Mittwoch, 17. Juli 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

Medizin

05. Juli 2017 Nierenzellkarzinom: Zweittherapie mit Mutationsmuster von Metastasen individuell anpassen

Nierenzellkarzinome (RCC) lassen sich in vielen Fällen mit zielgerichteten Medikamenten gut behandeln, selbst wenn bereits Therapieresistenzen aufgetreten sind. Die Wahl des richtigen Medikaments ist dann allerdings entscheidend, um die Krebszellen erneut unter Kontrolle zu bringen. Wissenschaftler analysierten in einer laufenden klinischen Studie bei Patienten mit fortgeschrittenem Nierenkrebs erstmals die Mutationsmuster vom Primärtumor und den Metastasen. Die identifizierten Muster sollen helfen, für jeden Patienten auch im fortgeschrittenen Stadium das richtige Mittel für die weitere Behandlung empfehlen zu können.
Anzeige:
"Metastasierter Nierenkrebs lässt sich heute bei vielen Patienten länger als bisher kontrollieren", erklärt Holger Sültmann, der mit seinen Mitarbeitern die genetischen Veränderungen in Krebszellen im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg und am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) erforscht. "Auch wenn Resistenzen entstehen - was leider bei den meisten Patienten nach einer gewissen Zeit der Fall ist - lässt sich mit zielgerichteten Therapeutika gut gegensteuern, wenn das passende Medikament bekannt ist."

Mit der klinischen Studie MORE (Molecular Renal Cancer Evolution) untersucht Sültmann gemeinsam mit Carsten Grüllich vom NCT und Kollegen vom Universitätsklinikum Heidelberg, welches Medikament das richtige ist, wenn sich der Krebs nach einer Behandlung mit Tyrosinkinaseinhibitoren nicht kontrollieren lässt. Mit der seit 2014 laufenden Studie untersuchen die Heidelberger Forscher die molekularen Veränderungen bei metastasiertem klarzelligem Nierenkrebs und die Entwicklungen von Resistenzen unter dieser zielgerichteten Therapie. "Wir haben erstmals das komplette genetische Profil von Metastasen bei Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom analysiert, die zuvor mit sogenannten Tyrosinkinaseinhibitoren behandelt wurden und darauf nicht mehr angesprochen haben", berichtet der Arzt und Wissenschaftler Grüllich. Tyrosinkinaseinhibitoren greifen gezielt in den Stoffwechsel der Tumorzellen ein und bremsen deren Wachstum und die Ausbreitung von Metastasen.

Die ersten veröffentlichten Ergebnisse der MORE-Studie zeigten jetzt, dass Metastasen, die bei Patienten trotz der Behandlung auftreten, im Vergleich zum Ursprungstumor zusätzliche Mutationen in bekannten Krebsgenen anhäufen. Unter anderem in dem als "Brustkrebsgen" bezeichneten BRCA1, das auch an der Entwicklung von Eierstock- und Prostatakrebs beteiligt ist. "Bei einigen dieser Krebsarten wird das Medikament Olaparib erfolgreich eingesetzt, um die Krebszellen an der DNA-Reparatur zu hindern und so in den programmierten Zelltod zu treiben. Das wäre prinzipiell auch bei Nierenkrebspatienten mit Mutationen im BRCA1-Gen denkbar", sagt Sültmann.

Bevor Mutationsmuster der Metastasen als Bestandteil der Therapieplanung bei Nierenkrebs eingesetzt werden können, müsse man die Ergebnisse jedoch mit einer größeren Patientenzahl bestätigen, räumt Sültmann ein. Grüllich ergänzt: "Neben zielgerichteten molekularen Therapien müssen wir auch weitere Behandlungsmöglichkeiten, zum Beispiel eine Immuntherapie, in Betracht ziehen."

In dem molekularen Ansatz von MORE sieht Sültmann entscheidende Vorteile für die Patienten und die Gesundheitsversorgung: "Von der Probenentnahme bis zur Sequenz vergehen nur vier Wochen, und im Vergleich zu einer unspezifischen Chemotherapie sind die molekularen Analysen deutlich kostengünstiger. Zielgerichtete Therapeutika und Immuntherapien sind zudem mit weniger Nebenwirkungen verbunden. Anhand der Mutationsmuster der Metastasen könnten wir auch die Zweittherapie individuell an die Patienten anpassen, um Tumorzellen so schonend und effektiv wie möglich auszuschalten."

