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Medizin

14. Oktober 2019 Nicht-kleinzelliger Lungenkrebs: Prognose verbessern – Überleben verlängern

Dank der molekularpathologischen Diagnostik und moderner personalisierter Therapieansätze hat sich die Prognose von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) in den letzten Jahren deutlich verbessert. Dies zeigen auch die jüngst vorgestellten Daten zu den beiden personalisierten Therapieansätzen von AstraZeneca: So zeigte Osimertinib (TAGRISSO®) in der FLAURA-Studie eine statistisch signifikante und klinisch relevante Verbesserung des Gesamtüberlebens (OS) bei Patienten mit fortgeschrittenem EGFRm NSCLC gegenüber Erstgenerations-TKI (1). Auch die 3-Jahres-Daten der PACIFIC-Studie zum Gesamtüberleben unter Durvalumab (IMFINZI®) bestätigen bei Patienten im inoperablen NSCLC-Stadium III erstmals seit über einem Jahrzehnt einen bahnbrechenden Therapiefortschritt, der einen auch langfristig anhaltenden Vorteil beim Gesamtüberleben ermöglicht (2, 3).
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Fachinformation
Über die Bedeutung der Daten für die Zukunft der NSCLC-Therapie diskutierten führende Experten auf einer Presseveranstaltung von AstraZeneca im Rahmen des DGHO-Kongresses 2019 in Berlin.* Zudem wurden dort mit der Lung Ambition Alliance sowie der Patienten-Kampagne „Teste Deinen Lungenkrebs“ zwei Initiativen des Unternehmens vorgestellt, die das Ziel verfolgen, die Versorgungssituation und Perspektiven von Patienten mit Lungenkrebs maßgeblich zu verbessern.

Seit Mitte 2018 steht mit Osimertinib der erste Drittgenerations-TKI für die Erstlinientherapie des metastasierten oder fortgeschrittenen NSCLC mit aktivierenden Mutationen des EGFR (Epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor, EGFRm) zur Verfügung (4). Dieser hatte in der Zulassungsstudie FLAURA bereits einen noch nie erreichten signifikanten Vorteil beim progressionsfreien Überleben (PFS) sowie einen Trend für ein verlängertes Gesamtüberleben (OS) in der OS-Interims-Analyse bei 25% Datenreife gegenüber Erlotinib und Gefitinib gezeigt (5). Die kürzlich auf dem ESMO-Kongress vorgestellte finale OS-Analyse unterstreicht das Potenzial des TKI der 3. Generation. So profitierte die ITT-Population in der FLAURA-Studie von einer statistisch signifikanten und klinisch relevanten Verbesserung des Gesamtüberlebens um 38,6 Monate im Vergleich zu 31,8 Monate im Kontrollarm mit Erlotinib/Gefitinib (1). „Bisher war es uns nur mit einer TKI-Sequenztherapie möglich, das Gesamtüberleben der Patienten auf über 3 Jahre zu verlängern“, führte Prof. Dr. Frank Griesinger, Oldenburg, aus. Wie die aktuellen Ergebnisse der FLAURA-Studie zeigen, ist es nun mit einer Erstlinientherapie mit Osimertinib möglich, eine Verlängerung des Gesamtüberlebens der Patienten von über 3 Jahren zu erzielen. „Diese überzeugenden Ergebnisse bestätigen damit den TKI der 3. Generation als neuen Standard in der Erstlinientherapie für Patienten mit fortgeschrittenem EGFRm NSCLC“, schlussfolgerte Professor Griesinger.

