längeren Überleben einherging, sollte nach Ansicht der Autoren weiter evaluiert werden.

red

Quelle: ASCO 2018

Literatur:

(1) O‘Donnell PH et al. Biomarker findings and mature clinical results from KEYNOTE-052: First-line pembrolizumab (pembro) in cisplatin-ineligible advanced urothelial cancer (UC). J Clin Oncol 35, 2017 (suppl; abstr 4502)
(2) Vuky J et al. Updated efficacy and safety of KEYNOTE-052: A single-arm phase 2 study investigating first-line pembrolizumab (pembro) in cisplatin-ineligible advanced urothelial cancer (UC). J Clin Oncol 36, 2018 (suppl; abstr 4524)


Das könnte Sie auch interessieren

Brustkrebs: Wissen schafft Mut

Brustkrebs: Wissen schafft Mut
© drubig-photo / Fotolia.com

Jede zehnte Frau in Deutschland ist im Laufe ihres Lebens von Brustkrebs betroffen. Damit ist das Mammakarzinom mit 65.500 Neuerkrankungen pro Jahr der häufigste Tumor bei Frauen. Die Diagnose wirft Fragen auf: Welche Therapie ist die richtige? Wo bekomme ich Hilfe? Die Deutsche Krebshilfe unterstützt Krebspatienten bei ihrem Kampf gegen die Erkrankung. Sie bietet allen Betroffenen eine kostenfreie telefonische Beratung an und hält allgemeinverständliche...

Brustkrebs: Forscher wollen krankheitsauslösende Gene identifizieren

Brustkrebs: Forscher wollen krankheitsauslösende Gene identifizieren
© Photographee.eu / fotolia.com

Jede zehnte Frau in Deutschland, die an Brustkrebs erkrankt, ist noch keine 45 Jahre alt. Experten vermuten, dass viele der jungen Betroffenen erblich vorbelastet sind: Sie sind Trägerinnen eines oder mehrerer schädlich veränderter Gene, die den Tumor entstehen lassen. Die bereits bekannten Hochrisikogene wie etwa BRCA1 oder BRCA2 sind allerdings nur für höchstens ein Viertel der Fälle bei jungen Frauen verantwortlich. Ein Hamburger Forscherteam macht sich nun...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Patienten mit fortgeschrittenem Urothelkarzinom, die nicht für eine Cisplatin-Therapie geeignet sind, profitieren langfristig von Pembrolizumab in der Erstlinie"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


ASCO 2019
  • Metastasiertes klarzelliges RCC: Frontline-Therapie mit Pembrolizumab + Axitinib verbessert Überleben gegenüber Sunitinib auch bei intermediärem/ungünstigem Risikoprofil und Tumoren mit sarkomatoiden Anteilen
  • Erhaltungstherapie mit Pembrolizumab nach einer Erstlinienchemotherapie verzögert Progress beim metastasierten Urothelkarzinom
  • Fortgeschrittenes Magenkarzinom und AEG: Pembrolizumab ist Standard-Chemotherapie nicht unterlegen bei besserer Verträglichkeit
  • Ermutigende Ergebnisse mit Pembrolizumab in der Zweitlinientherapie des fortgeschrittenen HCC
  • 5-Jahres-Daten der KEYNOTE-001 Studie bestätigen langanhaltenden Überlebensvorteil durch Pembrolizumab beim fortgeschrittenen NSCLC
  • Pembrolizumab + Chemotherapie firstline bei metastasiertem nicht-plattenepithelialen NSCLC: Medianes OS, PFS und PFS2 nahezu verdoppelt
  • Fortgeschrittenes Endometriumkarzinom: Kombination Pembrolizumab + Lenvatinib wird in Phase-III-Studie getestet
  • Metastasiertes Melanom: Immunbedingte Nebenwirkungen unter Pembrolizumab assoziiert mit längerem rezidivfreien Überleben
  • Pembrolizumab + Platin-basierte Chemotherapie oder Pembrolizumab als Monotherapie erfolgreich in der Erstlinie bei rezidivierenden/metastasierenden Kopf-Hals-Tumoren