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Medizin

01. Oktober 2019 PD-L1-positives NSCLC: Pembrolizumab-Monotherapie bei Patienten mit und ohne Hirnmetastasen vergleichbar wirksam

Verschiedene klinische Studien haben den Überlebensvorteil einer Monotherapie mit dem Immuncheckpoint-Inhibitor Pembrolizumab (KEYTRUDA®) im Vergleich zu einer Standard-Chemotherapie bei Patienten mit PD-L1-positivem (tumor proportion score, TPS ≥ 1%) beim nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) gezeigt (1-5). Nun wurde im Rahmen des ESMO-Kongresses 2019 in Barcelona, Spanien, eine gepoolte Analyse der Studien KEYNOTE-001, -010, -024 und -042 vorgestellt, in der die Wirksamkeit und Sicherheit einer Pembrolizumab-Monotherapie in verschiedenen Therapielinien bei Patienten mit PD-L1-positivem NSCLC mit und ohne Hirnmetastasen verglichen wurden (6).
Hirnmetastasen treten bei rund 35% der Patienten mit metastasiertem NSCLC auf und sind mit einer schlechten Prognose für die Patienten assoziiert. Da einige Beobachtungsstudien Hinweise darauf ergeben hatten, dass auch Patienten mit Hirnmetastasen von einer Checkpoint-Inhibition profitieren, wurde diese Frage in einer retrospektiven Analyse der Studien KEYNOTE-001, -010, -024 und -042 näher beleuchtet. In den 4 Studien hatten Patienten mit PD-L1-positivem NSCLC entweder eine Monotherapie mit Pembrolizumab (2 mg/kg, 10 mg/kg oder 200 mg alle 3 Wochen oder 10 mg/kg alle 2 Wochen) oder eine Chemotherapie erhalten – Docetaxel, falls die Patienten vorbehandelt waren, und eine Platin-basierte Chemotherapie im Falle des Erstlinieneinsatzes (1-5). In den Studien hatte sich ein Überlebensvorteil für die Patienten mit PD-L1-positiven Tumoren gegenüber der zytostatischen Vergleichsmedikation gezeigt (1-5).

Beim ESMO-Kongress in Barcelona stellte Dr. Aaron S. Mansfield, Rochester, MN, USA, im Rahmen einer Proffered Paper Session eine gepoolte, explorative Analyse der vier Studien vor, in der der Therapieerfolg der Checkpoint-Inhibition im Vergleich zur Chemotherapie bei Patienten mit PD-L1-positiven Tumoren mit und ohne Hirnmetastasen verglichen wurde (6).  Bei den Patienten mit Hirnmetastasen musste sichergestellt sein, dass diese bereits vor Therapiebeginn vorhanden waren und behandelt wurden. In der Analyse war das systemische Ansprechen der Patienten ebenso ihr Ansprechen im Hinblick auf die Hirnmetastasen nach RECIST v1.1-Kriterien in einem unabhängigen zentralen Review ermittelt worden.
 
Wie Mansfield berichtete, umfasste die Analyse 3.170 Patienten, davon 293  mit Hirnmetastasen (Pembrolizumab: n=199; Chemotherapie: n=94) mit und 2.877 ohne Hirnmetastasen (Pembrolizumab: n=1.754; Chemotherapie: n=1.123). Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 12,9 Monate. Die Pembrolizumab-Monotherapie erwies sich laut Mansfield bei Patienten mit und ohne Hirnmetastasen als ähnlich wirksam und zeigte in beiden Gruppen einen Vorteil gegenüber der Chemotherapie. Die Hazard Ratios (HR) für das Gesamtüberleben (OS) und das progressionsfreie Überleben (PFS) lagen unter dem Wert von 1, unabhängig davon, ob die Patienten zu Therapiebeginn Hirnmetastasen aufwiesen oder nicht. Das mediane OS lag für die Patenten mit Hirnmetastasen bei 13,4 Monaten unter Pembrolizumab und 10,3 Monaten unter der Chemotherapie (HR=0,83; 95%-KI: 0,62-1,10) gegenüber 14,8 vs. 11,3 Monaten bei den Patienten ohne Hirnmetastasen (HR=0,78; 95%-KI: 0,71-0,85). Die HR für das PFS zeigten ähnliche Ergebnisse (HR=0,96 mit und HR=0,91 ohne Hirnmetastasen). Auch in der Population der Patienten mit hoher PD-L1-Expression (TPS ≥ 50%) wurden keine relevanten Unterschiede zwischen den NSCLC-Patienten mit und ohne Hirnmetastasen dokumentiert, wenngleich der Überlebensbenefit unter Pembrolizumab mono im Vergleich zur Chemotherapie bei den Hochexprimierern insgesamt ausgeprägter war.

Im Hinblick auf die Gesamtansprechrate (ORR) unterscheiden sich Patienten mit und ohne Hirnmetastasen ebenfalls kaum (26,1% unter Pembrolizumab vs. 18,1% unter Chemotherapie mit Hirnmetastasen und 25,8% vs. 22,2% ohne Hirnmetastasen). Die ORR-Vorteile zugunsten von Pembrolizumab waren bei den Patienten mit TPS ≥ 50% erwartungsgemäß ausgeprägter als in der TPS ≥ 1%-Population, aber dieses traf für Patienten mit und ohne Hirnmetastasen gleichermaßen zu. Die Pembrolizumab Monotherapie erwies sich darüber hinaus bei Patienten mit und ohne Hirnmetastasen als vergleichbar verträglich. Es wurden keine neuen Sicherheitssignale identifiziert.

Mansfield zog aus den Daten den Schluss, dass Pembrolizumab bei Patienten mit fortgeschrittenem PD-L1-positiven NSCLC zu besseren klinischen Therapieergebnissen führt als eine Chemotherapie – unabhängig davon, ob bei den Patienten zu Beginn der Therapie Hirnmetastasen vorliegen oder nicht.

 

CS

Quelle: ESMO 2019

Literatur:

(1) Herbst RS et al. Lancet 2016; 387(10027).1540-1550
(2) Herbst RS et al. Ann Oncol 2019;30(2):281-289
(3) Mok TSK et al. Lancet 2019;393(10183):1819-1830
(4) Garon EB et al. J Clin Oncol 36, 2018 (suppl; abstr LBA 9516) und Arbour KC. Vortrag bei der Poster Discussion Session „Lung Cancer – Non Small Cell Metastatic“, ASCO 2019
(5) Reck M et al. J Clin Oncol. 2019;37(7):537-546
(6) Mansfield A et al. Outcomes with Pembrolizumab (Pembro) Monotherapy in Patients (Pts) with PD-L1–Positive NSCLC with Brain Metastases: Pooled Analysis of KEYNOTE-001, -010, -024, and -042. ESMO 2019, Abstract #1482O


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