FLAURA und deutsche Registerdaten: Bedeutung für die medizinische Praxis

Welche Rolle der Einsatz von Osimertinib bereits in der Erstlinie spielt, erläuterten Griesinger und Prof. Dr. Michael Thomas, Heidelberg, anhand ihrer aktuellen Registerdaten aus Deutschland. Bereits die FLAURA-Studie hatte gezeigt, dass von allen Patienten, die zum Zeitpunkt des Daten-Cut-offs unter ihrer Erstlinientherapie mit Erlotinib bzw. Gefitinib progredient waren, letztendlich bei Nachweis einer EGFR-T790M-Mutation nur 31% Osimertinib in der Zweitlinie erhielten (1). Das deutsche CRISP-Register zeichnet ein ähnliches Bild: Die Erhebung ergab, dass von den Patienten mit fortgeschrittenem EGFRm NSCLC, deren Erkrankung nach einer Therapie mit einem TKI der 1. oder 2. Generation fortgeschritten war, nur noch 29% in der zweiten Behandlungslinie von einer zielgerichteten Therapie mit einem EGFR-TKI profitieren konnten (6). Im strukturierten Kontext eines Zentrums (Thoraxklinik Heidelberg) stellte sich die Situation etwas günstiger dar: Von 180 Patienten mit einer Progression war bei 153 (85%) eine T790M-Testung möglich. Von den 84 Patienten mit einer T790M Mutation (55% der Getesteten) wurden dann 77 langfristig mit Osimertinib behandelt (43% aller Patienten mit Progression) (7). „Die Daten zeigen, wie bedeutsam die konsequente Führung molekular alterierter Patienten und auch die Durchführung von Rebiopsien bei einer Progression ist. Aufgrund der überzeugenden OS-Daten ist Osimertinib der beste TKI für die Erstlinientherapie und im Falle einer Erkrankungsprogression ist die konsequente Evaluation auf Basis von Rebiopsien essentiell“, berichtet Prof. Thomas.

PACIFIC: 3-Jahres-OS-Daten bestätigen klinische Relevanz von Durvalumab

Mit der Zulassung von Durvalumab im vergangenen Jahr konnte auch in der Behandlung des NSCLC im frühen Stadium III eine therapeutische Lücke geschlossen werden. Wie bereits die Primäranalyse der zulassungsrelevanten PACIFIC-Studie zeigte, kann mit dem PD-L1-Antikörper nach einer erfolgreich durchgeführten Radiochemotherapie bei Patienten mit tumoraler PD-L1-Expression von ≥ 1% das PFS sowie das OS in bisher nicht erreichtem Ausmaß verlängert werden (8). „Mit Durvalumab haben wir die Möglichkeit, die Chancen des Gesamtüberlebens für Patienten im potenziell kurativen Stadium III nach definitiver Radiochemotherapie zu verbessern”, erklärte Prof. Thomas. „Das bedeutet nicht nur eine neue Perspektive für unsere Patienten, sondern auch für die Ärzte: Wir haben damit einen „practice changing“-Prozess in der medizinischen Praxis eingeläutet.“

Die jetzt auf dem DGHO-Kongress in Berlin präsentierten 3-Jahresdaten zum Gesamtüberleben der Patienten mit PD-L1-Expression ≥ 1% verdeutlichen, dass der Überlebensvorteil unter Durvalumab in dieser Patientengruppe auch langfristig anhält. So lebten noch 62,2% der Patienten in der Subgruppe mit PD-L1 ≥1% im Durvalumab-Arm im Vergleich zu 45,3% unter Best-Supportive-Care (BSC).2,3 Das mediane OS war unter der Immuntherapie nach einer Nachbeobachtungszeit von 33,3 Monaten noch nicht erreicht (95%-Konfidenzintervall (KI) 43,2-NR (nicht erreicht)) vs. 29,6 Monate im BSC-Arm (95%-KI, 17,7-NR) (Hazard Ratio (HR) 0,59; 95%-KI 0,41-0,83). „In der Praxis ist es ganz klar, dass für alle Patienten mit PD-L1 Expression ≥ 1% ohne Krankheitsprogress nach Radiochemotherapie, die in einem guten Allgemeinzustand sind, das Therapieprinzip der PACIFIC-Studie einen bedeutsamen Überlebensvorteil ermöglicht und umgesetzt werden sollte”, so das Fazit von Professor Thomas.

