Freitag, 26. April 2019
Navigation öffnen

Medizin

14. November 2018 Neuroendokrine Tumoren: Radionuklidtherapie wird in erster Linie getestet

Auf einer Poster-Präsentation während des Kongresses der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (ESMO) in München wurde von ITM die COMPETE-Studie vorgestellt. Diese Phase-III-Studie testet bei der Behandlung des metastasierten gastroentero-pankreatischen Neuroendokrinen Tumors (GEP-NET) die Peptid-Rezeptor-Radionuklid-Therapie (PRRT) gegen den Firstline-Standard Everolimus 10 mg täglich (1). Fragestellung dieser noch rekrutierenden Untersuchung ist: ob sich die guten Ergebnisse der Phase-II-Studie für diese Therapieoption bestätigen lassen.
Anzeige:
Fachinformation
Bei Tumorentitäten wie den neuroendokrinen Tumoren (NET) können die überexprimierten Somatostatinrezeptoren ein Ziel sowohl bei der Diagnostik, als auch der Therapie sein. Bei einer Therapie mit PRRT wird ein Ligand eingesetzt, in welchem ein Peptid als Tracer dient, das an dem Somatostatinrezeptor bindet. Damit verbunden ist ein radioaktives Nuklid, in diesem Fall Lutetium-177. Das Radionuklid Lu-177 sendet zweierlei Strahlung aus, und zwar die therapeutisch wirksame Beta-Strahlung und außerdem eine Gamma-Strahlung, die außerhalb des Körpers zur Therapiekontrolle gemessen werden kann.
 
Die therapeutischen Betastrahlen von Lu-177 haben eine sehr geringe Reichweite von wenigen Millimetern, sodass lediglich die Somatostatinrezeptor überexprimierende Tumorzelle adressiert wird.

PRRT besonders wirksam bei GEP-NET

In der bereits ausgewerteten Phase-II-Studie mit der PRRT, welche Lu-177 verwendet, wurden 56 Probanden mit progredienten und bereits metastasierten NET inkludiert, bei denen der Primärtumor bei 50% gastroenteral und bei 26,8% pankreatisch lokalisiert war (der Rest: andere Lokalisationen). Sie bekamen im Mittel 2,1 Zyklen der PRRT, im einem Spektrum von 1 bis zu 4 Zyklen. Bei Auswertung der Gesamtpopulation ergab sich ein medianes Progressionsfreies Überleben (PFS) von 17,4 Monaten sowie ein medianes Gesamtüberleben (OS) von 34,2 Monaten (2).
 
In dieser Untersuchung aber zeigte sich bereits eine deutliche Dosis-Wirkungs-Relation. Die Patienten, welche mehr als einen Zyklus PRRT erhielten, erreichten ein PFS von 32 Monaten – unabhängig von dem Ort des Primärtumors; besonders wirksam war diese Therapieoption jedoch bei den GEP-NET, wo das PFS 34,5 Monate betrug. Bei dieser Subgruppe lag das Gesamtansprechen (ORR) mit 54,2% ebenfalls besonders hoch. Eine Komplettremission erlebten 25% der GEP-NET-Patienten.
 
Diese Therapie zeigte sich, so die Autoren, im allgemeinen als sehr gut verträglich. Nur ein Fall von einer Grad 3 Myelotoxizität wurde beobachtet. Und obwohl ein Fünftel der Probanden zu Beginn der Untersuchung eine milde renale Insuffizienz hatten, wurde keine Exazerbation derselben gesehen oder eine neu auftretende Verschlechterung der Nierenfunktion (2).

In der auf dem ESMO 2018 vorgestellten Phase-III-Studie COMPETE sollen aufgrund dieser Erfahrungen 300 GEP-NET Patienten im Verhältnis 2:1 entweder die PRRT mit Lu-177 oder Everolimus als Komparator in der ersten Behandlungslinie erhalten. Dabei werden von der PRRT 4 Zyklen angestrebt, die alle 3 Monate appliziert werden. Die gesamte Beobachtungsdauer beträgt 24 Monate. Der GEP-NET muss gemäß Einschlusskriterien inoperabel, progredient und Somatostatin-Rezeptor-positiv sein. Das Poster wurde von Prof. Dr. Marianne Pavel, Universitätsklinikum Erlangen, vorgestellt.

Reimund Freye

Quelle: Poster-Präsentation „COMPETE Trial – Peptide Receptor Radionuclide Therapy (PRRT) with 177Lu-Edotreotide vs. Everolimus in progressive GEP-NET", ESMO, 21.10.2018, München; Veranstalter: ITM

Literatur:

(1) ESMO 2018; Poster No. 1335TiP
(2) Baum RP et al. Theranostics 2016;6(4):501-10.


Das könnte Sie auch interessieren

Geballtes Wissen zu Krebs für alle

Geballtes Wissen zu Krebs für alle
© Krebsinformationsdienst, DKFZ; Bild: Pixabay 849820

Der offizielle Startschuss fiel am 30. März 1999. Die Internetseite des Krebsinformationsdienstes (KID), einer Abteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums, ging online. Heute nutzen monatlich rund 600.000 Besucher die Seite. Gefragte Themen sind Hintergründe zur Erkennung und Behandlung von Krebs, neue Therapieverfahren, aber auch Tipps zum Umgang mit der Erkrankung im Alltag. Alle, die sich vor Krebs schützen möchten, finden ausführliche Informationen über...

„Durch Wissen zum Leben“

Wann immer möglich, wird heutzutage versucht, Krebspatienten Klinikaufenthalte zu ersparen. Die Behandlung erfolgt vielmehr bevorzugt ambulant bei niedergelassenen Krebsmedizinern oder in Klinikambulanzen. Das erlaubt es den Patienten, trotz der Erkrankung weitestgehend in ihrer gewohnten Umgebung zu leben und ihrem Alltag nachgehen zu können. Die vorwiegend ambulante Behandlung hat jedoch auch zur Folge, dass dem Patienten weniger Ansprechpartner zu allen Fragen zur Erkrankung und...

Individualisierte Schmerztherapie

Individualisierte Schmerztherapie
© Dan Race / Fotolia.com

Schmerz ist eine komplexe Empfindung. Der menschliche Körper besitzt ein weitverzweigtes Netzwerk aus Schmerzrezeptoren und Schmerzleitungen.  Schmerzen können bei Krebserkrankungen durch das Wachstum eines Tumors oder auch durch unerwünschte Begleiterscheinungen von Therapien verursacht werden.  Um das Schmerzerleben adäquat behandeln zu können, ist es notwendig, eine individuelle Schmerztherapie durchzuführen. Die Mitarbeit der Betroffenen ist dabei...

Deutsche Bevölkerung hat große Angst vor Krebs und weiß wenig über moderne Krebstherapien

„Vor welcher Krankheit haben Sie persönlich am meisten Angst, dass Sie daran erkranken könnten?“ – Diese Frage stellte das Meinungsforschungsinstitut forsa in einer aktuellen repräsentativen Umfrage. Ergebnis: 57 Prozent der befragten Deutschen nennen Krebs an erster Stelle. Damit führt Krebs das Feld der gefürchtetsten Krankheiten mit großem Abstand an. Wie gleichzeitig ermittelt wurde, hat nur ein Drittel der Befragten* in letzter Zeit...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Neuroendokrine Tumoren: Radionuklidtherapie wird in erster Linie getestet"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.