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Medizin

28. November 2019 Ovarialkarzinom: Regional begrenzte hochkonzentrierte Chemotherapie verbessert Lebensqualität

Tumoren der Eierstöcke zählen zu den aggressivsten Krebsarten bei Frauen und stehen an fünfter Stelle aller gynäkologischen Tumorerkrankungen. Oft wird die Erkrankung erst sehr spät erkannt und ist dann kaum noch beherrschbar. Nur etwa ein Drittel der Patientinnen überlebt die 5 Jahre nach der Erstdiagnose. Haben sich bereits Metastasen im Bauchraum gebildet, hilft oft nur noch eine radikale Entfernung verschiedener Organe und Organteile mit anschließender Chemotherapie, was mit schweren Nebenwirkungen einhergeht und die Lebensqualität stark beeinträchtigt. Eine aktuelle Studie an der onkologischen Fachklinik Medias-Klinikum in Burghausen zeigt nun, dass sich Lebensqualität und Überlebenszeit mit einer speziellen regional begrenzten hochkonzentrierten Chemotherapie deutlich verbessern lassen.
Jährlich erkranken in Deutschland rund 9.600 Frauen am Krebs der Eierstöcke, der pro Jahr etwa 5.500 Patientinnen das Leben kostet. Damit stellt dieser Tumor die Haupttodesursache aller Krebserkrankungen bei Frauen dar. Hauptgrund für die hohe Sterblichkeit ist vor allem, dass die Erkrankung in rund 70% der Fälle erst in späten Stadien erkannt wird, da sie bis dahin weitgehend symptomfrei verläuft. Oft haben sich dann bereits Metastasen im Bauchfell und in Organen wie Leber, Bauchspeicheldrüse oder Milz gebildet. Die Überlebensprognose ist in diesen Fällen schlecht und liegt – je nach Stadium bei der Diagnose – oft nur bei wenigen Monaten. Metastasen im Bauchfell führen zudem zu großen Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum, dem Aszites, der mit starken Schmerzen verbunden sein kann. Die Standardtherapie sieht eine möglichst vollständige Entfernung des Tumors mit anschließender Chemotherapie vor. Trotz Therapie treten jedoch bei fast der Hälfte der Patientinnen innerhalb von 2 Jahren erneut Tumoren auf, die dann häufig nicht mehr operiert werden können und eine Resistenz gegen eine erneute Chemotherapie zeigen.

„Eine solche Resistenz lässt sich in der Regel nur durch eine extrem hohe Konzentration chemotherapeutischer Substanzen durchbrechen“, erläutert Prof. Dr. Karl Aigner, Ärztlicher Direktor des Medias-Klinikums in Burghausen, und ergänzt: „Dies ist allerdings mit einer Chemotherapie, die standardmäßig über einen venösen Zugang und den gesamten Blutkreislauf durchgeführt wird, nicht möglich. Die extrem hohe Konzentration würde auch das gesunde Gewebe der Patientin massiv schädigen.“ Genau hier setzt ein spezielles Verfahren an, das am Medias-Klinikum bei Patientinnen mit inoperablen und chemoresistenten Tumoren im Rahmen einer Studie untersucht wurde.

Lokale Begrenzung der Chemotherapie lindert Nebenwirkungen

Das Prinzip der „Hypoxischen Abdominalen Perfusions-Chemotherapie“ (HAP) ist eine lokal bzw. regional begrenzte Anwendung einer hochkonzentrierten Chemotherapie mit anschließender Entfernung der Medikamente aus dem Blut, sodass es nicht zu einer Belastung des gesamten Organismus kommen kann. „Auf diese Weise können wir vielfach höhere Konzentrationen der Chemotherapeutika im Tumor und den Metastasen erreichen, als dies mit einer Chemotherapie über den gesamten Blutkreislauf möglich wäre, und in vielen Fällen eine Resistenz durchbrechen“, erläutert Prof. Aigner, der das Verfahren maßgeblich mitentwickelt hat. Dazu wird die Blutversorgung der von Tumor und Metastasen betroffenen Region für kurze Zeit vom restlichen Kreislauf abgekoppelt und mit einer hohen Konzentration chemotherapeutischer Medikamente geflutet. Nach einer Einwirkzeit von etwa 15 Minuten werden die Medikamente wieder aus dem Blut der isolierten Region mit einem speziellen Filtrationsverfahren entfernt und der Gesamtblutkreislauf wiederhergestellt. Durch die nur regionale Anwendung der Chemotherapie mit anschließender Filtration der Medikamente treten bei diesem Verfahren nur geringe bis keine Nebenwirkungen wie Knochenmarkssuppression, Leistungsknick oder Haarausfall auf.

Vielversprechende Studienergebnisse

Untersucht wurde die Wirksamkeit dieses Verfahrens bei 45 Patientinnen mit inoperablen, chemoresistenten Tumoren der Eierstöcke in späten Stadien, Metastasen im Bauchfell und in verschiedenen Organen, sowie ausgeprägtem Aszites. Alle Patientinnen hatten sich vorher bereits in anderen Kliniken mehreren Standardtherapien unterzogen. Anhand eines speziellen Tumormarkers konnte gezeigt werden, dass über 70% der Tumoren gut auf die Behandlung ansprachen. Bei über 70% der Patientinnen verschwand die teils massive Aszites oder konnte nach bereits 2 Anwendungen der regionalen Chemotherapie deutlich reduziert werden. Die mediane Überlebenszeit über alle Tumorstadien hinweg lag mit knapp 12 Monaten etwa doppelt so hoch, wie in anderen Studien. Alle Patientinnen wurden nach verschiedenen Parametern hinsichtlich der Lebensqualität wie Durchfall und Übelkeit, Haarausfall, Müdigkeit und Erschöpfung, etc., die unter einer venös durchgeführten Chemotherapie häufig auftreten, befragt. Hierbei zeigte sich, dass die regional angewandte Chemotherapie mit anschließender Filtration der Standardtherapie deutlich überlegen ist. „Insgesamt sind diese Studienergebnisse vielversprechend und verdeutlichen, dass die HAP zumindest für Patientinnen in späten Tumorstadien eine therapeutische Option darstellt“, kommentiert Prof. Aigner die Studie und ergänzt abschließend: „Wir haben sogar Patientinnen, die seit über 13 Jahre nach der Behandlung noch immer beschwerdefrei und klinisch ohne Tumornachweis sind.“

Quelle: Medias-Klinikum Burghausen


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