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Medizin

23. August 2018 Neue Leitlinie der AGIHO zum Impfen von onkologischen Patienten: Pneumokokken-Impfung zur Routine machen

Die Arbeitsgemeinschaft Infektionen in der Hämatologie und Onkologie (AGIHO) der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) bestätigt in ihrer Leitlinie „Impfstrategien bei Patienten mit hämatologischen Malignomen oder soliden Tumoren“(1) die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Diese empfiehlt Ärzten, Immunsupprimierte – zu denen auch Krebskranke zählen – sequenziell gegen Pneumokokken zu impfen (2). In der Praxis ist die Pneumokokken-Impfrate onkologischer Patienten gering. Laut einer Studie sind nur 4,7% der gesetzlich versicherten onkologischen Patienten innerhalb von zwei Jahren nach ihrer Diagnose geimpft worden (3). Gerade mit Blick auf die nahende Influenza-Saison sollten Onkologen die neue Leitlinie zum Anlass nehmen, den Impfstatus ihrer Patienten zu überprüfen. Denn nicht selten geht eine Pneumokokken-Infektion mit einer Influenza einher.
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Fachinformation
Bei der sequenziellen Pneumokokken-Impfung wird Patienten zunächst der 13-valente Konjugatimpfstoff Prevenar 13® (PCV13) appliziert, sechs bis zwölf Monate später der 23-valente Polysaccharidimpfstoff PPSV23. (2) Die Herausgeber der evidenzbasierten AGIHO-Leitlinie sprechen sich deutlich für eine Impf-Prävention (1) aus, denn für immundefiziente Patienten sind Infektionskrankheiten besonders gefährlich. So ist das Risiko, an einer Pneumokokken-Infektion zu erkranken, für Krebspatienten 3,5-mal so hoch wie für gesunde Personen (4). Eine Influenza-Infektion wiederum zieht in bis zu 35% der Fälle eine bakterielle Co-Infektion nach sich. Streptococcus pneumoniae ist dabei der häufigste Erreger und die Hauptursache für Morbidität und Mortalität während einer Grippeepidemie (5, 6). Gerade bei immungeschwächten Patienten verläuft eine zusätzliche Erkrankung oft besonders schwerwiegend und ist im Gegensatz zu Verläufen bei Patienten mit einem normalen Immunsystem häufiger mit Komplikationen verbunden (7).


Neue Leitlinie: praktische Hinweise zur Influenza- und Pneumokokken-Impfung

Onkologen können ihre Patienten dabei unterstützen, einer weiteren schweren Erkrankung mit eventuell einhergehenden schweren Komplikationen vorzubeugen. Dazu ist es ratsam, den Impfpass ihrer Patienten regelmäßig – idealerweise erstmals zu Beginn der Behandlung – zu kontrollieren. Die neue Leitlinie bietet in Ergänzung zu den STIKO-Empfehlungen Entscheidungshilfen und praktische Ratschläge für optimale Impfstrategien bei Krebspatienten und Empfängern von autologen Stammzelltransplantationen. Die Empfehlungen erreichen nach der ESCMID-Klassifizierung (European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases) den höchsten Evidenzgrad: A.


 · Akute Leukämie (AL)

Patienten, die länger als sechs Monate an einer Leukämie erkrankt sind, sollten jährlich gegen Influenza geimpft werden. Dabei ist von Influenza-Lebendimpfstoffen abzusehen. Eine Pneumokokken-Impfung ist bei AL-Patienten vor dem Beginn einer Therapie angezeigt. Die Leitlinie empfiehlt, PCV13 zuerst zu verabreichen. Wenn ein Patient zuvor noch nie gegen Pneumokokken geimpft wurde, sollte er eine weitere Impfung mit dem Polysaccharidimpfstoff PPSV23 acht bis zwölf Wochen später erhalten.


· Maligne Lymphome, multiples Myelom und myeloproliferative Neoplasmen (MPN) mit Chemotherapie und solide Tumoren

Diesen Patienten sollte, unabhängig von ihrem Alter, jedes Jahr erneut ein inaktivierter Influenza-Impfstoff verabreicht werden. Ist eine Pneumokokken-Impfung noch nie erfolgt, rät die Leitlinie, erwachsene Patienten sequenziell gegen Pneumokokken zu impfen.


· Nach autologer Stammzelltransplantation (AST)

Drei bis sechs Monate nach einer AST ist eine Impfung gegen Influenza angezeigt. Ebenfalls drei bis sechs Monate nach der AST sollten drei Dosen PCV13 im Abstand von vier bis sechs Wochen, gefolgt von einer Dosis PPSV23 mit einem Abstand von mindestens acht Wochen, verabreicht werden.


PCV13: hohe Vakzine-Effektivität auch bei Immunsupprimierten

Impfungen tragen nicht nur bei gesunden Patienten dazu bei, das Risiko einer Influenza oder Pneumokokken-Infektion zu reduzieren. Auch das Immunsystem immunsupprimierter Patienten kann einen Impfschutz aufbauen. So belegen zum Beispiel Real-World-Daten für den Pneumokokken-Konjugatimpfstoff Prevenar 13® eine Vakzine-Effektivität von hohen 72,8% bei Personen über 65 Jahren, und das, obwohl 46% der eingeschlossenen Studienteilnehmer immunsupprimiert waren (8).

Quelle: Pfizer

Literatur:

(1) Rieger CT et al. Anti-infective vaccination strategies in patients with hematologic malignancies or solid tumors-Guideline of the Infectious Diseases Working Party (AGIHO) of the German Society for Hematology and Medical Oncology (DGHO), Annals of Oncology 29: 1354–1365, 2018, https://doi.org/10.1093/annonc/mdy117, letzter Zugriff: 15.08.2018
(2) Epidemiologisches Bulletin vom Robert Koch-Institut 34/2017, https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2017/Ausgaben/34_17.pdf?__blob=publicationFile, letzter Zugriff: 15.08.2018
(3) Nils Kossack, Niklas Schmedt: 24. Jahrestagung der GAA, Pneumokokkenimpfraten bei immungeschwächten Patienten in Deutschland, Abstract 100, 30.11.2017, Erfurt
(4) Pelton S et al. BMC. Infect Dis 2015; 15: 470, https://doi.org/10.1186/s12879-015-1162-y, letzter Zugriff: 15.08.2018
(5) Klein EY, Monteforte B, Gupta A et al. The frequency of influenza and bacterial coinfection: a systematic review and meta-analysis. Influenza Other Respir Viruses. 2016;10(5):394-403
(6) Gibson G, Loddenkemper R, Sibille Y, Lundback B, eds. European Lung White Book. Sheffield, United Kingdom: European Respiratory Society; 2013, http://www.erswhitebook.org/chapters/, letzter Zugriff: 03.08.2018
(7) Jacobi V et al. Radiologie up2date 4 2009 https://doi.org/10.1055/s-0029-1215330
(8) McLaughlin J, Jiang Q, Isturiz RE et al. Effectiveness of 13-Valent Pneumococcal Conjugate Vaccine Against Hospitalization for Community-Acquired Pneumonia in Older US Adults: A Test-Negative Design. doi: 10.1093/cid/ciy312, https://academic.oup.com/cid/article-lookup/doi/10.1093/cid/ciy312, zuletzt aufgerufen am 14.06.2018


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