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Medizin

30. Mai 2018
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Fachinformation


Antiemese – Herausforderung konsequente Umsetzung der Leitlinien

Mit der Entwicklung verschiedener Antiemetika hat im Bereich der Antiemese eine beeindruckende Entwicklung stattgefunden. „Erster großer Meilenstein war die Einführung der 5-HT3-Rezeptorantagonisten, der nächste entscheidende Schritt war die Einführung des ersten NK1-Rezeptorantagonisten Aprepitant“, berichtete Jordan. Das 2003 zugelassene orale Aprepitant (Emend®) führte zu einem deutlich verbessertem Schutz v.a. vor verzögert auftretender Übelkeit und Erbrechen im Rahmen einer hoch oder moderat emetogenen Chemotherapie. Die Substanz wird im Rahmen einer Dreifachantiemese zusammen mit einem 5-HT3-Rezeptorantagonisten (5-HT3-RA) und Dexamethason verabreicht. „Die nächste Herausforderung ist nun, dass die verfügbaren Substanzen im klinischen Alltag gemäß den Empfehlungen der Leitlinien eingesetzt werden“, forderte Jordan. Dass dies in der Realität nicht immer so ist, zeigte beispielsweise eine 2012 publizierte Untersuchung, die vor allem beim Schutz in der verzögerten Phase (Tag 2-5 nach Chemotherapie) und im gesamten fünftägigen Risikozeitraum nach Chemotherapie Defizite aufzeigte (6). „Uns steht in den Leitlinien von MASCC, ASCO und der deutschen S3-Leitlinie „Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen“ eine Klassifizierung von Zytostatika und Biologicals in die verschiedenen Emesis-Risikogruppen zur Verfügung, die aufgrund der Neuzulassungen in der Onkologie laufend aktualisiert werden müssen“, so Jordan. Auch biete der State of the Art-Algorithmus der S3-Leitlinie eine gute Zusammenfassung der antiemetischen Prophylaxe. Wichtig sei besonders die Unterteilung der moderat emetogenen Chemotherapien (MEC) in Carboplatin und andere als MEC klassifizierte Substanzen: „Bei Carboplatin ist wie bei hoch emetogenen Schemata an Tag 1 die Dreifachantiemese mit NK1-RA, 5-HT3-RA und Dexamethason notwendig“, betonte Jordan. Diese hatte in einer Reihe von Studien eine absolute Differenz im kompletten Ansprechen auf die Antiemese (kein Erbrechen, keine Notfallmedikation) von 10-15% gezeigt (7). Während die aktuellen ASCO-Leitlinien Olanzapin als Zusatz zur Dreifachtherapie bei HEC empfehlen, wird in der deutschen S3-Leitlinie das atypische Neuroleptikum als vierte Substanz bei HEC nicht empfohlen. Zum einen ist sein Einsatz in der Antiemese ein Off-Label-Use, zum anderen sei die Gabe von vier Substanzen zur Prophylaxe einer Nebenwirkung in der Onkologie grundsätzlich fragwürdig, zumal die Patienten möglicherweise mit weiteren medikamentös zu behandelnden Nebenwirkungen der Chemotherapie konfrontiert seien, so Jordan. „Die größte Herausforderung heute ist die selbstverständliche Integration der supportiven Therapie in die onkologische Behandlung. Die zur jeweiligen Chemotherapie passende Supportivtherapie muss automatisch verordnet werden“, schloss Jordan ihren Vortrag.

Nicht nur längeres, auch besseres Überleben: Personalisierte Versorgung mit PROs

Prof. Richard Gralla, New York, richtete sein Hauptaugenmerk auf die zunehmende Bedeutung der Bestimmung der Lebensqualität und der PROs bei Patienten mit Lungenkarzinom. Sowohl die Tumorerkrankung als auch die Therapie beeinflussen Überleben und Lebensqualität. „Was nützt dem Patienten aber ein Therapieansprechen, wenn es sich nicht auch in einer besseren Lebensqualität niederschlägt? Wir müssen nicht nur versuchen, ein verlängertes Überleben zu erzielen, sondern auch die Qualität dieses Überlebens verbessern“, so Gralla. Während eine allgemeingültige Definition von Lebensqualität zwar nicht möglich ist, so besteht doch Übereinstimmung darüber, dass Lebensqualität viele Dimensionen hat und körperliche, funktionale, psychologische, soziale und spirituelle Aspekte beinhaltet.

NSCLC: Palliative Begleitung früh beginnen

Die Beurteilung einer neuen Therapie muss sowohl den Überlebensvorteil als auch die Auswirkungen auf die Lebensqualität berücksichtigen, forderte Gralla. Eine Studie, die die Auswirkungen einer frühen palliativen Intervention nach Diagnosestellung und mit Beginn der Chemotherapie bei Patienten mit metastasiertem NSCLC untersuchte, zeigte, dass Patienten, die schon früh eine Palliativbetreuung erhielten, eine bessere Lebensqualität hatten als die Patienten mit Standardtherapie. Sie hatten weniger depressive Symptome und, obwohl sie seltener eine aggressive end-of-life-Therapie erhielten, war das mediane Überleben mit 11,6 Monate länger als in der Standardtherapiegruppe (8,9 Monate; p=0,02) (8).
 

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"Onkologische Supportivtherapie – von der Symptomkontrolle zur Lebensqualitätsmessung"

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