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Medizin

09. Januar 2013 Neuroendokrine Tumoren vier Mal häufiger diagnostiziert als vor 20 Jahren

Am GEP-NET-Zentrum Universitätsklinikum Essen hat man sich auf seltene hormonproduzierende Tumoren spezialisiert. Diese entwickeln sich aus Zellen, die im Verdauungssystem, aber auch an anderen Stellen des Körpers vorkommen. Wichtig für den Therapieerfolg ist die richtige Diagnose und eine daraus abgeleitete spezifische Behandlung, die sich von der anderer Krebsarten unterscheidet. Das GEP-NET-Zentrum ist mit jährlich rund 300 Patienten eine der größten Einrichtungen für diese besondere Tumorart in Deutschland, Tendenz weiter wachsend.

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Da neuroendokrine, also hormonproduzierende Tumore am häufigsten im Magen (Gastro), im Darm (Entero) und in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) vorkommen, werden sie als GEP-Tumore bezeichnet. GEP-Tumore sind im Vergleich zu Krebserkrankungen wie Lungen- Brust- oder Darmkrebs selten. Insgesamt geht man deutschlandweit von etwa 1.000 Neuerkrankungen pro Jahr aus. „Die Diagnose ist aber nicht nur aufgrund der Seltenheit dieser Erkrankung für das Gros der Ärzte schwierig“, erläutert Prof. Dr. Dagmar Führer, Direktorin der Klinik für Endokrinologie & Stoffwechselerkrankungen am Universitätsklinikum Essen. „Da etwa zwei Drittel der GEP-Tumoren über längere Zeit keine oder nur schwer zuzuordnende Beschwerden verursachen, können sie sich oft über Jahre hin vollkommen unbemerkt entwickeln“, so Prof. Dr. Dagmar Führer. Anders als bei „normalem“ Darmkrebs können GEP-Tumore meist nicht über eine Darmspiegelung diagnostiziert werden. Symptome sind beispielsweise Hitzewallungen, deren Ursache häufig fehlgedeutet wird. Erst wenn das Tumor-Wachstum weit fortgeschritten ist, kann es durch die Verdrängung benachbarter Organe oder Gewebestrukturen zu deutlichen Auffälligkeiten kommen. „Dann haben sich in der Regel bereits Metastasen in anderen Organen gebildet. Für eine vollständige Heilung ist es häufig zu spät und das Ziel der Therapie besteht darin, betroffenen Patienten ein möglichst langes und beschwerdefreies Weiterleben zu ermöglichen“, so Dr. Harald Lahner, Leiter des GEP-NET-Studienzentrums und Leitender Oberarzt der Klinik für Endokrinologie. Denn während bei vielen Tumorarten erfolgreich auf den Einsatz von Chemotherapien gesetzt wird, helfen diese bei GEP-Tumoren in der Regel nicht. „Darum ist es besonders wichtig, dass gleich zu Beginn der Behandlung die richtige Diagnose gestellt wird und adäquate Therapien greifen können“, erklärt Dr. Harald Lahner.

Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung bedürfen die Diagnostik und Therapie neuroendokriner Tumoren eines erfahrenen interdisziplinären Teams. Dieses wird im Rahmen des speziellen Behandlungsprogramms für Endokrine Tumoren am Westdeutschen Tumorzentrum (WTZ) am Universitätsklinikum Essen von der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen koordiniert. Am GEP-NET-Zentrum sind die Kliniken für Nuklearmedizin, Chirurgie, Gastroenterologie und die Tumorklinik sowie die Institute für Radiologie und Pathologie aktiv beteiligt. Durch die interdisziplinäre Ausrichtung bestehen wertvolle Synergieeffekte, und es kann Patienten an einem Ort das komplette Spektrum von Diagnostik, chirurgischer, internistischer und nuklearmedizinischer Therapie angeboten werden. Dank verbesserter Krankheitserkennung, wie sie etwa im Bereich der Pathologie und der Bildgebung und damit in der Ursprungsanalyse des Tumors am Universitätsklinikum Essen zur Verfügung stehen, werden GEP-Tumore heute etwa vier Mal so häufig diagnostiziert wie noch vor 20 Jahren. „Die Behandlung wird individuell für jeden Patienten im Rahmen einer wöchentlichen interdisziplinären Tumorkonferenz festgelegt“, sagt Dr. Harald Lahner. Deswegen müssen Patienten am Universitätsklinikum trotzdem nicht von Arzt zu Arzt wandern. Fester Ansprechpartner ist stets der jeweils zuständige Endokrinologe.

Ein weiterer wesentlicher Vorteil der Behandlung am Universitätsklinikum Essen ist die Möglichkeit zur Teilnahme an Therapiestudien. Denn neben bereits etablierten Behandlungsverfahren nutzt das GEP-NET-Zentrum auch zahlreiche experimentelle Therapiemethoden. Entscheidende Fortschritte brachte beispielsweise die Einführung zielgerichteter Medikamente, deren Wirksamkeit zuletzt in internationalen, kontrollierten klinischen Studien nachgewiesen werden konnte.

Quelle: GEP-NET-Zentrum am Universitätsklinikum Essen


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