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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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05. Juli 2018

Deutlicher Optimierungsbedarf in der Eisentherapie

Aktuelle Umfrage bei Gastroenterologen zeigt: Patienten mit Eisenmangel noch nicht adäquat behandelt

Mit weltweit 1,2 Milliarden betroffenen Menschen ist Eisenmangelanämie eine der größten Herausforderungen unserer Zeit (1). Nicht umsonst ist die weltweite Bekämpfung der Eisenmangelanämie bis 2025 ein erklärtes Ziel der Weltgesundheitsorganisation WHO. Um die Blutwerte zu stabilisieren und die häufig reduzierte Lebensqualität der betroffenen Patienten zu verbessern, ist eine schnelle und adäquate Deckung des Eisenbedarfs essenziell. Trotz geeigneter Präparate zur Eisensubstitution in hoher Dosierung gestaltet sich die Behandlung der Eisenmangelanämie in der Praxis schwierig. Die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage bei klinisch tätigen und niedergelassenen Gastroenterologen zeigen warum.
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Eisenmangel ist meist das Ergebnis einer unzureichenden Aufnahme von Eisen aufgrund von entzündlichen Erkrankungen oder Blutverlust. So stellen Eisenmangel und Eisenmangelanämie eine bedeutende Komorbidität beispielsweise bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) dar: zwischen 60 und 80% der CED-Patienten weisen einen Eisenmangel auf (2). Über die körperlich spürbaren Symptome hinaus kann sich ein Eisenmangel in vielerlei Hinsicht negativ auf die Patienten auswirken – emotional sowie kognitiv, aber auch im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit (3). Infolgedessen weisen Menschen mit Eisenmangel häufig eine reduzierte Lebensqualität auf, die durch eine adäquate Behandlung jedoch deutlich verbessert werden kann (3).

Eisentherapie in der Praxis: Informationslücken müssen geschlossen werden

Trotz moderner Therapieoptionen, die hohe Dosierungen ermöglichen, zeigt sich in der Praxis, dass Eisenmangel noch nicht ausreichend behandelt und mit zu niedrigen Dosierungen therapiert wird. Auf Seiten der Ärzte besteht darüber hinaus noch Informationsbedarf. Diesen Schluss legen Publikationen (1,4) sowie eine aktuelle Umfrage von Pharmacosmos in Zusammenarbeit mit DocCheck bei klinisch tätigen sowie niedergelassenen Gastroenterologen (5) in Deutschland nahe. Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere in den folgenden Bereichen noch Aufklärungsarbeit zu leisten ist, um entsprechende Informationslücken zu schließen:
 
  • Notwendigkeit der Kontrolle der Eisenwerte bei bestimmten Krankheitsbildern
  • Diagnose von Eisenmangel
  • Bestimmung des individuellen Eisenbedarfs der Patienten
  • relevante Grenzwerte
  • Behandlungsleitlinien

Neben unterschiedlichen Parametern und ihrer Bedeutung im Zusammenhang mit einem Eisenmangel sowie entsprechenden Grenzwerten wurden die klinisch tätigen und niedergelassenen Gastroenterologen schließlich auch im Hinblick auf die medikamentöse Therapie befragt. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Aktuelle Empfehlungen von WHO und Leitlinien werden im Praxisalltag kaum berücksichtigt.

WHO-Grenzwerte spielen kaum eine Rolle

Laut WHO-Definition liegt eine Eisenmangelanämie vor, wenn die Hb-Konzentration bei Frauen unter einen Wert von 12 g/dl und bei Männern unter 13 g/dl sinkt (6). Häufig wird aber erst ab einem Wert unter 10 eine Therapie initiiert. Nur 17% der befragten klinisch tätigen Gastroenterologen berücksichtigen die WHO-Empfehlung in ihren Therapieentscheidungen. Bei den niedergelassenen Gastroenterologen sind es sogar nur 14% (5). Um die Blutwerte zu stabilisieren, ist eine Berücksichtigung des individuellen Eisenbedarfs der Patienten essenziell. In diesem Zusammenhang spielen verschiedene Parameter eine Rolle. Neben dem Hb-Wert und dem Serum-Ferritin zählt insbesondere Transferrin zu den wichtigsten Indikatoren eines Eisenmangels. Das Transportprotein wird von den niedergelassenen Ärzten jedoch scheinbar nicht überwacht, um eine Diagnose zu rechtfertigen, wobei die Transferrinsättigung ein weiterer wichtiger Marker für das den metabolisierenden Zellen im Körper zur Verfügung stehende Eisen ist. Als Indikator des Eisenspeichers kann das Serum-Ferritin hingegen bei bestimmten Krankheitsbildern wie chronischen Entzündungen falsch normal oder gar erhöht sein – so beispielsweise bei Patienten mit CED.

Patienten sind aktuell untertherapiert

Die Leitlinien der European Crohn’s and Colitis Organisation (ECCO) besagen, dass CED-Patienten etwa einen Gesamteisenbedarf von 1000 bis 2000 mg aufweisen (4). In der Literatur finden sich sogar noch höhere Werte von bis zu 3600 mg (7). Die befragten Gastroenterologen verordnen dem Großteil ihrer Patienten jedoch nur 500 mg Eisen pro Infusion.

Für Patienten mit einem Bedarf von über 500 mg Eisen ergeben sich dadurch Nachteile: Ihr Bedarf an Eisen wurde mit der verordneten Infusion nicht gedeckt und sie müssen noch einmal behandelt werden. Moderne intravenöse Eisentherapien können das Eisendefizit jedoch schon bei der ersten Sitzung ausgleichen. Eisen(III)-Derisomaltose (MonoFer®) zum Beispiel ist ein Präparat, mit dem die meisten Patienten (z. B. ab 70 kg Körpergewicht und mit einem Hb-Wert von ≥ 10) nur eine Infusion benötigen, um ihre Eisenmangelanämie behandeln zu lassen.

 
Abb. 1: Der Eisenbedarf ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und kann bei bestimmten Krankheitsbildern erhöht sein. Eine schnelle und adäquate Deckung des Eisenbedarfs ist wichtig, um die Blutwerte zu stabilisieren und die Lebensqualität von Patienten zu verbessern. (Mod. nach (7))
Eine schnelle und adäquate Deckung des Eisenbedarfs ist wichtig.
 

    
Zusammenfassend lässt sich damit belegen, dass Menschen mit Eisenmangel in der Praxis aktuell unter- bzw. fehltherapiert sind (5): Die Gründe dafür sind, dass zum einen Grenzwerte nicht einbezogen und zum anderen zu niedrige Dosierungen verordnet werden, die den individuellen Eisenbedarf der Patienten nicht abdecken können – trotz verfügbarer Therapieoptionen, die hohe Dosierungen erlauben.
Quelle: Pharmacosmos
Literatur:
(1) Kassebaum NS et al. Hematol Oncol Clin North Am 30(2), 247-308 (2016)
(2) Stein J et al. Europ J Gastroenterol & Haematol 26, 1456-1463 (2013)
(3) Dignass AU et al. Journal of Crohn’s and Colitis 9, 211-222 (2015)
(4) Capellini MD et al. Am J Hematol 92, 1068-1078 (2017)
(5) Umfrage von Pharmacosmos in Zusammenarbeit mit DocCheck, 26. März - 16. April 2018
(6) https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/eisenmangel-und-eisenmangelanaemie. Zuletzt abgerufen am 25.05.2018
(7) Gozzard D. Drug Des Devel Ther 5, 51-60 (2011)
 
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