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Medizin

29. März 2018 Paradigmenwechsel in der Prostatakrebs-Diagnostik

Eine internationale Studie, an der auch die Urologie der Universitätsmedizin Essen führend beteiligt ist, stößt einen Paradigmenwechsel in der Prostatakrebs-Diagnostik an: Wie die Ergebnisse der multinationalen Precision-Studie belegen, liefert die Kombination aus einer MRT-Untersuchung mit anschließender alleiniger gezielter Fusionsbiopsie präzisere Ergebnisse als die herkömmliche ultraschallgesteuerte Biopsie zur Erkennung von Prostatakrebs. Prostatakrebs ist bei Männern immer noch die häufigste Krebserkrankung. Jährlich gibt es allein in Deutschland knapp 60.000 Neuerkrankungen. Etwa 10.000 Männer sterben pro Jahr an Prostatakrebs.
In der Precision-Studie wurden in den vergangenen zwei Jahren 500 Männer mit erhöhtem PSA-Wert im Blut – und damit Prostatakrebs-Verdacht – je zur Hälfte mit einer MRT-Untersuchung samt gezielter Fusionsbiopsie oder mit einer herkömmlichen, in den interdisziplinären S3-Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V vorgesehenen ultraschallgesteuerten Biopsie untersucht. Bei Letzterer werden mit einer Nadel systematisch, aber ungezielt 10-12 Gewebeproben aus der Prostata entnommen.

Von den Männern in der Studie, die die MRT-Untersuchung erhielten, hatten knapp 30% einen unauffälligen Befund. Ihnen blieb damit die standardmäßig angewandte Biopsie komplett erspart. Die Männer mit auffälligen Blutwerten, die mit dem bislang gängigen Verfahren behandelt wurden, wurden dagegen alle biopsiert.

Auf Basis der MRT-Daten und mit einer alleinigen gezielten Biopsie in den zuvor als auffällig identifizierten Arealen wurde im neuen Verfahren bei 38% der Männer eine klinisch relevante Krebserkrankung diagnostiziert. Beim zweiten Verfahren mit Standardbiopsie wurden nur bei jedem vierten Mann (26%) aggressive Tumore gefunden.

„Die Ergebnisse der Studie zeigen beeindruckend, dass die Risikobewertung eines Prostatakrebs-Verdachts per MRT und einer auf deren Ergebnissen basierenden Biopsie deutlich präziser ist, als die bislang praktizierte ultraschallgesteuerte Biopsie mit zehn bis zwölf Untersuchungspunkten. Die unauffälligen MRT-Befunde wiederum reduzieren gleichzeitig die Zahl unnötiger Biopsien und damit die körperliche Belastung für die Untersuchten. Wenn die Ergebnisse der Precision-Studie auf die derzeit pro Jahr in Europa eine Million durchgeführten Prostatabiopsien hochgerechnet werden, bedeutet dies, dass knapp 300.000 Männer weniger biopsiert werden müssen und gleichzeitig gut 100.000 potentiell lebensbedrohliche Prostatakarzinome mehr entdeckt werden. Darüber hinaus werden durch das gezielte Vorgehen gut 50% weniger ungefährliche Tumoren entdeckt, die für betroffene Männer keine Gefahr darstellen, aber Krebsangst erzeugen“, betont Prof. Dr. Boris Hadaschik, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie, Kinderurologie und Uroonkologie am Universitätsklinikum Essen und Co-Autor und Mitverfasser der Studie.

Die Precision-Studie belegt erstmals mit höchster wissenschaftlicher Evidenz, was Vorarbeiten schon vermuten ließen. Die neue Studie, an der Wissenschaftler aus u.a. den USA, Kanada, Argentinien und zahlreichen EU-Ländern mitgearbeitet haben, wurde kürzlich im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht und gerade beim Europäischen Urologen-Kongress in Kopenhagen vorgestellt. Zur Precision-Studie gehört ein Begleitprojekt, das mit einer Kosten-Nutzen-Analyse die unterschiedlichen Biopsie-Strategien bewerten wird. Zudem ist eine Langzeit-Beobachtung der Studien-Teilnehmer geplant. Erwähnenswert ist, dass ausschließlich erfahrene Zentren mit hoher radiologischer und urologischer Expertise bei der Studie mitgearbeitet haben.

Quelle: Universitätsmedizin Essen


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