Gemeinsam stark gegen Lungenkrebs: Der Patient im Fokus

„Um die Versorgungsqualität von Patienten mit Lungenkrebs zu verbessern und die Früherkennung zu fördern, hat sich AstraZeneca in diesem Jahr mit Lungenkrebsexperten, Patientenvertretern, Diagnostikherstellern und der Pharmaindustrie zu einem internationalen Bündnis, der Lung Ambition Alliance zusammen geschlossen“ erklärte Dr. Karl Matussek, Vice President Oncology von AstraZeneca. „Gemeinsam wollen wir, durch die Unterstützung von ausgewählten Initiativen, langfristig die Überlebenschancen von Krebspatienten verbessern.“ Auf nationaler Ebene startet AstraZeneca zeitgleich mit der DGHO-Jahrestagung die Aufklärungskampagne „Teste Deinen Lungenkrebs“, die in enger Abstimmung mit Ärzten und Patienten entwickelt wurde. Ziel der Kampagne ist es, Lungenkrebspatienten und ihre Angehörigen darüber zu informieren, welche Schritte nötig sind, um eine passende und bestmögliche Therapieform für sie zu finden. Zentrales Element der Kampagne ist die Webseite www.teste-deinen-lungenkrebs.de, auf der laienverständliche Informationen zur Notwendigkeit und Bedeutung der tumorbiologischen Testung bei Lungenkrebs zu finden sind. Zudem werden ab Mitte Oktober 2019 Anzeigen in Print- und Onlinemedien geschaltet sowie an öffentlichen Orten in Form von Plakat- und Displaywerbung platziert, um die breite Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. Ergänzend dazu ist eine Social Media Kampagne geplant. „Die Kampagne soll das Bewusstsein für die große Chance schärfen, die eine personalisierte Lungenkrebstherapie den Patienten bietet“, erläutert Dr. Matussek die Motivation für die Kampagne.


Osimertinib wird in klinischen Studien als adjuvante Therapie (ADAURA, NCT02511106), im lokal fortgeschrittenen inoperablen Setting (LAURA, NCT03521154), in Kombination mit Chemotherapie (FLAURA2, NCT04035486) und in Kombinationen mit anderen Entwicklungsprodukten (SAVANNAH, NCT03778229; ORCHARD, NCT03944772) untersucht.

Im Rahmen eines breiten Studienprogramms wird Durvalumab derzeit u. a. in frühen Stadien des NSCLC als adjuvante und neoadjuvante Therapie (AEGEAN, NCT03800134), im lokal fortgeschrittenen inoperablen Setting (PACIFIC 2, NCT03519971; PACIFIC 4, NCT03833154; PACIFIC 6, NCT03693300), in Kombination mit dem anti-CTLA-4-Inhibitor Tremelimumab und Chemotherapie in der Erstlinientherapie des NSCLC (POSEIDON, NCT03164616), im kleinzelligen Lungenkarzinom (CASPIAN, NCT03043872; ADRIATIC, NCT03703297), bei lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Urothelkarzinomen (mUC), bei Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinom (HNSCC) sowie bei weiteren Tumoren untersucht.


 

Quelle: AstraZeneca

Literatur:

(1) Ramalingam SS et al. Annals of Oncology (2019) 30 (suppl_5): v851-v934. 10.1093/annonc/mdz394
(2) Data on File, REF-55958, AstraZeneca Pharmaceuticals LP
(3) Data on File, REF-55959, AstraZeneca Pharmaceuticals LP
(4) Fachinformation TAGRISSO®, Stand: August 2019
(5) Soria JC et al. N Engl J Med 2018; 378(2): 113–125
(6) Griesinger F et al. Annals of Oncology (2019) 30 (suppl_5): v602-v660. 10.1093/annonc/mdz260
(7) Christopoulos P et al. Annals of Oncology (2019) 30 (suppl_5): v602-v660. 10.1093/annonc/mdz260
(8) Antonia SJ et al. NEJM 2018; DOI: 10.1056/NEJMoa1809697


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ESMO 2019
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