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Medizin

06. Mai 2015 Osteosarkom bei Kindern und Jugendlichen: Immunzellen im Tumor beeinflussen Therapieerfolg

Mit neuen Methoden der Probenaufbereitung ist es Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Heidelberg erstmals gelungen, beim Knochenkrebs Osteosarkom bestimmte Immunzellen im Tumorgewebe unter dem Mikroskop sichtbar zu machen und deren Einfluss auf Aggressivität der Erkrankung und Erfolgsaussichten der Therapie zu zeigen. Damit steht den Medizinern ein neuer Biomarker zur Verfügung, mit dem sie für jeden Patienten bereits zum Zeitpunkt der Diagnose den Krankheitsverlauf besser einschätzen können. Von den Erkenntnissen erhoffen sich die Forscher auch Ansatzpunkte für neue, personalisierte Therapien, die an den Immunzellen angreifen. Die Kinderkrebsstiftung hat das Forschungsprojekt seit 2007 mit rund 180.000 Euro gefördert.

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Fachinformation

Das Osteosarkom ist die häufigste primäre Krebserkrankung des Knochens und betrifft vor allem Kinder und Jugendliche. Jährlich erkranken in Deutschland 300 Patienten neu. Die meisten Osteosarkome wachsen und streuen sehr schnell. Bislang erhalten alle Patienten eine Behandlung aus Chemotherapie und Operation. Trotz intensiver Forschung konnten in den letzten 3 Jahrzehnten keine neuen Therapieoptionen etabliert gefunden werden, die zu einer wesentlichen Verbesserung der Überlebenschance für Osteosarkompatienten geführt hätten. Da die Knochenkrebszellen sich sehr stark voneinander unterscheiden, hatten die Wissenschaftler Dr. Pierre Kunz, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg, und Privatdozent Dr. Benedikt Fritzsching, Kinderarzt am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg, zu Studienbeginn die Idee, nicht die Tumorzellen selbst, sondern deren Umfeld, also Gefäße und Immunzellen, zu untersuchen.

Das Osteosarkom nutzt das köpereigene Abwehrsystem als Schutzschild

Über die Rolle des körpereigenen Immunsystems beim Osteosarkom war bislang wenig bekannt, weil es sehr schwierig ist, wichtige Immunzellen bei diesem Knochenkrebs mikroskopisch nachzuweisen. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass sich das Osteosarkom - wie bereits von anderen Krebsarten bekannt - das Immunsystem des Körpers zunutze macht. Im Tumor stehen sich verschiedene Arten von Immunzellen gegenüber: Zum einen Immunzellen, die entartete Krebszellen erkennen und sie zerstören. Zum anderen schützt sich der Tumor, indem er gezielt Immunzellen anlockt, die diese Abwehrreaktionen des Körpers hemmen. Die Forscher fanden heraus, dass sich aus dem Verhältnis beider Zellsorten in der Gewebeprobe Aussagen über Aggressivität der Erkrankung und Therapieerfolg treffen lassen.

"Die Rolle des körpereigenen Immunsystems im Osteosarkom ist größer als bislang angenommen", erklärt Dr. Pierre Kunz. "Hier könnte sich ein beim Osteosarkom bisher kaum beachtetes Therapiefeld eröffnen." Medikamente, die gezielt Abwehrreaktionen des Körpers stärken oder vom Tumor genutzte, hemmende Immunzellen schwächen, gibt es schon; sie werden bei anderen Krebserkrankungen bereits erfolgreich eingesetzt. "Inwiefern solche Immuntherapien auch Osteosarkom-Patienten helfen können, müssen umfangreiche Studien in der Zukunft noch zeigen."

Mit neuen Verfahren Gewebeproben für die mikroskopische Untersuchung präparieren

Um die Gewebeprobe eines Osteosarkoms unter dem Mikroskop untersuchen zu können, müssen die Wissenschaftler das knöcherne Material mit speziellen chemischen Verfahren aufbereiten. "Wendet man die herkömmlichen Verfahren zur Aufbereitung der Biopsien an, bleiben wesentliche Immunzellen unsichtbar", sagt Dr. Kunz. Einiges Tüfteln war notwendig, bis es dem Heidelberger Team gelang, die Proben so aufzubereiten, dass sich die vom Tumor genutzten, hemmenden Immunzellen unter dem Mikroskop erkennen ließen. "Jetzt können wir diese und andere Immunzellen anfärben, verschiedene Arten unterscheiden und quantifizieren", betont PD Dr. Benedikt Fritzsching, der schon seit vielen Jahren an diesen Immunzellen forscht. Ein weiterer Erfolgsfaktor: Sie entschlossen sich den aufwendigen Weg einer sogenannten "Whole-Slide Analyse" zu gehen, bei der sie die gesamte Gewebeprobe von ein bis zwei Quadratzentimetern analysieren, anstatt wie sonst üblich nur einen sehr kleinen Anteil. "Das Osteosarkom ist ein sehr heterogener Tumor - prüft man nur einen sehr kleinen Ausschnitt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dieser gar nicht repräsentativ für den ganzen Tumor ist", erklärt Dr. Kunz.

Entstanden ist dieses erfolgreiche Projekt im Jahr 2007 aus einem EU-geförderten Forschungsverbund mit mehr als 20 europäischen Zentren zur Erforschung von Knochentumoren (EuroBoNeT). Unter der Leitung der Heidelberger Wissenschaftler wurden 3 europäische Knochentumorzentren in die Studie eingeschlossen. So erreichten die Forscher mit 150 Patienten eine genügend große Anzahl, um fundierte Aussagen treffen zu können.

Literaturhinweise:
(1) Fritzsching B, Fellenberg J, Moskovszky L et al. CD8+/FOXP3+ ratio in osteosarcoma microenvironment separates survivors from non-survivors: a multicenter validated retrospective study, OncoImmunology, 2015, doi: 10.4161/2162402X.2014.990800
(2) Kunz P, Fellenberg J, Moskovszky L et al. Improved survival in osteosarcoma patients with atypical low vascularization, Ann Surg Oncol Volume 22, Issue 2 (2015:489-496, doi: 10.1245/s10434-014-4001-2
(3) Kunz P, Fellenberg J, Moskovszky L et al. Osteosarcoma microenvironment: whole-slide imaging and optimized antigen detection overcome major limitations in immunohistochemical quantification, PLoS One. 2014 Mar 3;9(3):e90727. doi: 10.1371/journal.pone.0090727
 

Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg


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