Dienstag, 7. April 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Fachinformation

Medizin

15. Januar 2020 Opioidinduzierte Obstipation: DGS veröffentlicht Thesenpapier

Anlässlich des Innovationsforums Schmerzmedizin hat die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) ein Thesenpapier zum Umgang mit opioidinduzierter Obstipation (OIC) herausgegeben. Die darin enthaltenen 10 Thesen beruhen auf der PraxisLeitlinie  zum gleichen Thema und sollen das Bewusstsein für OIC erhöhen, die Diagnostik vereinfachen, die Umsetzung effektiver Behandlungen erleichtern und so die Versorgung chronischer Schmerzpatienten verbessern. Die Autoren, PD Dr. med. Michael A. Überall, Vizepräsident der DGS und Dr. med. Johannes Horlemann, Präsident der DGS, klären darin einerseits darüber auf, dass jedes Opioid zu OIC führen kann und dass herkömmliche Laxanzien diese aufgrund ihres Wirkmechanismus meist nur unzureichend behandeln können. Andererseits empfehlen sie behandelnden Ärzten, jede erfolglose symptomatische OIC-Therapie mit konventionellen Laxanzien nach 1-2 Wochen durch eine ursächliche Therapie mit einem PAMORA abzulösen.
Eine der häufigsten Nebenwirkungen einer Schmerztherapie mit Opioiden ist die opioidinduzierte Obstipation (opioid induced constipation, OIC). Sie kann die Lebensqualität der Patienten erheblich einschränken und führt vielfach zum Therapieabbruch. Da konventionelle Laxanzien hier meist nicht helfen, empfiehlt die DGS-PraxisLeitlinie OIC eine frühzeitige Therapie mit PAMORA (peripherally acting μ-opioid receptor antagonists, peripher wirkende μ-Opioidrezeptor-Antagonisten). Um es Ärzten zu erleichtern, die Empfehlungen umzusetzen, hat die DGS nun anlässlich des Innovationsforums 2019 die wichtigsten Aussagen in einem Thesenpapier veröffentlicht.

Bis zu 87%  der Patienten betroffen

Bis zu 87% der Patienten, die Opioide erhalten, entwickeln eine OIC, unabhängig von der Applikationsform des Opioids. Definiert ist die OIC als eine Veränderung der Stuhlfrequenz und / oder des Stuhlverhaltens, die in zeitlichem Zusammenhang mit dem Beginn einer Opioidbehandlung, der Erhöhung der Opioiddosis, dem Wechsel des Opioidwirkstoffes oder jeglicher sonstigen Änderung einer bereits bestehenden Opioidbehandlung auftritt. Darin unterscheidet sie sich von einer habituellen Obstipation. Ärzte sollten ihre Patienten schon vor Einstellung auf ein Opioid nach ihrem Stuhlverhalten fragen. Nur eine Veränderung aufgrund der Opioidgabe ermöglicht die Diagnose der OIC. Liegt schon vorher eine Obstipation vor, die sich durch die Gabe von Opioiden verstärkt, handelt es sich per definitionem um eine sogenannte Opioid-exazerbierte Obstipation (OEC). Diese tritt bei 15 bis 50 Prozent der Patienten auf und bedarf gegebenenfalls kombinierter Behandlungsansätze.

10 Thesen zur OIC

1.    Alle Opioide können eine OIC verursachen.
2.    Bis zu 87% der Schmerzpatienten leiden an OIC.
3.    Die OIC ist der häufigste Grund für einen Abbruch einer Opioidtherapie.
4.    Die OIC ist Hauptsymptom zahlreicher gastrointestinaler Beschwerden.
5.    Erforderlich ist eine diagnostische Abgrenzung der OIC von der habituellen Obstipation.
6.    Im Gegensatz zu einer habituellen Obstipation ist die OIC nicht mit Laxanzien behandelbar.
7.    PAMORA (peripherally acting μ-opioid receptor antagonists) behandeln die OIC kausal, ohne die Wirkung von Opioiden zu beeinträchtigen.
8.    Jede erfolglose OIC-Therapie sollte nach 1–2 Wochen durch PAMORA abgelöst werden.
9.    Die Nebenwirkungen des einzigen aktuell verfügbaren PAMORA liegen auf Placeboniveau.
10.  Naloxegol verbessert die Lebensqualität der Patienten evidenzbasiert und nachprüfbar.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS)


Das könnte Sie auch interessieren

Krebs und Sexualität - ein doppeltes Tabu

Krebs und Sexualität - ein doppeltes Tabu
© Expensive / fotolia.com

Eine Krebserkrankung hinterlässt Spuren, körperliche und seelische. Für Patientinnen ist es manchmal schwer, über ihre Empfindungen und Ängste zu sprechen. Umso belastender kann es sein, die mit der Krankheit häufig einhergehende Beeinträchtigung der Sexualität in Worte zu fassen. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums bietet Unterstützung an – auch bei Fragen, die viele als heikel empfinden.

Darmkrebspatienten benötigen spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung

Darmkrebspatienten benötigen spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung
© Fotolia / cryonoid_media

Mit einem Pressegespräch am 19. April in Berlin nimmt EuropaColon Deutschland e. V. seine Tätigkeit als spezialisierte Anlaufstelle und Interessenvertretung von Darmkrebspatienten auf. Der neu gegründete Verein ist die deutsche Tochter der seit zwölf Jahren europaweit aktiven Patientenorganisation EuropaColon, die in 24 Ländern Europas Menschen mit Darmkrebs unterstützt und gegenüber der Gesundheitspolitik für deren Interessen eintritt. Der Verein soll Anlaufstelle...

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Die Bauchspeicheldrüse, das unbekannte Organ

Die Bauchspeicheldrüse (griech.: Pankreas) ist eine der größten Drüsen des Menschen. Dennoch ist nur wenigen bekannt, wo sie sich befindet und welche Funktionen sie übernimmt. Die Bauchspeicheldrüse ist ein keilförmiges Organ, ungefähr so groß wie eine Hand: ein bis zwei Zentimeter dick und etwa 15 Zentimeter lang. Sie liegt mitten im Oberbauch hinter dem Magen und vor der Wirbelsäule. Mit ihrem sich verjüngenden Ende – dem...

Berufliche Reha ist mehr als Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell

Berufliche Reha ist mehr als Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum


Etwa zwei Drittel aller Berufstätigen, die an Krebs erkrankt sind, kehren zurück in das Arbeitsleben. Für viele ist die Motivation hoch, denn wer arbeitet, erobert sich ein Stück Normalität zurück. Doch der Wiedereinstieg sollte behutsam erfolgen und an die individuelle Belastbarkeit der Patientinnen und Patienten angepasst werden. Nach längerer Arbeitsunfähigkeit bieten die Leistungen der beruflichen Rehabilitation ein breites Spektrum, um die...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Opioidinduzierte Obstipation: DGS veröffentlicht Thesenpapier "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


Cookies

Diese Webseite benutzt Cookies, um den Nutzern das beste Webseiten-Erlebnis zu ermöglichen. Ausserdem werden teilweise auch Cookies von Diensten Dritter gesetzt. Weitere Informationen erhalten Sie in den Allgemeine Geschäftsbedingungen und in den Datenschutzrichtlinien.

Verstanden