Quelle: Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg

Literatur:

Dietz S, Sültmann H, Du Y et al.
Patient-specific molecular alterations are associated with metastatic clear renal cell cancer progressing under tyrosine kinase inhibitor therapy.
Oncotarget May 23. doi: 10.18632/oncotarget.18200
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28598822
 


Das könnte Sie auch interessieren

Mit neuer Website „psyche-hilft-koerper.de“ finden Krebspatienten schnell und einfach psychoonkologische Hilfe

Mit neuer Website „psyche-hilft-koerper.de“ finden Krebspatienten schnell und einfach psychoonkologische Hilfe
© www.psyche-hilft-koerper.de

Die Website „psyche-hilft-koerper.de“ ermöglicht es, über eine Postleitzahl-Suche Psychoonkologen in der Region, in der man lebt, zu finden. Eine psychoonkologische Betreuung unterstützt Patienten u. a. dabei, ihre Krebserkrankung zu verarbeiten, das seelische Befinden zu verbessern sowie körperliche Ressourcen zu stärken (1). Novartis Oncology hat sich nicht nur der Entwicklung innovativer Arzneimittel verpflichtet, sondern möchte durch Initiativen...

Vierter Welt-Pankreaskrebstag: „Lila Leuchten“ sensibilisiert für eine unterschätzte Erkrankung

Vierter Welt-Pankreaskrebstag: „Lila Leuchten“ sensibilisiert für eine unterschätzte Erkrankung
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Am 16. November 2017 findet zum vierten Mal der Welt-Pankreaskrebstag statt. An diesem Tag erstrahlen weltweit zahlreiche Sehenswürdig-keiten in Lila, der offiziellen Farbe des Welt-Pankreaskrebstages – von der Semperoper in Dresden bis zum Rickmer Rickmers Museumsschiff im Hamburger Hafen. Ziel ist es, die breite Öffentlichkeit über die Erkrankung aufzuklären, sich mit den Betroffenen zu solidarisieren und den Patienten und deren Angehörigen Mut zu machen. In...

Sächsische Krebsgesellschaft e.V.: „Aktiv gegen Krebs“

Das Vermitteln von Wissen zum Thema Krebs versteht die Sächsische Krebsgesellschaft e.V. (SKG) als ihre vordringlichste Aufgabe. Das betrifft das Wissen der Betroffenen, also der an Krebs erkrankten Menschen, die sich in allen
Fragen rund um ihre Erkrankung an die SKG wenden können, wie auch das Wissen der Bevölkerung. "Wir wollen vermitteln, dass man mit Krebs leben kann", erklärt Professor Dr. Ursula Froster, Vorstandsvorsitzende der SKG.

Starke Hilfe: 7,65 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie

Starke Hilfe: 7,65 Millionen Euro für den Kampf gegen Leukämie
© RTimages / Fotolia.com

Die Mitgliederversammlung des José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. beschließt eine Mittelauskehr für zahlreiche Forschungs- und Projekt-Förderungen. Der Geschäftsführende Vorstand Dr. Gabriele Kröner sagt dazu: „Leukämie muss heilbar werden. Immer und bei jedem. Dieses große Ziel unseres Initiator José Carreras streben wir mit der Förderung der medizinischen Forschung und Finanzierung von Infrastrukturprojekten an.“

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Nierenzellkarzinom: Zweittherapie mit Mutationsmuster von Metastasen individuell anpassen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2019
  • Subgruppenanalyse der ELIANA- und ENSIGN: Tisagenlecleucel auch bei jungen Patienten mit r/rALL und zytogenetischen Hochrisiko-Anomalien sicher und effektiv
  • Polycythaemia vera: Molekulares Ansprechen korreliert mit vermindertem Thrombose-Risiko und einer Reduktion von Thrombose- und PFS-Ereignissen
  • AML-Therapie 2019: Neue Substanzen im klinischen Einsatz, aber nach wie vor hoher Bedarf an neuen Therapieoptionen
  • Eisenüberladung bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS auch in Pankreas und Knochenmark nachweisbar
  • CML: Switch auf Zweitgenerations-TKIs nach unzureichendem Ansprechen auf Imatinib in der Erstlinie führt zu tieferen molekularen Remissionen
  • FLT3-mutierte AML: Midostaurin wirksam bei allen ELN-Risikoklassen und bei unterschiedlichen Gensignaturen
  • Real-world-Daten: Transfusionsabhängigkeit und Ringsideroblasten bei Niedrigrisiko-MDS assoziiert mit toxischen Eisenspezies und verkürztem Überleben
  • Erstlinientherapie der CML: Nilotinib führt auch im klinischen Alltag zu tieferen molekularen Remissionen als Imatinib
  • Weltweite Umfrage bei Ärzten und Patienten zur ITP-Therapie unterstreicht Zufriedenheit mit Thrombopoetinrezeptor-Agonisten
  • Therapiefreie Remission nach zeitlich begrenzter Zweitlinientherapie mit Eltrombopag bei Patienten mit primärer ITP erscheint möglich