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Medizin

10. Februar 2017 PIPAC und PITAC: Chemotherapielösung als Druckaerosol

Als neueste Form der Behandlung von fortgeschrittenem Krebsleiden haben sich für das Bauchfell die PIPAC (Pressurized IntraPeritoneal Aerosol Chemotherapy) und für das Rippenfell die PITAC (Pressurized IntraThoracic Aerosol Chemotherapy) herausgebildet. Die Klinik für Viszeral- Transplantations-, Thorax und Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Leipzig stellt betroffenen Patienten beide Verfahren zur Verfügung. Erstmals in Mitteldeutschland wurden nun auch bei einem Patienten PITAC und PIPAC kombiniert. Dem Patienten konnte so bei nur einem Eingriff gleich mit beiden Methoden geholfen werden.
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Fachinformation
Lange Zeit galt die Aussaat des Tumors auf das Bauch- oder Rippenfell als ein derart fortgeschrittener Zustand, bei dem ausschließlich eine Chemotherapie in Frage kam. Erst mit der Einführung der Verfahren HIPEC (Hypertherme IntraPEritoneale Chemotherapie) am Bauchfell und HITOC (Hypertherme IntraThorakale Chemotherapie) am Rippenfell konnten sich neue Methoden etablieren. Hierbei wird nach der chirurgischen Entfernung des sichtbaren Tumorgewebes der operierte Raum mit einer erwärmten Chemotherapielösung durchspült. Die positiven Effekte einer langfristigen Tumorkontrolle durch diese kombinierten Verfahren wurden bereits in Studien nachgewiesen.

Sind jedoch die Möglichkeiten bei der chemotherapeutischen Standardbehandlung ausgereizt und der Tumorbefall noch nicht zu weit fortgeschritten, kommen die Verfahren PIPAC und PITAC in Frage. Hier verzichten die Ärzte weitgehend auf die Entfernung des befallenen Gewebes. Statt als flüssige Chemotherapielösung steht das Medikament als feiner Nebel zur Verfügung. Dieser wird minimal-invasiv mit leichtem Druck, ähnlich einer Windböe, und einer Einwirkzeit von 30 Minuten in den befallenen Körperbereich gegeben. Das sogenannte Druckaerosol verteilt sich so auch in kleine Ecken und Winkel und erreicht eine gezielte Wirkung am gewünschten Ort.

PIPAC und PITAC seien jedoch keine Standardtherapien und ihre Anwendung immer Einzelfallentscheidungen nach Rücksprache mit dem Patienten, betont Dr. Boris Jansen-Winkeln, leitender Oberarzt in der Viszeralchirurgie. Auch wenn bisher bereits über 50 Patienten mit dem PIPAC-Verfahren behandelt worden seien, bleibe es ein experimentelles Verfahren. "Wir können noch nicht sicher sagen, wie der genaue Nutzen für den einzelnen Patienten ist", so der Experte, "wir schauen da kritisch hin."

Dr. Sebastian Krämer, Oberarzt in der Thoraxchirurgie, sieht die PITAC nach den ersten beiden Anwendungen als Ergänzung für individuelle Behandlungskonzepte: "Es ist gut, neue innovative Methoden als zusätzliche Werkzeuge im Angebot zu haben."

Beide UKL-Ärzte sind sich einig: Obwohl vom Charakter her palliativ, werde durch eine OP mit diesen Verfahren die Lebensqualität des Patienten nicht beeinträchtigt und im besten Fall die Lebenszeit verlängert.

Die Behandlung von Patienten mit einer solch fortgeschrittenen Tumorerkrankung verlangt immer nach einer Einbindung verschiedener Fachdisziplinen. Eine Entscheidung, ob die Behandlung mit PIPAC oder PITAC für den jeweiligen Patienten in Frage kommt, wird daher in einem Kreis von Experten im so genannten Tumorboard abgestimmt. In den Sitzungen des Tumorboards treffen sich Onkologen, Radiologen, Strahlentherapeuten, Gastroenterologen, Pathologen und natürlich Viszeral- und Thoraxchirurgen und besprechen die einzelnen Fälle. "Etwa fünf Patienten fragen pro Woche nach einer Behandlung mit PIPAC an, doch nur bei zweien empfehlen wir es auch", erklärt Oberarzt Jansen-Winkeln. "Es muss auch aus Sicht der Leistungsfähigkeit des Patienten sinnvoll sein", ergänzt Oberarzt Krämer.

Die kürzlich erfolgte gleichzeitige Behandlung des Bauchraumes mit PIPAC und des Brustraumes mit PITAC bei einem Patienten war die erste derartige Doppel-Operation in Mitteldeutschland. Dr. Jansen-Winkeln und Dr. Krämer sehen darin zwei vielversprechende OP-Ansätze in einer Operation, oder anders ausgedrückt, die Belastung einer OP, jedoch mit doppeltem Nutzen.

Quelle: Universitätsklinikum Leipzig


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